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Ausgabe 11/2016

Auffälliger Sparfuchs

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© AUTOFLOTTE

Der Prius ist nichts für Undercover-Agenten, wo man hinkommt, fällt man auf. Gleichzeitig überzeugt er durch innere Werte, und auch sein Hybrid-Antrieb hält, was er verspricht.

_ Er ist der Hybrid-Pionier schlechthin - klar, gemeint ist der Toyota Prius. Bereits 1997 fuhr der Öko-Toyota vor, seit Anfang des Jahres steht die vierte Generation beim Händler. Am Konzept mit Fließheck und fünf Türen hat sich nichts geändert - gleichwohl steht der Prius nun auf der Plattform Toyota New Generation Architecture, was sich unter anderem in mehr Effizienz und Dynamik auswirken soll. Wir testeten den Prius in seiner Basisvariante.

Karosserie

Der Prius fällt auf. Die Tropfenform seiner Karosserie ist der für ein Hybridauto obligatorischen Optimierung der Kraftstoffeffizienz geschuldet, und Details wie das Scheinwerfer- und Leuchtendesign sorgen für Charakter. Kurz gesagt: Langeweile sieht anders aus. Während das Design natürlich reine Geschmackssache ist, beeinflusst die Karosserieform das Wohlbefinden der Passagiere dagegen durchaus. Während sich Fahrer und Beifahrer nicht über zu wenig Platz beklagen können, sieht das auf der Rückbank schon anders aus. Vor allem die Kopffreiheit hinten leidet unter der abfallenden Dachlinie, sie beeinträchtigt auch den Zustieg durch die Fondtüren. Für den Fahrer bedeutet das - keine Überraschung - eine nicht ganz optimale Rundumsicht, zumal auch die C-Säulen relativ breit ausfallen. Und die Querstrebe in der Heckklappe beeinträchtigt die Sicht nach hinten. Gut, dass der Prius serienmäßig mit Rückfahrkamera vorfährt. Durch die große Heckklappe gut zugänglich ist dagegen der Kofferraum, der mit 501 Litern bereits im Normalzustand einiges wegsteckt. Ganz stufenlos hievt man sein Gepäck jedoch nicht in den Laderaum, die Ladekante schließt innen nicht mit dem Ladeboden ab.

Interieur

Das ungewöhnliche Design setzt sich auch im Innenraum fort. Das Cockpit spannt sich bogenförmig von Tür zu Tür, und alle wesentlichen Anzeigen inklusive des Digitaltachos sitzen in der Mitte. Auffällig ist der wie ein Joystick aus der Mittelkonsole ragende Automatik-Wählhebel. Apropos Mittelkonsole: Mit ihrer weißen Farbgestaltung erinnerte sie uns - nun ja - doch etwas an eine Badewanne im Miniaturformat. Die Materialverarbeitung ist über jede Kritik erhaben, und was Haptik und Optik der verwendeten Materialien angeht, hat sich Toyota in den letzten Jahren deutlich nach vorn entwickelt. Bis auf den weißen Kunststoff der Mittelkonsole wirkt hier nichts mehr billig.

Antrieb

Kommen wir zum Herzstück des Prius, seinem Hybridantrieb. Drei Fahrmodi - Normal, Eco und Power - bietet er. Wir nutzten überwiegend Normal und Eco - Normal auf Langstreckenfahrten, Eco im Stau und Stadtverkehr. Der Power-Modus wirkte dagegen auch auf der Autobahn einen Tick unharmonischer. Im Stop-and-go-Verkehr ließen sich kürzere Distanzen im EV-Modus, aber auch rein elektrisch zurücklegen. Wann der Prius auf den Benziner verzichtet oder die Batterie lädt, darüber informiert die Energieflussanzeige im Kombiinstrument. Generell findet der Wechsel zwischen Verbrenner und E-Motor für den Fahrer kaum merklich statt. Tritt man voll aufs Gas, macht sich der Benziner aber besonders bemerkbar - das stufenlose Planetengetriebe lässt ihn vor allem an Autobahn-Steigungen aufheulen, ohne die Drehzahl merklich in Beschleunigung umzusetzen. Aber auch in normalen Fahrsituationen stellt sich dann und wann - wenn auch weniger oft als befürchtet - der berüchtigte Gummiband-Effekt ein. Wer die Fahrstufe B wählt, aktiviert übrigens die Motorbremse. Im Schnitt flossen 5,7 Liter Benzin durch die Kolben unseres Testwagens. Das liegt zwar deutlich vom Prospektwert entfernt, ist für einen vor allem auf der Autobahn gefahrenen Benziner aber wenig.

Fahrpraxis

Wer losfahren möchte, muss zunächst in alter Mercedes-Manier die Parkbremse per Fußpedal lösen. Die bequemen Sitze sind komfortabel-straff gepolstert und lassen den Fahrer auch nach langen Strecken entspannt aus dem Auto steigen. Große Fahrer wünschen sich jedoch einen erweiterten Lenkrad-Verstellbereich - auch in der höchsten Position ist das Lenkrad noch vergleichsweise niedrig. Das Fahrwerk zeigt sich nur in schnell gefahrenen engen Kurven etwas schwammig und federt sonst straff, aber nicht zu hart ab. Die Lenkung könnte einen Tick direkter agieren, ist im Alltag aber ebenfalls völlig unproblematisch.

Trotz des individuellen Innenraumdesigns lässt sich der Prius ohne Probleme bedienen. Die Digitalanzeigen lassen sich gut ablesen, auch die Ergonomie - einschließlich der Bedienung des Infotainmentsystems - passt. Unzuverlässig arbeitete dagegen die Verkehrszeichenerkennung unseres Prius: Sie zeigte sehr oft falsche Tempolimits an oder mahnte zum Bremsen, obwohl auf der Autobahn freie Fahrt herrschte.

Preise und Ausstattung

Wir testeten den Toyota Prius in Basisausstattung (ab 23.655 Euro). Dann fahren serienmäßig bereits Kollisionswarner, aktiver Spurhalteassistent, Fernlichtassistent und Verkehrszeichenerkennung mit, aber auch Gimmicks wie der adaptive Tempomat, LED-Scheinwerfer, Multimediasystem mit Rückfahrkamera, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen oder Zweizonen-Klimaautomatik. UnserTestwagen verfügte zudem auch über das Navigationssystem Toyota Touch&Go für 664 Euro. Einparkhilfen vorn (319 Euro) und hinten (269 Euro) gibt es optional. Die Sitzheizung vorn schlägt mit 420 Euro zu Buche. Höhere Ausstattungslinien sind Comfort (plus 1.471 Euro unter anderem zusätzlich mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern, Lederlenkrad, Sitzheizung vorn, Totwinkel- und Rückfahrassistent und automatisch abblendendem Innenspiegel) und Executive (plus 1.891 Euro zu Comfort zusätzlich mit Einparkassistent, Navigationssystem, JBL-Soundsystem und Regensensor).

Details

Stärken & Schwächen

Stärken- Niedriger Verbrauch- Gute Ergonomie trotz spacigem Interieur- Insgesamt durchaus dynamischer AntriebSchwächen- Schlechte Übersicht vorn wie hinten- Gummibandeffekt bei Autobahn-Bergauffahrten- Zu kleiner Lenkradverstellbereich

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