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Abnahmefahrt Mercedes E-Klasse Cabrio

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist

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Mercedes bereitet den Start des neuen E-Klasse Cabrios vor.
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Für Christian Früh ist der Winter vorbei, bevor er begonnen hat. Denn während die Kollegen daheim in Stuttgart bei Minusgraden bibbern, kurvt der Projektleiter der E-Klasse durchs warme Arizona.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Winter ist auch nur ein Wort. Zumindest für Männer wie Christian Früh. Zwar hat der Ingenieur privat als passionierter Skifahrer nichts gegen Eis und Schnee. Doch dienstlich zieht es ihn gerade in wärmere Gefilde. Denn Früh verantwortet in der Mercedes-Entwicklung die E-Klasse und er legt gerade letzte Hand an das neue Cabrio, mit dessen Premiere die Schwaben auf dem Genfer Salon den Generationswechsel ihrer wichtigsten Baureihe abschließen.

Während die Kollegen daheim in Sindelfingen bei Minusgraden bibbern, ist er in Arizona bei der so genannten Heißlanderprobung und nimmt seine vier Prototypen auf dem Rundkurs eines geheimen Testgeländes und den einsamen Landstraßen drum herum härter ran als jeder Kunde. "Konstruktiv sind die Autos fertig und die Abstimmung steht kurz vor dem Serienanlauf auch schon. Aber hier gibt es den Feinschliff", sagt Früh und horcht mit spitzen Ohren tief in die Karosserie hinein, während sich das Auto auf ausgesucht schlechten Straßen bei Vollgas windet und schindet. Er fühlt nach Vibrationen, schaut, ob irgendwo Staub eindringt oder in der Mechanik schleift, achtet auf das flüchtigste Flattern am Dach und lauscht nach jedem noch so kleinen Störgeräusch.

Dass die E-Klasse im Hinterland von Phoenix Meile um Meile abspult, dient zwar vor allem den Härtetests, damit später nichts rattert und klappert und das Verdeck auch unter widrigsten Umständen tadellos öffnet und schließt, ohne dass im Stoff hässliche Krähenfüße, Falten oder Wellen bleiben. Nicht umsonst lassen die Testfahrer tagsüber das Dach während ihrer endlosen Runden bis zu 500 Mal auf- und zu surren und nachts werden die Steuergeräte so programmiert, dass noch einmal tausende Durchläufe im Stand dazu kommen. Und nicht ohne Grund haben die Schwaben auf dem Testgelände in Phoenix sogar ihr eigenes Kopfsteinpflaster aus Europa verlegen lassen, weil es sonst nicht in die genormten Testzyklen passen würde.

Alltagstaugliches Cabrio

Doch im Prinzip simuliert die Tour über den Apache Trail auch den so genannten "Use Case", den alltäglichen Einsatz, für den Früh das Open-Air-Modell konzipiert hat: "Wir sehen in der offenen E-Klasse ein Cabrio, das als vollwertiger Viersitzer absolut alltagstauglich ist", sagt der Ingenieur und grenzt den Wagen damit nicht nur von der Konkurrenz ab, sondern auch von der optisch kaum kleineren C-Klasse. Und selbst die S-Klasse mag mehr Status bieten, mehr Luxus und stärkere Motoren, aber nicht mehr Platz, sortiert Früh die Frischware aus Stuttgart und lässt als einziges Referenzmodell mit Stern das selige 124er Cabrio gelten. Außer der eigenen Modellreihe wird es dagegen schwer mit einer Alternative. Der BMW 6er mag höher positioniert sein, bietet aber weniger Platz, genau wie der Bentley Continental GTC. Und der Audi A5 fährt eher gegen die C-Klasse. Viel mehr als den Rolls-Royce Dawn muss Früh deshalb nicht fürchten.

Verantwortlich für die neue Raumordnung ist vor allem das neue Format. Schließlich ist das Cabrio nicht nur sieben Zentimeter breiter als der Vorgänger, steht entsprechend satter auf der Straße und hat bei schnellen Kurvenpassagen einen stabileren Stand. Vor allem geht das Auto um zwölf Zentimeter in die Länge. "Elf Zentimeter davon kommen im Radstand an und um allein fünf Zentimeter wächst der Abstand zwischen der Sitzlehne und der Rückbank", rechnet Früh vor. Wenn man erst einmal hineingeklettert ist, kann man deshalb selbst auf den etwas kurzen Polstern im Fond tatsächlich ganz ordentlich sitzen. Und 390 Liter Kofferraumvolumen sind für ein Cabrio auch kein schlechter Wert.

Weil Mercedes es ernst meint mit der Alltagstauglichkeit, haben die Schwaben zudem wie schon in der C-Klasse serienmäßig eine umklappbare Rückbank eingebaut. Und weil auch die Sache mit der Viersitzigkeit kein Scherz ist, gibt es dock gefütterten Akustik-Verdeck sogar Leselampen für die Hinterbänkler und erstmals in der offenen E-Klasse auch eine Sitzheizung im Fond.

Allrad optional bei vier Modellen

Zwar übernimmt das Cabrio alle Assistenzsysteme, das aufwändige Infotainment und die meisten Motoren der E-Klasse. So gibt es mittelfristig Benziner vom 184 PS starken Vierzylinder im E 200 bis zum V6 mit 401 PS im E 43 mit AMG-Logo sowie zwei Diesel mit 194 PS und 258 PS im E 220d und im E 350d und zum ersten Mal die Option auf Allradantrieb für gleich vier Modelle. Das Verdeck und Extras wie das ausfahrbare Windschott hinter den Rücksitzen, den Aircap-Spoiler über der Frontschiebe oder die Nackenheizung Airscarf kennt man so vom Cabrio der C-Klasse. Und vom Coupé stammen die allermeisten Blechteile sowie die vorderen Sitze. Doch zumindest bei der Abstimmung geht das Cabrio seinen eigenen Weg, nicht nur, weil das offene Auto rund 150 Kilo schwerer ist als das Coupé: "Wir haben das Cabrio als lustvollen Cruiser ausgelegt. Nicht ganz so komfortabel und entspannt wie die Limousine, aber auch nicht so sportlich, stramm und engagiert wie das Coupé", sagt Früh und nennt seinen nur noch am Heck verklebten Prototypen die "E-Klasse für Genießer".

Das zeigt sich auch bei der erweiterten Ausstattung, die einen höheren Grad der Individualisierung und ein paar ausgefallenere Farbkombinationen erlaubt. Über das Yachtblau zum Beispiel oder für das Tizianrot auf dem komplett belederten Armaturenbrett musste das Team lange diskutieren. Genau wie für den neuen Duft mit dem passenden Namen Daybrake, den die Schwaben exklusiv für die Zweitürer der E-Klasse kombiniert haben.

Zwar kann Früh mitten im Winter schon mal die Sonne genießen und mit ein paar Monaten Vorlauf in die Cabrio-Saison starten. Doch ganz ungetrübt ist die Freude nicht. Denn der Chef der Baureihe weiß, dass er bis zur Markteinführung im September noch ein paar Testschleifen drehen und dafür bald noch einmal verreisen muss. Und zwar in Gegenden, die die nicht ganz so sonnig sind wie Arizona. Denn ausgerechnet wenn die Kollegen daheim in Deutschland so langsam ihre offenen Young- und Oldtimer aus der Garage holen, geht es für ihn nach Norden – zur letzten Wintererprobung am Polarkreis. 

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