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Fahrbericht VW Tiguan

Mehr Mini-Touareg als Hochbock-Golf

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Der VW Tiguan ist in der zweiten Auflage doppelt gewachsen: Zum einen bei Abmessungen und Platzangebot, zum anderen in Sachen optischer Präsenz.
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In der neuen Generation tritt der VW Tiguan deutlich selbstbewusster und spürbar größer an. Dazu wurden die Stärken des Kompakt-SUV aufpoliert und große Schwächen erfolgreich vermieden.

Von Holger Holzer/SP-X

Der VW Tiguan ist in der zweiten Auflage doppelt gewachsen: Zum einen bei Abmessungen und Platzangebot, zum anderen in Sachen optischer Präsenz. Dazu erhält er neue Technik-Optionen wie einen Stauassistenten, mehr Sicherheitsausstattung schon in der Basis und ein ausgefuchsteres Offroad-Profil. Die Preise starten zunächst bei 25.231 Euro ohne Mehrwertsteuer für die 110 kW / 150 PS starken Dieselversion mit Frontantrieb.  

Hatte VW die 2007 eingeführte erste Generation des Tiguan noch zunächst als Nischenmodell verstanden, ist das Kompakt-SUV seitdem mit 2,8 Millionen weltweit verkauften Einheiten im Eiltempo zum integralen Marken-Standbein neben Polo, Golf und Passat gewachsen. Generation zwei unterstreicht das mit schärfer gezeichnetem Blech, einprägsamerer Frontgestaltung und  stämmigeren Proportionen. Der Tiguan legt in Länge und Breite zu, während die Höhe leicht schrumpft und die Räder näher an die Karosserieenden rücken. Das sorgt nicht nur für stimmige Optik, sondern auch für spürbar mehr Platz im Innenraum.

Die Fond-Passagiere freuen sich über drei Zentimeter mehr Beinfreiheit, der Kofferraum legt auf 520 Liter zu. Wer noch mehr Platz für Ladung benötigt, kann nun die Rückbank um 18 Zentimeter nach vorne rücken und 615 Liter verstauen. Werden die Sitze eben in den Boden versenkt, stehen sogar 1.655 Liter zur Verfügung. Hilfreich beim Beladen ist zudem die noch einmal um einige Zentimeter gesenkte Ladekante. Allesamt Vorteile der neuen Architektur. Musste man beim aus Golf- und Passat-Komponenten zusammengesetzten Vorgänger noch ein paar Kompromisse in Sachen Alltagstauglichkeit machen, erlaubt der neue MQB-Baukasten eine genauere Anpassung der Fahrzeugstruktur an den SUV-Alltag.

Gewohnt geräumig

Auch vorne geht es gewohnt geräumig zu. Die beliebt hohe Sitzposition ist noch ein wenig höher geworden, was der Übersicht im Verkehrsgeschehen zugutekommt. Das Cockpitdesign wirkt analog zum kraftvolleren Äußeren nun ebenfalls markanter. Neben aufwendig lasergeprägten Kunststoffoberflächen und einem rahmenlosen Innenspiegel ist vor alldem das bereits aus dem Mittelklassemodell Passat bekannte Virtual Cockpit, bei dem ein TFT-Monitor die konventionelle analoge Uhrensammlung ersetzt, ein Hingucker (ab 428 Euro netto). Eher verzichtbar scheint da das ähnlich eingepreiste Head-up-Display, das zudem nicht direkt in die Windschutzscheibe, sondern auf eine ausfahrbare Plastikfolie projiziert. Insgesamt dürfte sich der Tiguan beim Innenraum hinsichtlich Ambiente, Verarbeitung und Technikoptionen an die Spitze des Volumensegments setzen.  

Auch bei der übrigen Technik-Ausstattung fährt der VW vorne mit. Serienmäßig an Bord sind unter anderem sieben Airbags sowie ein kamerabasierter Spurhaltehelfer und ein Notbremsassistent mit Radartechnik. Gegen Aufpreis gibt es nun einen Stauassistenten, der im stockenden Verkehr das Lenken und Bremsen übernimmt und eine Umfeldüberwachung per Kamera, die auch bei Geländefahrten hilfreich ist. Dort erleichtert auch der optionale Haldex-Allradantrieb inklusive elektronischer Differentialsperre seinen Dienst. Er ist an eine Fahrprofilauswahl gekoppelt ist, die neben vordefinierte Programmen für das Fahren auf Asphalt, Schnee und Geröll auch eine frei konfigurierbare Einstellung für ambitioniertere Offroadfahrer bietet. Wer wirklich ins Gelände will, sollte auch das Offroad-Paket mit angeschrägter Front, Karosseriehöherlegung und Unterfahrschutz wählen (ab 277 Euro netto).

Souverän in leichterem Gelände

Auch wenn sich der Tiguan dank der elektronisch gesteuerten Allradtechnik für ein Kompakt-SUV relativ souverän in leichterem Gelände bewegt, bleibt sein Haupteinsatzgebiet die Straße. Dort fährt er sich gewohnt unkritisch, mit einer mehrheitstauglichen Mischung aus Komfort und Agilität. Die präzise Lenkung gefällt genauso wie die verbindliche Dämpfung, die Karosseriebewegungen im Rahmen hält.  Durchaus beeindruckend steckt er mit seinem gewachsenem Radstand und der versteifter Karosserie die häufig mäßige Straßenqualität im Berliner Umland weg, was den schon bei Design und Verarbeitung hochwertigen Eindruck nochmals unterstreicht. Und auch in der Stadt ist der Neue trotz gewachsener Abmessungen dank guter Übersichtlichkeit und ordentlich kleinem Wendekreis handlich genug.  

Als Antrieb durchaus angemessen zeigt sich der durchzugsstarke, bereits zur Markteinführung erhältliche 2,0-Liter-Diesel (110 kW / 150 PS), der wahlweise mit manuellem Getriebe und Frontantrieb oder mit Allrad und Doppelkupplung zu haben ist (ab 28.508 Euro netto). Eher eine Außenseiterrolle in Deutschland dürfte der dritte Startmotor, ein 2,0-Liter-Benziner (132 kW / 180 PS, ab 28.949 Euro netto) und Allradantrieb spielen. Das Portfolio wird im Jahresverlauf ergänzt, so dass dann insgesamt drei weitere Benziner (92 kW / 125 PS, 110 kW / 150 PS, 162 kW / 220 PS) sowie drei weitere Diesel (85 kW / 110 PS, 140 kW / 190 PS, 176 kW / 240 PS) zur Wahl stehen.  

Viel zu kritisieren gibt es beim Tiguan also nicht. Der Wolfsburger erfindet das Kompakt-SUV-Segment nicht neu, widmet sich dessen Anforderungen aber konzentrierter und kompromissloser als manche Konkurrenten. Und das hat seinen Preis. Auch wenn die Anschaffungskosten der Grundmodelle auf den ersten Blick nicht gestiegen sind, sorgt doch die verschachtelte Preisstruktur in der Optionsliste mit ihren zahlreichen Zwangskoppelungen (Memoryfunktion nur in Verbindung mit Ledersitzen) für teils deftige Endpreise. Dazu gibt es die übliche Geiz-Garantie von zwei Jahren. Europas SUV-Bestseller Qashqai beispielsweise dürfte bei preisbewussten Kunden so weitere Punkte sammeln können. Doch der Tiguan hat längst höhere Ambitionen und schließt mit der Neuauflage noch konsequenter die Lücke zu den Angeboten der Premiumhersteller. Und unter ihm ist in der VW-Modellhierarchie künftig wieder viel Platz für ein kleineres und günstigeres SUV.

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