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BMW-Strategien

Weiß-blaue Zukunft

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Der BMW i8 kommt 2018 als Roadster.
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Elektrifizierung der Antriebe, autonomes Fahren, digitale Vernetzung, Leichtbau und neuartige Innenräume. BMW will auf all diesen Gebieten auf der Poleposition fahren – und stellt aktuell die Weichen dafür.

Von Michael Specht/SP-X

"Willkommen bei den Bayerischen Elektromotoren-Werken". BMW-Chef Harald Krüger musste selbst etwas schmunzeln als er einige Fach-Journalisten zu einem Ausblick in die Zukunft begrüßt. Schließlich gehört es seit einem Jahrhundert zu den Kerntraditionen des Münchener Unternehmens, Verbrennungsmotoren zu bauen. Doch die Zeiten ändern sich, gewaltig sogar. Autobauer müssen umdenken, um zukunftsfähig zu bleiben. Nicht nur Regularien und Gesetze - wie CO2-Emissionen, Umweltzonen und Abgasnormen - zwingen sie dazu. Auch die Gesellschaft und das Mobilitätsverhalten ändern sich und damit der typische traditionelle Autokäufer. "Immer mehr Menschen leben in Mega-Citys, und immer mehr sind immer häufiger online", sagt Krüger, "eine Generation ist im Aufbruch. Die Welt wird digital."

Besonders letzteres zwingt BMW, Partnerschaften einzugehen und Allianzen zu schmieden. Hochgenaue digitale Karten fürs autonome Fahren werden mit Here, Audi und Daimler gemeinsam entwickelt. Eine weitere Kooperation ist der bayerische Autobauer mit Mobileye und Intel eingegangen. Und eine Partnerschaft mit Toyota beinhaltet neben der Konstruktion eines Sportwagens vor allem die Entwicklung der Brennstoffzelle. Die umweltfreundliche Wasserstofftechnologie sieht Krüger hauptsächlich bei größeren und schwereren Fahrzeugen als die vielversprechendste Lösung an. Losgehen soll es ab 2020.

Vorrang allerdings hat die Elektrifizierung der Antriebe. Beim reinen batteriegetriebenen Elektroauto preschte BMW bereits Ende 2013 mit dem i3 voran. Den umweltfreundlichen Sportwagen der Zukunft vertritt der i8, den es 2018 auch als Roadster geben wird. Es wäre dann das einzige Cabriolet mit E-Antrieb.

Konzentration auf Plug-in-Hybrid

Massiv vorangetrieben werden soll der Plug-in-Hybrid, als Kombination aus Benziner und Elektromotor sowie einer an der Steckdose (plug) aufladbaren Batterie. Mit dem neuen Fünfer 530e iPerformance schickt BMW nun bereits sein sechstes Plug-in-Modell an den Start. Über 100.000 elektrifizierte Fahrzeuge (60.000 i3, 10.000 i8 und 30.000 Plug-ins) haben die Bayerischen Motorenwerke in den vergangenen drei Jahren schon verkauft. "Diese Zahl werden wir allein 2017 übertreffen", verspricht Konzernchef Krüger.

So viel Kompetenz wie nötig bleibt dabei im Haus. Eigenentwicklungen sind zum Beispiel die Elektromotoren. Um diese für die zu erwartenden hohen Stückzahlen fit zu machen, wurden neue Herstellungsverfahren entwickelt. Zudem werden die Motoren kleiner, effizienter und leistungsfähiger. Das schafft für die Designer neu Möglichkeiten bei der Innenraumgestaltung.

Auch in der Batterieentwicklung steckt viel Münchener Know-how. Auf begrenzten Raum muss eine immer höhere Energiedichte untergebracht werden. Gearbeitet wird bereits an einer 800-Volt-Batterie für den BMW iNext, der ab 2021 ein neues Zeitalter der Elektromobilität einleiten und mindestens 600 Kilometer Reichweite haben soll. Die Batterie füllt den gesamten Fahrzeugboden aus. "Dieses Fahrzeug vereint autonomes und emissionsfreies Fahren, Leichtbau und ein Höchstmaß an Konnektivität" sagt Krüger.

