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Fahrbericht: Alfa Romeo 4C Spider

Hut ab zum Sonnentanz

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Der Alfa Romeo 4C macht auch als Spider eine Bella Figura.
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Wenn man bei einem schönen Sportwagen das Dach weglässt, erhöht das die Lautstärke, aber auch den Fahrspaß. Und aus Komfortgründen hat sicher niemand den Alfa 4C bislang geordert.

Von Michael Kirchberger/SP-X

Fast wäre die Premiere im Strudel der Studien-Versionen untergegangen, etwas lieblos und wie abgestellt debütierte die Serienausführung des Alfa Romeo 4C Spider auf der Autoschau in Detroit. Die richtige Bühne war es für den heißblütigen Italiener eben nicht, dort im eisigen Norden der Vereinigten Staaten. Jetzt aber kann er seinen ganzen Charme entfalten. Im Testzentrum von Fiat, ein paar Kilometer südlich von Mailand, wo scharfe Kurven zum Tanz bitten und keine Carabinieri dem wilden Treiben mit Laserpistole und roter Kelle Einhalt gebieten. Dass obendrein die Sonne mit mehr als frühlingshafter Milde auf der Ebene liegt, in der hauptsächlich der Riso für das traditionelle Risotto reift, macht die erste Ausfahrt mit dem schnellen Alfa umso reizvoller. Im Nu ist die leichte Stoffhaube zusammengerollt, dann dringt das grelle Aufkreischen des Vierzylinders ungefiltert an die Gehörgänge von Fahrer und Beifahrer.

Der Alfa Romeo 4C macht auch als Spider eine Bella Figura: schlank geschnitten, mit stark betonten Radhäusern und der weichen, fließenden Dachlinie, die auch das knappe Stoffverdeck nicht verunziert. Die Ausfahrt geht auch durch verschlafene Dörfer, Mittagszeit, manch einer der Gäste, der seinen Kaffee auf den draußen aufgestellten Stühlen einnimmt, springt auf und applaudiert. Wenn nicht hier, wo sonst soll man Alfa-afin sein. Und auf den 4C, egal ob als Coupé seit vorigem Jahr oder den Spider ab diesem Herbst, setzt man große Stücke. Sie sollen ein Teil des Aufbruchs der Traditionsmarke sein, der seinen nächsten Schritt am 24. Juni im Werk Arese gehen wird, so denn alles nach Plan geht. Dort feiert unter gleichzeitiger Wiedereröffnung des Museums die neue Giulia Premiere, eine viertürige Limousine mit Hinterradantrieb, deren Größe sie zwischen dem 3er und dem 5er BMW einordnet. Doch zurück zum 4C Spider.

Der ist mit seinen Dimensionen von knapp vier Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,18 Metern Höhe nahezu identisch mit der Coupé-Version. Neu sind die Voll-LED-Scheinwerfer vorne, die allerdings als Extra auch für das Coupé geordert werden können. Der Mittelmotor sitzt direkt hinter den beiden schlanken Sportsitzen und treibt die Hinterräder an, im Heck warten spärliche 110 Liter Kofferraumvolumen auf Beladung. Wer hier zusätzlich zum Pannenset das gerollte Verdeck mit seinen starren Seitenstreben verstaut, muss sich bei der Gepäckmitnahme erheblich bescheiden. Im Innenraum gibt es nur kleine Fächer, die für Sonnenbrille oder Brieftasche taugen, schon ein Tablet-PC muss in einer Behelfsunterkunft absteigen.

Wahre Fahrmaschine

Doch entpuppt sich der Spider als wahre Fahrmaschine. Was nicht nur an seinem aufgeladenen Vierzylinder liegt, der aus eben mal 1,75 Liter 177 kW / 237 PS schöpft und 350 Nm Drehmomentspitze zwischen 2.200 und 4.250/min stemmt. Vor allem das geringe Gewicht macht ihn unglaublich agil, ganze 45 Kilogramm schwerer als das Coupé ist er geworden wiegt schlanke 940 Kilogramm. Das Kohlenstofffaser-Chassis und die Aluminium-Achsträger haben im Vergleich zum Coupé kaum zugelegt, nur acht Kilogramm sind sie schwerer geworden. Die neuen Ausstattungen wie serienmäßige Klimaanlage (plus 18 Kilogramm) oder die LED-Scheinwerfer (plus zwei Kilogramm) sorgen für den Zuwachs. Das drückt zwar auf die Waage aber nicht auf die Fahrleistungen. In flinken 4,5 Sekunden beschleunigt der Spider von 0 auf 100 km/h, 257 km/h Höchstgeschwindigkeit sind bei geschlossenem Dach möglich. Das wirkt außerordentlich stabil, verursacht aber höhere Windgeräusche. Und da Offenfahren sogar bis über 200 km/h weitgehend zugfrei möglich ist, sollte man sich diesem Vergnügen im Alfa hingeben, wann immer es die Wetterlage erlaubt.

Das Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen schaltet meist dann, wenn es an der Zeit ist. Wer mit seinen Entscheidungen nicht übereinstimmt, kann auf manuelle Gangwahl umstellen und diese über Schaltpaddles am kleinen Lederlenkrad treffen. Sehr feinfühlig reagiert der Motor auf die Berührung des Gaspedals, der Spider schnellt nach vorne und verliert seinen Vorwärtsdrang unter dem Pfeifen des Turbos auch bei hohem Tempo nicht. Eine härtere Behandlung verlangt die Bremse, stramm muss aufs Pedal getreten werde, worunter die Dosierbarkeit ein wenig leidet. Trotzdem kommt der Alfa auf kurzer Distanz zum stehen, 36 Meter genügen ihm zum Verzögern von 100 auf 0 km/h. Das Einlenkverhalten ist vorbildlich, wie am kurzen Zügel geführt wirft sich der Spider in die Kurven. Nur beim Rangieren verlangt die präzise Lenkung eine starke Hand, auf eine Servolenkung wird aus Gewichtsgründen verzichtet. Dass die Federung bei all dem noch einen gewissen Komfort bietet, gereicht der Fahrwerksabstimmung zur Ehre.

Dennoch ist der 4C Spider kein Auto für alle Tage, eher ein Spaßauto. Der Mehrpreis im Vergleich zum Coupé rührt hauptsächlich von der Mehrausstattung her, die Klimaanlage etwa verursacht beim geschlossenen 4C einen Aufschlag. Neben der finanziellen Hürde müssen sich die Freunde des schnellen Alfa Romeo noch mit Lieferengpässen anfreunden können. Bislang warten in Deutschland noch rund 400 Kunden auf ihr bestelltes 4C Coupé. Das soll sich ändern, für Europa sind in den nächsten zwölf Monaten jeweils 1.000 Spider und 1.000 Coupé reserviert und sollen über die 140 Alfa-Romeo-Händler ausgeliefert werden.

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