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Ausgabe 01/02/2017

Zwischen den Welten

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© AUTOFLOTTE

Mit dem Q30 wildert Infiniti erstmals in der Kompaktklasse. Um gegen die etablierten Platzhirsche eine Chance zu haben, kommt der Premium-Japaner als schickes Crossover.

_ Seit 2008 ist die Nissan-Premiumtochter Infiniti in Deutschland vertreten, zu Beginn mit großen Limousinen und SUVs. Seit Ende 2015 leisten die Japaner mit dem Q30 aber auch Basisarbeit. Schützenhilfe leistete Renault-Nissan-Partner Daimler - der kompakte Q30 ist ein technischer Zwilling des Mercedes-Benz GLA.

Karosserie

Seinen Genen entsprechend wandelt der Q30 zwischen den Welten. Er ist weder kompaktes Schrägheck noch wirklich SUV - ein klassischer Crossover eben. Sein Design stellt die Familienverhältnisse sofort klar: Flache und breite Scheinwerfer, ein dynamisch gezeichneter Grill und der für die neueren Modelle typische Schwung in der C-Säule finden sich auch beim Einstiegsmodell der Marke wieder. Was gut aussieht, bringt aber auch Nachteile mit sich. Der Q30 ist unübersichtlich - und zwar nach allen Seiten. Vor allem B- und C-Säule sind derart massiv gestaltet, dass man sich den Schulterblick getrost sparen kann. Zudem beeinträchtigen die schrägen A-Säulen und die ansteigende Fensterlinie das Raumgefühl. Eng wie in einer Sardinenbüchse wird es objektiv gesehen allerdings nicht. Ist der Q30-Fahrer 1,80 Meter groß, sitzt ein gleich großer Passagier hinter ihm noch relativ komfortabel. Noch ein Satz zum Kofferraum: Er ist gut geschnitten und bietet mit 430 Litern ein ordentliches Standardvolumen. Damit schluckt er problemlos drei kleinere Koffer - die man allerdings über eine hohe Ladekante wuchten muss, die auch innen noch spürbar abfällt. Weitere Hürde auf dem Weg zum Gepäck: die schwere Heckklappe.

Interieur

Alles in allem kommt der Q30 auch innen als typischer Infiniti daher. Nur ein paar Details verraten seine schwäbischen Gene. Ein Beispiel ist der links neben dem Lenkrad platzierte Drehschalter für das Licht - erfolgt die Illumination in Nippon-Autos doch meist über eine entsprechende Funktion im Blinkerhebel. Der - unser zweites Beispiel - ist aber bereits besetzt, nimmt er doch Mercedes-typisch die Scheibenwischer-Bedienung auf. Unabhängig davon überzeugt der Q30 - wie übrigens schon unser Test-Q50 im Sommer - im Interieur mit guter Verarbeitung und für japanische Autos sehr hochwertigen Materialien. Nicht immer das Gelbe vom Ei ist dagegen die Ergonomie: Insgesamt fünf Tastenreihen lassen einen manchmal den Überblick verlieren, auch die Infotainment-Menüführung ist nicht immer logisch. Dazu kommt eine etwas billig wirkende Grafik des Sieben-Zoll-Touchscreens.

Antrieb

Mit dem 109 PS starken 1.5d fuhren wir den kleineren der beiden Q30-Diesel, kombiniert mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DCT. Fürs Dahingleiten auf der Autobahn reicht diese Antriebskombination sicherlich, wirklich dynamisch oder elastisch ist sie aber nicht. Für diese Trägheit ist aber auch das teils ruckig schaltende Getriebe verantwortlich, das die Gänge unabhängig vom gewählten Fahrmodus weit ausdreht. So wirkt der Motor, der im Schnitt 7,5 Liter auf 100 Kilometer benötigte, bei höheren Geschwindigkeiten schnell auch relativ laut. Noch ein Wort zur Start-Stopp-Automatik: Der Re-Start des Motors erfolgt hier mit deutlich spürbarer Gedenksekunde. Tritt man an der Ampel aufs Gas, passiert erstmal - nichts. Auf die Dauer ist diese Verzögerung recht nervig, und manchmal auch brenzlig, zum Beispiel, wenn man beim Linksabbiegen noch schnell eine Lücke im Gegenverkehr nutzen möchte, der Motor aber erst mit Verzögerung wieder anspringt.

Fahrpraxis

Unser Q30 rollte in der Premium-Ausstattung mit dem Style-Paket City Black vor, und das bedeutet serienmäßig 18-Zoll-Räder. In der Praxis heißt das: Der Q30 federt kurze Bodenwellen ziemlich holprig ab, dem Fahrwerk fehlt es in dieser speziellen Kombination ein wenig an Feintuning. Das gilt auch für die oftmals indirekt arbeitende Lenkung. Dennoch entsteigt man dem Q30 auch nach längeren Strecken entspannt, Rückenschmerzgefahr besteht nicht. Was in der Stadt auffällt: Für ein Kompaktauto ist der Q30 nicht der Wendigste.

Preise und Ausstattung

In der Basis-Variante startet der Q30 1.5D ab 22.059 Euro, dann allerdings immer mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Die Kombination mit dem DCT gibt es erst in der nächsthöheren Variante Premium (ab 26.084 Euro). Sie ist generell eine gute Wahl, gibt es doch für die Basis Features wie Parksensoren hinten oder Regensensor weder für Geld noch gute Worte, ganz zu schweigen von Navi, Assistenzsystemen oder Rückfahrkamera. Das Style-Paket City Black für 2.613 Euro lohnt sich weniger wegen seiner modischen Gimmicks wie mit Alcantara-/Kunstledersitzen oder dunklen Seitenfenstern hinten, sondern vor allem wegen des Navigationssystems, der Verkehrszeichenerkennung oder den LED-Scheinwerfern. Es zwingt allerdings zusätzlich zum Kauf von 18- oder 19-Zoll-Leichtmetallfelgen (252 bis 840 Euro). Wer auf LED-Licht verzichten kann, kauft das Navi inklusive Digitalradio und Verkehrszeichenerkennung für 1.311 Euro als Einzeloption. Dazu noch das Technikpaket mit Einparkassistent, Rückfahrkamera für bessere Übersicht und schlüssellosem Zugang (983 Euro), und fertig ist der Q30.

Details

Stärken & Schwächen

Stärken- Insgesamt guter Qualitätseindruck- Schickes Design- Geräumiger KofferraumSchwächen- Schlechte Übersicht- Träger Antrieb- Start-Stopp-Automatik mit verzögertem Re-Start

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