Die Konkurrenz schläft nicht

Für Branchenexperten kommt das nächste i-Modell – Gerüchte lauten, es solle i5 oder i6 heißen – allerdings recht spät. Die Konkurrenz schläft nicht. Im Gegenteil, Audi schickt 2018 den Crossover Q6 e-tron an die Stromsäule. Mercedes kontert etwa zeitgleich ebenfalls mit einem Soft-SUV. Die Stuttgarter haben dafür sogar die Submarke EQ ins Leben gerufen. Porsche bereitet sich mit dem Serienmodell der Studie Mission E auf eine neue Art der Fahrfreude vor. Selbst Jaguar ist mit von der Partie. Die Briten zeigten kürzlich auf der Messe in Los Angeles den i-Pace und versprechen über 500 Kilometer Reichweite. Und wer weiß, was der Volkswagenkonzern um 2019/20 noch aus Köcher zieht? Der I.D. gab ja auf der Messe in Paris im September bereits einen Vorgeschmack.

BMW weiß das alles. BMW weiß auch, dass der i3 alleine dagegen wenig ausrichten kann. Daher entschied man in der Münchener Vorstandsetage, 2019 zumindest den Mini Countryman als E-Auto auf die Räder zu stellen und bei der Kernmarke für 2020 den X3 als Stromer-Derivat anzubieten.

Parallel gilt es, das autonome Fahren voranzutreiben. Schon heute haben Laser-Scanner, Kamera, Bildverarbeitung und künstliche Intelligenz erhebliche Fortschritte gemacht. Erste Autos wie die Mercedes E-Klasse und der neue BMW Fünfer können bereits ohne Zutun (Level 2) auf der Autobahn dem Vordermann oder den Linien auf der Straße folgen, sie halten Abstand, fahren im Stau wieder an, bremsen selbstständig und sind sogar mittlerweile in der Lage, auch zu überholen. Nur, mindestens eine Hand muss immer am Lenkrad bleiben. Audi will mit dem A8 im Herbst genau dies beseitigen und somit auf Level 3 erhöhen.

Mehr sicherheit durch autonomes Fahren

Autonomes Fahren soll die Sicherheit im Verkehr erhöhen. "Über 90 Prozent der Unfälle passieren durch menschliches Versagen", sagt Klaus Büttner, "allein in den USA sterben täglich so viele Menschen als würde jeden Tag ein Flugzeug abstürzen.“ Der Projektleiter für autonomes Fahren arbeitet bei BMW daran, den Computer im Auto immer intelligenter zu machen. "Das System kann nicht nur Menschen erkennen, sondern auch erfassen, wohin die Person schaut und berechnen, was sie im nächsten Moment zu tun gedenkt." Unter Büttners Kollegen heißt dies "Fußgängeraufenthaltswahrscheinlichkeitsräume".

Mag dabei heute noch manchem Autofahrer etwas mulmig sein, die Technologie wird kommen. Spätestens in zehn Jahren, so sind sich Experten wie Büttner sicher, ist Level 4 erreicht. Bedeutet: Ich benötige keinen Führerschein, das Auto fährt mich selbstständig von A nach B, sucht sich alleine seinen Parkplatz und holt mich auf Abruf wieder ab. Dafür reichen ein paar Fingertipps auf dem Smartphone. Und es muss nicht einmal das eigene Auto sein.

Denn, auch das ist nicht nur den BMW Strategen, sondern der gesamten Branche mehr als deutlich bewusst, ein Auto einfach nur kaufen, es besitzen und mit ihm fahren, es in die Werkstatt zum Service bringen ist ein Auslaufmodell. Die Digitalisierung wird Dinge ermöglichen, an die wir heute im Traum nicht denken würden. Und das alles in naher Zukunft. Die Autohersteller werden zu Mobilitätsanbietern, erschließen sich damit neue Geschäftsfelder – und sichern ihr Überleben. Der Schlüssel zu allem ist das Smartphone. Dieses Jahr gründete BMW in den USA die Submarke "ReachNow". Sie hat Ähnlichkeit zu "DriveNow" in Deutschland oder zu "Car2go" bei Mercedes. Doch "ReachNow" macht es dem User viel einfacher, mobil zu werden. Er muss lediglich mit dem Smartphone seine Kreditkarte und seinen Führerschein fotografieren und die Bilder dem Online-Antrag beifügen, schon darf er mit einem i3 oder Mini umherfahren. 

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