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Ausgabe 01/02/2017

Wiederauferstehung

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© AUTOFLOTTE

Schick sieht sie aus, die neue Giulia, und dynamisch ist sie auch. Was fehlt für einen Premium-Mittelklässler, sind aber mehr Assistenzsysteme.

_ Nach 37 Jahren Pause erblickte 2015 eine neue Giulia das Licht der Welt, seit Juni 2016 steht sie in Deutschland bei den Händlern. Sie ist ein echtes Markenkind, denn erstmals seit der Einstellung des Alfa 75 anno 1992 leitet der Motor seine Kraft bei einer Alfa-Romeo-Limousine wieder an die Hinterräder. Im Topmodell Giulia Quadrifoglio werkelt sogar ein von Ferrari entwickelter 510-PS-V6. Für den Autoflotte-Test fuhr die Giulia deutlich braver vor, unter ihrer Haube arbeitete der zweitstärkste Diesel mit 180 PS.

Karosserie

Das Scudetto, den typischen Markengrill, stolz in den Wind gereckt, runde Formen und typisches Hecktriebler-Layout mit langer Haube, kurzem Überhang vorne und knackigem Heck - so fuhr schon lange kein Alfa-Viertürer mehr vor. Dabei erkauft die Giulia ihr attraktives Design nicht mit zu vielen Einbußen in Sachen Funktionalität.Weder herrschen innen klaustrophobisch enge Zustände noch ist die Rundumsicht besonders schlecht. Auch normal große Fondpassagiere sitzen dann noch gut, wenn der Fahrer 1,80 Meter groß ist - inklusive ausreichend Kopffreiheit. Nur bei der Beladung des 480 Liter großen Kofferraums erfordert die Form Kompromisse: Schon etwas größeren Koffern oder Kartons versperrt die kleine Luke schnell den Weg in den Gepäckraum.

Interieur

Auch innen zeigt sich die Giulia dynamisch. Tiefe Höhlen beherbergen Tacho und Drehzahlmesser, und auch die fließende Form des Instrumententrägers sorgt für Dynamik. Die sportliche Note unterstreichen das kleine Lenkrad und der Startknopf im Lenkrad. Nachteil: Es finden sich wenige Ablagen. Haptik und Qualitätseindruck bieten insgesamt keinen Grund zur Kritik - auch wenn sie mit deutschen Premiumwettbewerbern nicht ganz mithalten können. So dürften die Ledersitzbezüge (840 Euro) einen Tick hochwertiger wirken.

Unsere Giulia kam mit dem Infotainment-System Alfa Connect mit 8,8-Zoll-Monitor, 3D-Navigation und Dreh-Drück-Knopf Rotary Pad (2.101 Euro). Das dort angezeigte Bild der Rückfahrkamera (im Assistenz-Paket in Zwangskombination mit elektrisch anklappbaren Außenspiegeln für 1.076 Euro) ist etwas klein geraten. Auch der Dreh-Drück-Knopf ist zu wenig empfindlich - oft kam der Befehl erst nach zweimaliger Bestätigung im System an. Außerdem will die Smartphone-Kopplung mit dem Infotainmentsystem bei jedem Start neu bestätigt sein.

Antrieb

Was das Design verspricht, hält der Antrieb: Die 180 PS spürt man sofort, das maximale Drehmoment von 400 Nm liegt bereits bei 1.500 Touren an, und schon ab 1.200 oder 1.300 Touren kommt Schub. So ist die Giulia auch bei höheren Drehzahlen und Geschwindigkeiten dynamisch und elastisch. Weniger toll ist dagegen das hakelige Getriebe. Schade, denn mit geschmeidigen Gangwechseln böte es mit seinen kurzen Schaltwegen ein Top-Schalterlebnis. Der Verbrauch lag bei durchschnittlich 7,6 Litern - bei Fahrten zu ähnlichen Teilen in der Stadt, auf Landstraßen und auf der Autobahn.

Fahrpraxis

Die Giulia macht Spaß, fährt sich leichtfüßig. Sie ist für ein Auto ihres Formats auch in der Stadt sehr wendig, die Lenkung ist knackig und direkt, das Fahrwerk sportlich abgestimmt. Das bedeutet aber auch: Kurze Bodenunebenheiten gibt es direkt und hart an die Passagiere weiter. Den Kompromiss aus Dynamik und Komfort hat beispielsweise BMW besser im Griff. Dafür erlaubt die Giulia spritzige Kurvenfahrten, für die die optionalen Ledersitze allerdings etwas mehr Seitenhalt bieten könnten. Immer mit an Bord ist die Fahrdynamikregelung Alfa DNA mit den Programmen Dynamic, Natural und Advanced Efficiency. Besonders direkt am Gas hängt der Mittelklässler dabei im Dynamic-Modus.

Preise und Ausstattung

Alfa Romeo liefert seinen neuen Mittelklässler in vier Varianten: als Giulia, Giulia Super, Giulia Veloce und Giulia Quadrifoglio. Die Version Super ist für den getesteten 180-PS-Diesel - mit Ausnahme der Version Advanced Efficiency - der Serientrimm. Sie kommt immer mit Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat, Licht- und Regensensor, Radio, 7-Zoll-Infodisplay, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und Parksensoren hinten. Wer weitere Extras will, hat die Auswahl aus zahlreichen Features, deren Kombination manchmal allerdings nicht ganz nachvollziehbar ist. Kauft man die Ledersitze nicht im Paket, ist zum Beispiel keine Sitzheizung dabei. Die gibt es nicht als Einzeloption, sondern nur in Paketen, so dass die günstige Möglichkeit, in der Giulia Super mit beheizbaren Vordersitzen zu fahren, im Kauf des Winterpakets für 1.218 Euro besteht, das zusätzlich elektrische Vordersitze sowie beheizbares Lenkrad und beheizbare Scheibenwischer enthält. Empfehlenswerte Extras sind das Assistenz-Paket (Totwinkel- und Fernlicht-Assistent, abblendende Spiegel, Rückfahrkamera, Parksensoren vorne und hinten; 773 bis 1.176 Euro plus elektrisch anklappbaren Außenspiegeln für 303 Euro), das es aber nicht mit dem Business-Paket (Navi-Infotainment, elektrisch anklappbare Außenspiegel, Parksensoren vorne und hinten für 832 bis 1.084 Euro) gibt. Dynamische Xenon-Scheinwerfer kosten 336 bis 1.176 Euro, LED gibt es nur als Tagfahrlicht. Und der sinnvolle adaptive Tempomat schlägt - ausschließlich verfügbar als Einzeloption - mit 1.008 Euro zu Buche. Generell dürfte das Angebot an Assistenzsystemen großzügiger ausfallen, Gimmicks wie eine Verkehrszeichenanzeige gibt es weder für Geld noch gute Worte.

Details

Stärken & Schwächen

Stärken- Schickes Design- Dynamischer AntriebKnackige Lenkung und sportliches FahrwerkSchwächen- Wenig Assistenzsysteme- Hakeliges Getriebe- Harte Federung auf kurzen Bodenwellen

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