Donnerstag, 24.05.2012
02.06.2009
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Überlebenskampf
GM auf dem Weg zum Staatskonzern

Gut 100 Jahre nach seiner Gründung soll GM sich jetzt gesundschrumpfen. Der Autobauer wird dazu bis auf weiteres verstaatlicht.

GM beantragt Insolvenz

Stunde Null für den einst größten Autobauer der Welt: Nach jahrelangen Milliardenverlusten hat die bisherige Opel-Mutter General Motors als letzte Überlebenschance am Montag Insolvenz angemeldet. Im größten gerichtlichen Gläubigerschutz-Verfahren eines Industriekonzerns in der US-Geschichte soll sich GM gut 100 Jahre nach seiner Gründung jetzt gesundschrumpfen und bis auf weiteres verstaatlicht werden. Weitere Zehntausende Jobs fallen weg. Der amerikanische Autoriese steht damit am dramatischen Scheideweg zwischen Neustart und Untergang.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich optimistisch über die Zukunftsaussichten eines umstrukturierten Konzern. Der Plan sei "glaubhaft und vielversprechend". Das schnelle Insolvenzverfahren des Konkurrenten Chrysler gebe ihm Vertrauen, dass General Motors künftig stärker und wettbewerbsfähiger aufgestellt sein werde. GM-Chef Fritz Henderson setzt indes auf einen schnellen Neustart. Das Insolvenzverfahren solle binnen 60 bis 90 Tagen abgeschlossen werden, bekräftigte er in New York. "Das ist nicht das Ende von GM, sondern der Start eines neuen und besseren Kapitels." Die Kunden bat er um eine "neue Chance" für den Hersteller: "Der GM-Konzern, der zu viele von Ihnen enttäuscht hat, ist Geschichte."

Der Konzern soll - geschützt vor dem Zugriff der Gläubiger - in einen "guten" und einen "schlechten Teil" aufgespalten werden. GM soll künftig schon in die Gewinnzone fahren, wenn in den USA - wie etwa für 2009 erwartet - nur zehn Millionen Autos aller Hersteller pro Jahr verkauft werden. Bislang lag die Schwelle bei 16 Millionen.

GM soll radikal umgekrempelt werden

Präsident Obama hatte dem Traditionsunternehmen ein Ultimatum bis zum 1. Juni gestellt: Entweder legt GM einen überzeugenden Sanierungsplan vor oder als einzige Überlebenschance bleibt die Insolvenz nach US-Muster. Nun wird der Konzern radikal umgekrempelt: Laut Regierung sollen elf Werke geschlossen und drei weitere nicht mehr genutzt werden. Berichten zufolge sollen erneut Zehntausende Stellen wegfallen - auf weit unter 100.000 allein in Nordamerika. Vor zehn Jahren gab es noch mehr als doppelt so viele.

Die US-Regierung übernimmt rund 60 Prozent an dem Konzern, Kanada
12 Prozent. Die Autogewerkschaft UAW erhält für Milliarden-Zugeständnisse knapp 18 Prozent an GM. Die Chancen für ein Überleben von GM stiegen zudem am Wochenende in fast letzter Minute durch eine Einigung mit den Zehntausenden Gläubigern. Für den Verzicht auf 27 Milliarden Dollar an Schulden sollen die Kreditgeber zehn Prozent am neuen Konzern bekommen, später können es bis zu 25 Prozent werden. Der amerikanische Steuerzahler springt mit weiteren rund 30 Milliarden Dollar ein, um die Insolvenz zu finanzieren, Kanada ist mit knapp 10 Milliarden dabei. Damit haben die US-Steuerzahler rund 50 Milliarden (35 Mrd Euro) in GM gepumpt. Die verbliebenen Aktionäre gehen unterdessen praktisch leer aus.

Obama betonte erneut die Absicht seiner Regierung, die Anteile nicht länger als nötig zu halten. "Unser Ziel ist, GM wieder auf die Beine zu helfen, uns zurückzuhalten und uns schnell wieder zurückzuziehen", sagte der Präsident. "Wir werden zurückhaltende Anteilseigner sein, weil das der einzige Weg für GM zum Erfolg ist."

| Lesen Sie weiter auf Seite 2: GM hat möglicherweise Käufer für Marke Hummer




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