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Fahrbericht BMW M760Li xDrive

Voll auf die Zwölf

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BMW legt wieder eine V12-Variante des 7ers auf.
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Gut Ding will Weile haben. Über ein Jahr nach Einführung des Siebeners geht nun die V12-Version an den Start. Der Buchstabe M – erstmals am Heck der Toplimousine – soll unmissverständlich verraten: Hier kommt der stärkste jemals gebaute BMW.

Von Michael Specht/SP-X

Gewöhnlich hört man eine Zwölfzylinder-Luxuslimousine nicht, wenn sie um den Häuserblock biegt. Allenfalls ein dezentes Rauschen ist zu vernehmen. Die Zeiten ändern sich, zumindest bei BMW. Der M760Li xDrive röhrt bisweilen wie ein Sportwagen und macht unmissverständlich klar: Hier kommt etwas Besonderes.

Nun, schon ein dutzend Zylinder unter der Haube sind außergewöhnlich. Nur wenige Hersteller gönnen sich den "König des Motorenbaus" noch, bestimmt für betuchte Kunden, denen es mehr auf Prestige und Status ankommt als auf PS oder gar Verbrauch. Sie leben vor allem in Amerika und Asien. Und dürften sich vermutlich wundern über die seltsame Bezeichnung am Kofferraumdeckel des 7er. Was macht der Buchstabe M dort? Und warum plötzlich xDrive? Das gab es doch bislang beim Zwölfzylinder gar nicht.

Die Antwort: Erstmals in der Geschichte des 7ers hat sich die Performance-Tochter M GmbH des Flaggschiffs der Marke angenommen. Herausgekommen ist ein rollender Superlativ. Die Zwölfzylinder-Limousine markiert das oberste Ende des Produktportfolios. Nie zuvor gab es ab Werk einen stärkeren BMW. 610 PS und 800 Newtonmeter an Drehmoment dürften den vorläufigen, nein vermutlich den endgültigen Schlusspunkt im bayerischen Motorenbau setzen. Die Kraft reicht aus, um den 2,2 Tonnen schweren Luxusliner in nur 3,7 Sekunden von null auf 100 km/h zu katapultieren. Das ist bestes Porsche-Niveau. "Kein Wettbewerber spurtet schneller los", sagt der Chef der M GmbH, Frank van Meel. Nicht einmal ein leistungsstärkerer Mercedes-AMG S65 kann hier mithalten. Der Schwaben-Limousine fehlt der Allradantrieb.

Ausschließlich mit langem Radstand

BMW setzt seit einigen Jahren zwischen einem reinen M-Modell und dem jeweils stärksten Modell der Kernmarke eine Art Brückenglied. Beim Fünfer ist dies zum Beispiel der M550i unterhalb des M5. Beide gehen noch dieses Jahr in den Markt. Beim 7er jedoch gibt es und wird es keinen M7 geben. "Unsere Kunden würden die dann doch sehr sportliche Positionierung des Fahrzeugs vermutlich nicht gutheißen", sagt Timo Resch, Leiter Produktmanagement für die großen Baureihen bei BMW. Folglich ist der M760Li xDrive das Spitzenmodell der Baureihe und wird ausschließlich mit langem Radstand und Allradantrieb angeboten.

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Ungewöhnlich für einen 7er ist die Optik, die manchem Kunden sicher zu sportlich erscheinen wird. Kein Chrom, riesige Lufteinlässe, blaue Bremssättel, mächtige, schwarz lackierte 20-Zoll-Räder und M-Logos an Flanke und Heck. Wählt man dann noch einen Mattlack hinzu – wie bei den zur Verfügung gestellten Testwagen – fehlt es dem Oberklässler an der segmentüblichen Eleganz. "Für diese Kunden haben wir die Excellence-Version", sagt Resch. Bei ihr spielt Chrom die Hauptrolle, die Frontschürze ist dezenter und M-Badges sind nirgends zu sehen. Lediglich die V12-Embleme an C-Säule und Kofferraumdeckel sowie die Vierrohr-Abgasanlage weisen darauf hin, dass hier jemand mindestens 140.252 Euro netto ausgegeben hat. Das klingt nach viel, andere wiederum sehen das als Schnäppchen an. Der BMW ist unter den Zwölfzylindern dieser Welt das günstigste Angebot.

Mehr geht nicht

Und er dürfte seinem Segment gewiss der sportlichste sein. Den Ingenieuren gelang eine einzigartige Kombination aus Fahrdynamik, Geschmeidigkeit, Laufkultur und Langstreckenkomfort. Mehr geht nicht, möchte man meinen, wenn draußen die Landschaft vorbeifliegt. Der M760 scheint über dem Asphalt zu schweben, und kann gleichzeitig fast so handlich wie eine kompakte Sportlimousine um die Kurven fegen, trotz seines hohen Gewichts. Diesen Spagat schafften die Münchener mittels adaptiver Luftfederung, elektromechanischer Wankstabilisierung, Integral-Aktivlenkung sowie mitlenkender Hinterachse. Gerade aus engen Biegungen heraus merkt man deutlich, wie die hinteren Räder sich bemühen, das Heck herumzuziehen. Andererseits: Welcher Kunde dieser Klasse prügelt seine Luxuslimousine wie ein Rennfahrer ums Eck?

Er wird eher die unglaubliche Souveränität des Zwölfzylinders genießen wollen. Bereits bei 1.500 Umdrehungen wuchtet das Dutzend Kolben 800 Nm auf die Kurbelwelle. In diesem Drehzahlbereich (und wenig darüber) bewegt sich der M760 im Alltag zu mehr als 95 Prozent. Somit ist stets die volle Kraft abrufbar, ein kurzer Kick aufs Gas genügt und die Fuhre schießt nach vorn, presst die Insassen tief in die Ledersitze. Im Maximum soll der Bayern-Bolide 305 km/h laufen. Das glauben wir gern, konnten es allerdings nicht ausprobieren: BMW präsentierte sein Topmodell im tempobegrenzten Kalifornien.

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