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Aston Martin DB11

Edel und eilig

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Der DB11 ist trotz einer deutlichen optischen Modernisierung leicht als Aston Martin zu erkennen
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Er ist der Tiefstapler unter den Supersportwagen. Denn wo die Konkurrenz auf Opulenz und Drama setzt, übt sich der neue Aston Martin DB11 in vornehmer Zurückhaltung. Aber genau das macht den Reiz des Rasers aus.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung in der Villa Collalto. Und um halb acht auch. Zwar haben die Mechaniker gerade ein Dutzend Supersportwagen in den Hof des toskanischen Landgutes aufgefahren, doch die Gäste schlummern friedlich weiter. Denn selbst wenn es bei Aston Martin noch kein Hybrid- und erst recht keinen Elektroantrieb gibt, ist der neue DB11 das leiseste Auto, das die Briten je gebaut haben. Oder kann es zumindest sein, wenn der Fahrer höflich ist und den Frieden mit seinen Nachbarn liebt. Nicht umsonst hat der neue Grand Turismo, der im Oktober zu Netto-Preisen ab 172.184 Euro die Nachfolge des DB 9 antritt, eigens einen Silent Start-Mode bekommen. Mit ihm bleiben beim Anlassen die Schallklappen geschlossen und man hört vom mächtigen Zwölfzylinder kaum mehr als ein heißeres Flüstern.

Das passt zu einem Auto, das Understatement zur obersten Maxime macht und deshalb weder akustisch nach Aufmerksamkeit heischt noch alle Blicke fangen will. Natürlich fällt ein Aston Martin auf. Schon weil man ihn nicht an jeder Ecke sieht. Aber gemessen an der Konkurrenz ist der DB11 eine eher stille Schönheit, der jede Übertreibung peinlich ist. Keine Linie zu viel ziert deshalb seine in Form und Format nur mäßig modifizierte Karosse. Die Kiemen in den Kotflügeln und die Nüstern auf der Haube sind vergleichsweise dezent, die Leuchten schlicht und schmal und pubertäres Flügelwerk sucht man gleich ganz vergebens. Mehr als einen winzigen Heckspoiler gibt es nicht. Und selbst der fährt nur aus, wenn das Sportprogramm aktiv und man besonders schnell unterwegs ist.

Aber bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Nur weil der DB11 so zurückhaltend auftritt, ist er kein Langweiler. Im Gegenteil: Man muss nur ein wenig fester aufs Gas treten, dann lässt er alle Zurückhaltung fahren und aus dem Tiefstapler wird ein Tiefflieger, der kaum mehr Grenzen kennt. Wenn man dann noch mit den beiden Schaltern am Lenkrad Fahrwerk und Antrieb scharf schaltet, dann dreht der neue 5,2-Liter-V12-Turbo mit seinen 447 kW / 608 PS auf, den Aston Martin bei Ford in Köln bauen lässt, und brüllt wie entfesselt. Die Achtgang-Automatik von ZF wechselt die Gänge wie mit Hammerschläge und der DB11 stürmt voran, dass es eine wahre Freude ist. Von 0 auf 100 in 3,9 Sekunden und bei Vollgas 322 km/h – da ist für Understatement dann nicht mehr viel Platz.

Spektakulär sind aber nicht allein die Fahrleistungen, sondern mehr noch die Art, wie man diese erlebt. Denn auch da macht der DB11 einen großen Unterschied zur Konkurrenz. In einem Lamborghini sind solche Vollgasorgien automobil Pornographie, Ferrari macht daraus das große Drama und bei Bentley lacht man höhnisch über die Gesetze der Fahrphysik, die mit Opulenz und Ignoranz ausgehebelt werden. Doch bei Aston Martin ist die Schnelligkeit so selbstverständlich, dass sie keine große Inszenierung braucht.

Leichte Alustruktur, ausgeglichene Gewichtsverteilung, innovative Aerodynamik

Dabei hilft dem DB11 neben der leichten Alustruktur und der durch das ins Heck verlagerte Getriebe ausgeglichenen Gewichtsverteilung vor allem sein innovatives Aerodynamik-Konzept. Denn die Briten entlüften nicht nur geschickt die vorderen Radhäuser mit von unten genoppten Stegen in den Kiemen, damit der Bug bei hohem Tempo nicht zu leicht wird. Sie lenken den Fahrtwind auch entlang der C-Säule durch einen Tunnel, der unter dem Kofferraumdeckel endet und die Luft so ausströmen lässt, dass sie einen unsichtbaren Spoiler bildet und das Heck so noch fester auf die Fahrbahn drückt.

Wie es sich für einen guten Gran Turismo gehört, ist auch der DB11 ein Kompromiss zwischen Supersportwagen und Luxuslimousine. Das gilt für das Fahrverhalten mit dem entspannten Gefühl auf der Autobahn und dem engagierten Biss auf der Landstraße genauso wie für den Komfort in der Kabine. Die ist mit sechs Zentimetern mehr Radstand und einer deutlich entschlackten Karosserie spürbar geräumiger geworden, ist schmuck möbliert und wahrt mit handvernähtem Leder, offenporigem Holz und schmucken Sensorfelder geschickt die Balance zwischen peinlichem Protz und lustvoll inszeniertem Luxus.

Ein evolutionär weiterentwickeltes Design, ein Motor mit neuer Technik und alten Tugenden und ein Set-Up, das den DB11 zum perfekten Begleiter für alle Tage und alle Wege macht – so haben die Briten die Idee vom Gran Turismo perfektioniert. Und jetzt, wo Daimler fünf Prozent der Aktien gehören und es im Gegenzug viel Elektronik aus Stuttgart gibt, kann man diesen großen Tourer noch ein bisschen besser genießen. Nicht nur, weil er sich mit der von Mercedes bestückten Mittelkonsole besser bedienen lässt, die 360 Grad-Kamera aus Stuttgart beim Rangieren hilft und der DB 11 wenn’s sein muss sogar auf Knopfdruck von alleine einparkt. Sonden vor allem, weil es neben dem Soundsystem von Bang & Olufsen und dem digitalen Cockpit jetzt endlich auch ein vernünftiges Navi gibt – egal wie groß die Tour im Grand Tourismo auch sein mögen und wo sie einen hinführen, so findet man jetzt wenigstens auch wieder zurück.

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