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Fahrbericht McLaren 570S

Formel 1 für Frischlinge

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152.730 Euro netto kostet das neue Einstiegsmodell von McLaren.
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Bislang musste man tief in die Tasche greifen, um einen McLaren zu fahren. Jetzt bringen die Briten ihr neues Einstiegsmodell. Der Preis sinkt, aber der Spaß ist ungebrochen.

Von Benjamin Bessinger/sp-x

Eine Marke öffnet sich: Musste man vor 20 Jahren für einen F1 noch Multi-Millionär sein und brauchte auch für den 12C beim Neustart vor vier Jahren einen großen finanziellen Spielraum, reicht für den neuen 570S schon ein niedriger verzinstes Anlagepaket. Denn wenn der Tiefflieger Ende November die "Sport Series" als dritte Modellfamilie am unteren Ende der Palette begründet, sinkt der Einstiegspreis bei den Briten auf einen Schlag um 42.000 auf 152.730 Euro netto. Und wenn im Frühjahr für 134.453 Euro ohne Mehrwertsteuer der 540C nachgereicht wird, lässt McLaren sogar noch einmal 16.800 Euro netto nach.

Aber nur weil man ein bisschen Geld spart, muss man bei diesem Auto nicht auf Spaß verzichten. Im Gegenteil: Technisch bis auf die aktive Aerodynamik ohnehin weitgehend identisch mit dem 650S, das Design nur gelinde entschärft und vom gleichen, freilich diesmal etwas eingeschnürten V8-Motor angetrieben, bietet der McLaren ambitionierten Frischlingen spürbar mehr Formel1-Faszination als Konkurrenten wie der Porsche 911 Turbo oder der neue Audi R8.

Dafür muss man nur ein wenig auf der Klaviatur auf dem Mitteltunnel spielen und den 570S richtig scharf schalten. Denn während den Wagen im normalen Set-Up tatsächlich jeder Frischling fahren kann und er mit der ersten Start-Stopp-Automatik der Firmengeschichte sogar halbwegs sparsam zu bewegen ist, wird er mit Handling und Powertrain im Sport- oder gar im Track-Modus zur messerscharfen Präzisionswaffe, die alle Vernunft dem Vortrieb opfert.

Augen groß wie Untertassen

Der 3,8 Liter-Motor dreht ungehemmt, die Turbos blasen was das Zeug hält und mit 570 PS katapultiert der V8 die wie immer bei McLaren weitgehend aus Karbon gebackene Flunder in die Ferne. Wenn maximal 600 Nm auf minimal 1.313 Kilo treffen, hilft die Fliehkraft dem Fahrer beim Schlucken und beim Kickdown werden die Augen groß wie Untertassen: Nicht umsonst beschleunigt der McLaren in 3,2 Sekunden von Null auf 100, hat nach 9,5 Sekunden schon bei 200 Sachen auf der Uhr und schafft mit wenig Geduld und viel Mut bei Vollgas 328 km/h. Dazu ein überraschend komfortables und trotzdem bretthartes Fahrwerk und eine Lenkung mit der Schärfe und der Präzision eines chirurgischen Skalpells – fertig ist der kühle Killer, der nach Kurven giert, jede Gerade zum Dragstrip macht und die Spielregeln für Sportwagen in seinem Segment neu definieren könnte.

Aber es sind nicht allein die Fahrleistungen und die fast klinische Präzision, mit denen McLaren einen Unterscheid macht. Auch das Gefühl im Auto ist ein anderes als bei Konkurrenten wie Porsche oder Audi. Denn so sehr McLaren mit den vielen Sicken in der Karosse, den sichelscharfen LED-Bögen in den Leuchten und natürlich den Schmetterlingstüren außen die große Show abzieht, so sehr nimmt sich das Auto innen zurück. Zwar hat der 570S genau wie der R8 ein digitales Cockpit, doch fühlt man sich deshalb trotzdem nicht wie an einer Play-Station. Wo sich bei Porsche zwischen den Sitzen die automobile Entsprechung der chinesischen Mauer auftürmt, macht sich der McLaren schlank und lässt den Passagieren ihren Raum. Und selbst das Lenkrad ist frei von allen Knöpfen. Es fehlt zwar nichts, aber es soll auch nichts vom Fahren ablenken, so die Botschaft der Briten.

Eine harte Nuss

Zwar ist der 570S der schwächste und auch der langsamste McLaren im aktuellen Portfolio. Doch für Chefentwickler Ben Gulliver war er womöglich trotzdem die härteste Nuss, die der Ingenieur in seiner Karriere zu knacken hatte. Nicht nur, weil er Aufwand und Kosten drücken musste und beim Spaß keine Kompromisse machen wollte. Sondern auch, weil er sich bei diesem Auto auf das Abenteuer Alltag einlassen musste: "Wir bewegen uns in einem Segment, in dem die Kunden weniger Fahrzeuge haben und diese öfters nutzen", umschreibt er die Ausgangslage. "Deshalb musste der 570S zugleich der praktischste McLaren aller Zeiten werden." Gulliver musste sich dafür in den letzten drei Jahren auch mit Dingen beschäftigen, die für andere Autohersteller selbstverständlich sind, für ihn aber absolutes Neuland waren. Mit Erfolg: Nicht umsonst ist der 570S der erste McLaren mit doppeltem Scheibenwischer, mit Handschuhfach – und mit einem Schminkspiegel.

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