suchen
18.01.2016 Feinstaubalarm

Stuttgarter sollen Auto stehen lassen

In Stuttgart gilt seit Montag ein Feinstaubalarm.
© dpa

Wegen konstant hoher Feinstaubwerte sind die Bürger für die nächsten Tage aufgerufen, freiwillig ihren Wagen stehen zu lassen. Auch Komfortkamine sollen nicht genutzt werden.

Als erste Stadt in Deutschland hat Stuttgart einen speziellen Feinstaubalarm ausgerufen. Seit Montag appelliert die Stadt an ihre Bürger, in den nächsten Tagen freiwillig aufs Auto zu verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Seit Sonntagabend sollen außerdem sogenannte Komfortkamine, die lediglich als zusätzliche Wärmequelle dienen, nicht genutzt werden. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs kämpft seit langem mit erhöhten Feinstaubwerten. Umweltschützer sehen die jetzige Aktion aber kritisch.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe ist der Feinstaubalarm eine "Placebo-Maßnahme" ohne Wirkung. "Appelle bringen nichts", sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der Deutschen Presse-Agentur. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart schreckten mit Blick auf die Autoindustrie vor obligatorischen Schritten gegen die gesundheitsschädlichen Emissionen zurück, meinte Resch. "Das ist ein Kniefall vor Daimler." 

Der Automobilclub ACE forderte Preisanreize, um Pendler zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Die Stuttgarter Verkehrsbetriebe bieten bereits einen zusätzlichen Freimonat für Abo-Einsteiger an sowie verbilligte Tickets während der ersten beiden Feinstaubalarme.

Der Naturschutzbund (Nabu) meinte: "Stuttgart darf nicht das deutsche Peking werden." Wenn Freiwilligkeit nicht zum Ziel führe, müssten Verbote ausgesprochen werden, sagte Landeschef Andre Baumann. In Peking hatte starker Smog den Menschen zuletzt im Dezember über viele Tage zu schaffen gemacht. Zeitweise wurde in der chinesischen Hauptstadt die höchste Smog-Alarmstufe "Rot" in Kraft gesetzt, was unter anderem Fahrverbote zur Folge hatte.

EU-Grenzwert regelmäßig überschritten

Seit Jahren ringen die Stadt Stuttgart und das Land um Lösungen zur Verringerung der Luftverschmutzung, auch die EU macht Druck. Denn der zulässige EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird in Stuttgart regelmäßig überschritten. Vor allem die Lage in einem Talkessel sorgt dafür, dass bei einer bestimmten Wetterlage der Luftaustausch problematisch ist. 

Eine zweistellige Zahl von Menschen in Stuttgart sterbe jedes Jahr vorzeitig wegen hoher Stickstoffdioxid- und Rußwerte, sagte Umwelthilfe-Geschäftsführer Resch. Ein besonderes Risiko trügen dabei Kinder, Kranke und alte Menschen. Der Verband klagt vor Gericht gegen das Land, um in der aus seiner Sicht "schmutzigsten Stadt Deutschlands" Fahrverbote für Dieselfahrzeuge durchzusetzen. Ein Urteil wird nach Auskunft von Resch noch in diesem Jahr erwartet. (dpa)



Mehr zum Thema Emission:






Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2016 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Bundestagsfahrdienst

BwFuhrparkService übernimmt 2017

Der Bundestag will mit der Neuvergabe seiner Fahrbereitschaft auch umweltpolitisch ein Zeichen setzen. Künftig sollen auch für Elektroautos zum Einsatz kommen.


img
Zukunft der Mercedes-Motoren

Aus eigenem Antrieb

Leichter, leiser und sparsamer. Nie zuvor krempelte der Stuttgarter Autobauer derart massiv sein Motorenprogramm um. Abschied vom V6, Debüt für eine Weltneuheit.


img
Fahrbericht Mazda3 Facelift

Im Detail verbessert

Die Ansprüche in der Kompaktklasse steigen, der Wettbewerb ist hart. Mazda spendiert seinem Modell 3 nun eine Renovierung. Im Vordergrund standen neben Komfort und Konnektivität auch Sicherheit und Qualität.


img
Verkehrssicherheit

Gefahren frühzeitig erkennen

Mit der Anwendung "X2Safe" will der Autozulieferer ZF schwache Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Fahrradfahrer im Straßenverkehr besser schützen.


img
EU-Kommission

Grünes Licht für geänderte Pkw-Maut

Deutschland und die EU-Kommission duellierten sich erbittert um die Pkw-Maut. Nun willigt Verkehrsminister Dobrindt in Nachbesserungen ein – und Brüssel ist einverstanden. Prompt werden aber Zeifel laut.