Unterhalb des Zuckerhuts fahren inzwischen viele Ethanolfahrzeuge.
Ethanol
Brasilien und USA führend
Man traute seinen Ohren nicht, als Noch-US-Präsident George Bush Anfang 2006 in seiner jährlichen Ansprache zur Lage der Nation die "Ölsüchtigkeit" seiner Landsleute kritisierte. Ausgerechnet der Spross der Familie, die ihren Reichtum vor allem dem "Schwarzen Gold" zu verdanken hat, erkannte erstmalig die Notwendigkeit an, die Abhängigkeit vom fossilen Brennstoff zu reduzieren. Was viele seiner Zuhörer – und vielleicht sogar Bush selbst – nicht wussten: Die Vereinigten Staaten gehören bereits heute weltweit zu den größten Produzenten des Treibstoffs Ethanol. Laut einem Bericht der EU-Kommission werden dem herkömmlichen Kraftstoff jährlich acht Mio. Tonnen des Pflanzenalkohols beigemischt.
Weiter ist man nur in Brasilien. Dort wurde seit 1975 massiv die Produktion und Markteinführung von Bio-Ethanol subventioniert, so dass die Südamerikaner heute mit jährlich über zehn Mio. Tonnen der weltweit größte Produzent dieses Kraftstoffs sind, der in Europa noch stiefmütterlich behandelt wird. In dem in vielerlei Hinsicht von der Natur begünstigten Land gedeiht Zuckerrohr besonders gut. Der wiederum ist prädestiniert für die Ethanol-Produktion.
Der Kraftstoff entsteht durch Vergärung zucker- oder stärkehaltiger Pflanzen. Zuckerrohr ermöglicht eine besonders effiziente Produktion mit einem CO2-Einsparpotenzial, das selbst die Mineralölindustrie mit 85 Prozent beziffert. Dadurch hat sich das Land von Erdölimporten fast unabhängig gemacht. Neue "Flexible Fuel Vehicles" (FFV), also Fahrzeuge die jede beliebige Mischung von Benzin und Ethanol tanken können, haben dort inzwischen einen Marktanteil von über 50 Prozent. Volkswagen mischt hier mit dem VW Fox kräftig mit. Allerdings scheint die Ethanol-Euphorie auch ökologische Kehrseiten zu haben. Als eine der ersten berichtete die deutsche Ausgabe des Magazins "Technology Review" über Regenwaldrodungen zugunsten weiterer Anbauflächen.
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