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Fahrbericht Mercedes-AMG GT-R

Star-Fighter

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Mercedes-AMG legt eine Top-Version des GT auf.
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Schön und schnell war der AMG GT schon bisher. Doch mit einem R im Kürzel wird der Beau zum Biest und das giftige Grün seines Power-Bodys zur alles bestimmenden Farbe.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Mercedes lässt die Muskeln spielen. Nachdem AMG spätestens mit dem GT vom Werkstuner zum Porsche-Konkurrenten aufgestiegen ist, legen die schnellen Schwaben jetzt den GT-R nach und schalten damit gar vollends auf Angriff: Inspiriert von den Rennwagen aus der GT3-Serie und geboren auf der Mordschleife wird er zum Starfighter am Mercedes-Himmel und macht er jede Landstraße mit ein, zwei Gasstößen zur Rennstrecke.

Dafür hat AMG alle Register gezogen und kaum eine Schraube unberührt gelassen: Aus dem vier Liter großen V8-Triebwerk kitzeln die Ingenieure mit neuen Turbos und einer anderen Steuerung jetzt 430 kW / 585 PS und 700 Nm – rund 20 Prozent mehr als beim Grundmodell. Zahlreiche Bauteile aus Karbon drücken trotz zusätzlicher Funktionsausstattung um 15 Kilo, die aktive Aerodynamik am Unterboden und der mächtige Heckspoiler erhöhen den Abtrieb bei Vollgas um 155 Kilo und ein völlig neues Setup für das Fahrwerk mit aktiver Hinterachslenkung, mehrstufig abschaltbarem ESP und einer einzigartigen Grip-Control für das feinfühlige Verschieben der Haftgrenze ermöglichen eine Querdynamik, dass einem Angst und Bange wird. Und das bitterböse Design mit dem angsteinflößenden Panamericana-Grill sowie den jeweils knapp drei Zentimeter weiter ausgestellten Kotflügeln verfehlt seine Wirkung auch nicht. Zumal AMG-Chef Tobias Moers glaubhaft versichert, dass nichts an diesem Auto Show oder Schein ist und jede Form streng der Funktion folgt.

Das Ergebnis ist ein Fahrverhalten wie von einem anderen Stern: der GT-R brüllt wie eine Bestie, er beißt sich in den Asphalt, dass man meint, in Rückspiegel die Teerbrocken fliegen zu sehen. Und er fährt dabei so sicher, scharf und sauber, dass man sich nach jeder Kurve die Augen reibt und still und heimlich wundert, weshalb man eigentlich noch auf der Straße ist. Klar, das können Autos wie ein Porsche 911 GT3 oder ein Audi R8 auch. Doch während sie dabei nüchtern, kühl und berechnend wirken, ist der GT-R ein leidenschaftlicher Heißsporn, der das Herz zum Rasen bringt.

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Heldenhafte Fahrweise

Kurve für Kurve wird man deshalb schneller, tastet sich immer weiter an den Grenzbereich heran und mag einfach nicht glauben, weshalb zum Teufel der GT-R selbst ohne ESP noch so einen sauberen Strich fährt. Zwar verrät AMG-Chef Moers kleinlaut, dass die Elektronik am Ende doch immer über den Fahrer wacht und schwärmt von einem einzigartigen Algorithmus, auf den die Schwaben bei der Arbeit am elektrischen SLS mit seinen vier Motoren gekommen sind. Doch im Grunde hält sich am Steuer des GT-R jeder für einen Helden, weil er den Wagen so lange so gut unter Kontrolle hat. Aber so teuflisch gut das Auto auch fährt, muss man höllisch aufpassen, sonst hört man bald die Englein singen. Und bei einem Preis von 165.410 Euro wäre das jammerschade. Zumal die Warteliste lang ist und es mit der Ersatzbeschaffung etwas dauern könnte. "Fürs nächste Jahr jedenfalls sind wir weitgehend ausverkauft", sagt Moers.

Doch der GT-R hat ja auch noch ein zweites Gesicht. Nicht dass man es mit so einem Auto tatsächlich geruhsam angehen lassen wollte. Doch weil ein Mercedes eben nicht aus seiner Haut kann, bietet der Wagen zumindest einen Hauch von Restkomfort. Das gilt für die Federung genauso wie für die Lederpellen auf den Schalensitze - und natürlich sind die üblichen Assistenzsysteme sowie das nötige Infotainment an Bord - selbst wenn die Burmester-Anlage noch nie so überflüssig war wie in diesem Auto.

Brüllend laut, messerscharf und so fies wie kein anderer Mercedes vor ihm - das giftige Grün mit dem schönen Beinamen "AMG green hell magno" trägt der GT-R nicht umsonst. Und wer sich nach ein paar schnellen Runden mich immer fragt, warum die Schwaben diese schaurig schöne Farbe angemischt haben, der findet die Antwort spätestens im Gesicht seines Beifahrers. Das dürfte nämlich längst die Farbe des Lacks angenommen haben.

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