Biosprit: E10-Schäden im Fokus

29.03.2011 15:37 Uhr
Die Debatten um den Biosprit E10 nehmen kein Ende.
© Foto: Michael Gottschalk/dapd

Auf den ersten Blick scheint es eine Super-Sache zu sein: Der Kraftstoffkonzern Shell will dem verschmähten Biosprit E10 mit kostenlosen Versicherungen zu mehr Erfolg verhelfen. Das Unternehmen bietet Kunden einen Versicherungsschutz gegen Schäden an, welche die neue Super-Benzinsorte womöglich anrichten kann (wir berichteten). Bisher meiden Kunden das E10 mit zehn Prozent Bioethanolanteil - dabei soll es eigentlich zur neuen Haupt-Spritsorte werden. Shell und andere Konzerne haben deswegen seit Wochen riesige Logistikprobleme, da die meisten Autofahrer zum herkömmlichen Super-Benzin greifen. Der ADAC nannte die Aktion des Mineralölkonzerns einen "Marketing-Gag". Denn die kostenlose Versicherung hat viele Haken: Die Kunden müssen ihre Tanks mindestens zu 80 Prozent bei Shell füllen. Falls sie öfter bei der Konkurrenz an die Zapfsäule fahren, erlischt der Versicherungsschutz. Für den Nachweis der Shell-Treue müssen Kunden ihre Tankquittungen aufbewahren - oder gleich zur Stammkundenkarte der Tankstellenkette greifen. Problem Nummer zwei: Die Police gegen E10-Schäden endet schon nach anderthalb Jahren. Shell wies die Kritik am Dienstag (29. März) bei der Vorstellung der Aktion in Berlin zurück. "Nach wie vor gibt es große Verunsicherung. Wir wollen einen Beitrag leisten, um unseren Kunden Sicherheit zu geben", sagte Jörg Wienke, Leiter des deutschen Shell-Tankstellengeschäftes. Zur relativ kurzen Laufzeit der Versicherung erklärte der Partner des Angebotes, die Deutsche Familienversicherung DFV, dass das ausreiche. "Wir gehen davon aus, dass sich Langzeitschäden bereits innerhalb von 18 Monaten zeigen", sagte DFV-Vorstand Stefan Knoll. ADAC nennt die Police einen Marketing-Gag Deutschlands größter Automobilclub ADAC sieht das anders. "Wenn ich einen E10-Schaden habe, dann kann der auch nach den 18 Monaten eintreten, und dann ist die Versicherung schon wieder abgelaufen", sagte ADAC-Verkehrsexperte Andreas Hölzel. Im Gegenzug müsse sich der Kunde an Shell-Kraftstoff binden - und stets den Preis zahlen. "Es ist im Grunde eher ein Marketing-Gag - ob er gut ist, wird sich noch herausstellen", sagte Hölzel. Versicherungsvorstand Knoll kündigte an, es werde nach den 18 Monaten eine Anschlussversicherung geben. Die kostet dann aber - zum möglichen Preis sagte Knoll nichts. Die Zusicherung, für mögliche E10-Schäden aufzukommen, gibt es derweil schon längst. Die Automobilhersteller hatten beim "Benzin-Gipfel" Anfang März zugesagt, dass ihre Verträglichkeitsliste für den neuen Biosprit verbindlich sei. Am Montag bekräftigte der Verband der Automobilindustrie diese Zusage in einer gemeinsamen Mitteilung noch einmal: "Unsere Aussagen in dieser Liste sind verbindlich."

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Autoflotte ist die monatlich erscheinende Fachzeitschrift für den Flottenmarkt im deutschsprachigen Raum. Zielgruppe in diesem wachsenden Markt sind die Fuhrpark-Entscheider in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen mit mehr als zehn PKW/Kombi und/oder Transportern. Vorstände, Geschäftsführer, Führungskräfte und weitere Entscheider greifen auf Autoflotte zurück, um Kostensenkungspotenziale auszumachen, intelligente Problemlösungen kennen zu lernen und sich über technische und nichttechnische Innovationen zu informieren.