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Ausgabe 03/2017

Ehrliche Haut

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© AUTOFLOTTE

Mit dem Tipo räubert Fiat wieder in der Kompaktklasse. Als Stufenheck, Fünftürer und Kombi überzeugt er mit überdurchschnittlichem Preis-Leistungs-Verhältnis.

_ Fiat besinnt sich auf seine Wurzeln: Erstens führen nach 500, 124 oder Panda mit der Bezeichnung Tipo nun auch die Kompaktmodelle bereits in der Vergangenheit verwendete Namen. Zweitens gibt es mit dem Tipo überhaupt wieder moderne kompakte Fiat, die nicht zuletzt durch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen.

Das Testauto

Beispiel gefällig? Unser Testwagen Tipo Kombi Lounge 1.6 Multijet - also das Topmodell der Tipo-Familie - steht mit Sechsganghandschaltung bereits ab 18.025 Euro in der Preisliste. Das Basismodell Pop mit dem 95 PS starken Einstiegs-Benziner ist sogar schon ab 13.655 Euro zu haben. Die Top-Variante Lounge enthält dazu praktisch alles Begehrenswerte für den Dienstwagenfahrer an Bord - unter anderem 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Klimaautomatik, Infotainmentsystem mit 7-Zoll-Touchscreen, Licht- und Regensensor, Tempomat und Nebelscheinwerfer.

Karosserie

Wer einen Tipo kauft, erwirbt zwar nicht den großen Hingucker. Sachlichmodern, aber nicht modisch - so lässt sich sein Design am besten umschreiben. In der automobilen Gestaltungswelt mit ihren vielen Sicken, Chromleisten und oftmals unruhigen Linien muss das aber kein Nachteil sein. Im Gegenteil. Bringt die Fokussierung auf den Nutzwert im Alltag doch viele Vorteile mit sich. Der 4,57 Meter lange Kompakt-Kombi ist - dank großer Fensterflächen - beim Schulterblick übersichtlich und bietet seinen Passagieren mehr als ausreichend Platz. Weder vorne noch hinten zwickt es, und zwar auch nicht bei voller Besetzung mit größeren Beifahrern. Wie es sich für einen echten Kombi gehört, schluckt der Tipo Kombi ordentlich Gepäck. 550 Liter beträgt das Standardvolumen (maximal 1.650 Liter).

Dass man das Gepäck nur über eine niedrige Ladekante hieven muss, die innen mit dem Ladeboden abschließt, ist ein weiterer Vorteil. Wie in den meisten modernen Autos lässt sich auch die Tipo-Front überhaupt nicht abschätzen. Was nicht weiter schlimm wäre, gebe es Parksensoren vorne. Die liefert Fiat aber weder für Geld noch gute Worte.

Interieur

Mit dem Tipo leistet Fiat einen grundehrlichen Beitrag zum Thema Mobilität. Anders als so mancher Kompakter tut der im türkischen Bursa gebaute Italiener nicht einmal so, als wolle er im Premiumsegment wildern. Das macht ihn sympathisch, und dabei liefert er für seinen Preis eine mehr als ordentliche Leistung ab - auch im Innenraum. Die Materialien sind einfach, waren im Testwagen aber gut verarbeitet. Auch die Bedienung gibt keine Rätsel auf, bis auf zwei kleine Details: Die Tachoskalierung dürfte etwas weiter ausfallen, und die Tasten für die einstufige Sitzheizung (210 Euro oder für 714 Euro zusammen mit den Ledersitzen) verstecken sich doch arg hinter dem Schalthebel. Schön wäre es übrigens auch, wenn sich die Sitzheizung beim Abstellen des Motors ganz ausschalten würde, und nicht bei einem nächsten Start gleich wieder aktiv würde.

Antrieb

Der getestete 120-PS-Diesel ist - neben dem gleich starken 1.4 16V T-Jet - die Tipo-Spitzenmotorisierung. Er ist auch der einzige Antrieb, der neben dem Handschalter mit Doppelkupplungsgetriebe lieferbar ist (1.513 Euro). Angenehm fahren lässt sich der Tipo aber auch mit dem manuellen Getriebe. Dessen Schaltführung ist zwar nicht knackig-sportlich, diese Erwartungshaltung werden aber auch nur die wenigsten Käufer des Italo-Kompakten haben. Der Diesel ist deutlich als solcher erkennbar, ohne akustisch zu sehr in den Vordergrund zu treten. Zumindest nicht bei niedrigeren Drehzahlen - erst ab etwa 2.500 Touren wird er brummig. Dabei zeigt sich der Motor grundsätzlich von seiner dynamischen Seite und hatte mit dem leer knapp 1,4 Tonnen schweren Tipo auch beim Beschleunigen aus höheren Geschwindigkeiten keine Probleme. Übrigens auch dann nicht, als es mit vier Personen plus Gepäck auf Reisen ging. Im Schnitt flossen auf unseren - zu großen Teilen auf Autobahnetappen absolvierten - Fahrten 6,8 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen.

Fahrpraxis

Auch hier gilt: Der Tipo ist eine ehrliche Haut, will aus sich keinen Supersportler machen. Dynamik ist seine Sache also nicht, vor allem die schon ohne die Fiat-typische City-Funktion indirekte Lenkung unterstreicht den Eindruck des behäbigen Fahrverhaltens, und auch das Fahrwerk macht den Tipo nicht zum Kurvenräuber - sicher wirkt es aber zu jeder Zeit. Dabei federt der Tipo beladen deutlich souveräner ab als leer.

Autoflotte-Tipp

Unbedingt das Top-Level Lounge wählen. Die Basis Pop gibt es sowieso nur für die Einstiegsmotoren, und selbst dann ist die umfangreiche Lounge-Ausstattung für nur 1.681 Euro zu haben. Weil die stärkeren Motoren serienmäßig als Easy vorfahren, reduziert sich der Aufpreis dann praktisch sogar auf 840 Euro. Und wer den Tipo Lounge noch aufrüsten möchte, wählt neben dem Metalliclack (462 Euro) das Business-Paket mit Navi, Parksensoren, Rückfahrkamera und Fahrer-Lordosenstütze für1.050 Euro, das Sicherheits-Plus-Paket unter anderem mit Notbremsassistent und adaptivem Tempomat (420 Euro) sowie die Sitzheizung vorne für 210 Euro. Außerdem erste Wahl: der Kombi. Am günstigsten ist zwar die - in Deutschland nicht relevante - viertürige Limousine. Der Fünftürer belastet das Budget je nach Motorisierung mit 840 oder 924 Euro, der Kombi dann nochmals mit weiteren 840 Euro. Insgesamt ein Aufpreis, den es zu investieren lohnt.

Details

Stärken & Schwächen

Stärken- Sehr gutes Preis- Leistungs-Verhältnis- Gutes Platzangebot- Übersichtliche AufpreisstrukturSchwächen- Indirekte Lenkung- Keine Parksensoren vorn verfügbar

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