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Opel "OnStar" und "IntelliLink" im Test

Der Faktor Mensch

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Auch mit Apples "Car Play": Der Opel Astra Sports Tourer zählt zu den am besten vernetzten Kompaktmodellen.
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WLAN, Apple Car Play und Android Auto: Der Opel Astra Sports Tourer zählt zu den am besten vernetzten Kompaktmodellen. Sein eigentlicher Vorzug ist aber aus Fleisch und Blut.

Von Holger Holzer/SP-X

Internetdienste und digitale Helfer sollen das Leben einfacher machen – auch an Bord moderner Autos. In der Regel gelingt das ganz gut. Manchmal aber kann man auch froh sein, wenn man nicht allein auf Bits und Bytes angewiesen ist, wie ein zweiwöchiger Test des Opel Astra Sports Tourer lehrt. Der kompakte Kombi aus Rüsselsheim zählt zu den am besten vernetzten Autos seiner Klasse, verlässt sich aber trotzdem nicht allein auf die digitale Technik.

Opel-Alleinstellungsmerkmal bei der auch von anderen Herstellern vorangetriebenen Vernetzung ist "On Star", eine Art Concièrge-Service per Telefon. Der aufpreispflichtige Dienst bietet neben verschiedenen Notruf-, Fernwartungs- und Ortungsdiensten vor allem zwei interessante Funktionen. Zum einen sorgt die installierte SIM-Karte nicht nur für eine Verbindung nach draußen, sondern spannt im Fahrzeuginneren auch gleich ein WLAN-Netz auf. Schnell und im Vergleich zu manch einem Konkurrenten erfreulich unkompliziert.

Zum anderen kann man sich telefonisch zu einem Callcenter verbinden lassen, in dem ein menschliches Gegenüber wartet. Das wirkt in Zeiten cleverer Chat-Bots und sprechender Maschinen schon fast anrührend analog. Hat aber durchaus handfeste Vorteile – doch dazu später mehr.

Beschränktes App-Angebot

Zunächst erfreut man sich an der Internet-Verbindung für das Handy. Das ist nett fürs Musikstreaming während der Fahrt oder zum kurzweiligen Surfen beim Warten auf dem Parkplatz. Sein volles Potenzial spielt das System aber erst durch den Anschluss des Handys an die Bordelektronik aus. Das klappt bei Opel sowohl über Apples "Car Play" als auch über "Anrdoid Auto" von Konkurrent Google. Das Ergebnis ist in beiden Fällen ähnlich: Die vom Telefon bekannte Benutzeroberfläche spiegelt sich auf dem Bord-Bildschirm des Fahrzeugs und lässt sich auch über dessen Touchscreen-Funktion oder die Freisprechfunktion des Autos bedienen. Zumindest teilweise – denn das App-Angebot ist auf ablenkungsarme Programme beschränkt.

Googles Android-App kapert gleich das ganze Display und ersetzt Opels Navi- und Telefon-Menüs durch ihre eigenen Angebote "Google Maps" bzw. das vom Handy bekannte Telefon-Bediensystem. Das Ganze sieht deutlich schicker, farbiger und moderner aus als Opels eigene Grafik-Oberfläche, lässt sich zudem schnell und intuitiv bedienen. Auf lange Sicht müssen die Autohersteller wohl aufpassen, dass sie von Google und Co. nicht komplett aus dem Cockpit verdrängt werden. Kurzfristig ist das nicht der Fall. Denn wirklich reibungslos läuft die Zusammenarbeit von Bord-Informatik, Handy und der Android-App noch nicht.

Routenführung verschwindet

An welcher dieser Komponente die gelegentlichen Ausfälle liegen, oder ob der System-Nutzer der eigentliche "Bug" ist, lässt sich nicht feststellen. Ist auch egal, denn nach anderthalb Wochen verabschiedet sich das Android-Auto-System inklusive "Google Maps"-Routenführung mit kurz aufleuchtendem Fehlerhinweis komplett und dauerhaft. Leider natürlich während der Fahrt und natürlich auf unbekanntem Terrain, mitten im Gewimmel von Autobahnab-, Bundesstraßenauf-und Gewerbegebiet-Zufahrten. Gut, denkt man sich, programmieren wir halt schnell das Bord-Navi per Sprachbefehl.

Aus anderen Testfahrzeugen hätte man wissen können, dass das eher selten auf Anhieb klappt. Auch das Opel-System zeigt sich erst einmal verstockt und unverständig, was möglicherweise aber auch an der wachsenden Panik-Beimischung in der Stimme des Bedienenden liegt. Denn ausgefallene Navigationssysteme machen ihn nervös – auch wenn die schlimmstmögliche Folge ein allenfalls lästiger Umweg wäre. In den alten analogen Zeiten, als noch der Beifahrer Dienst an Atlas und Straßenkarte schieben musste, sind aber auch daran schon Ehen und Freundschaften zerbrochen.

Callcenter als Retter in der Not

Die Beziehung zum Astra jedoch bricht nicht. Denn hier kommt "On Star" wieder ins Spiel. Neben dem WLAN-Hotspot bietet das System wie erwähnt eine Hotline zu einem freundlichen Callcenter, wo tatsächlich (noch) ein Mensch am Hörer sitzt. Der Operator versteht daher auf Anhieb die Wunschadresse – Nuscheln, falsche Aussprache oder stockender Redefluss machen ihm nichts aus. Und schon im nächsten Moment funkt er Ort und Straße umgehend an das Navigationssystem im Auto. Einmal per Knopfdruck bestätigt, fertig. Zwei Ausfahrten und eine Abbiegung später ist das Ziel erreicht.

"On Star" ist beim Astra ab der dritten Ausstattungsstufe "Dynamic" an Bord (ab 18.033 Euro netto), kostet sonst ab 411 Euro netto. Nach dem ersten Jahr fallen für den Telematikdienst Gebühren an (83 Euro netto), außerdem kostet die Internetverbindung für das WLAN extra (noch nicht bekannt). Wer Apple Car Play oder Android Auto nutzen möchte, braucht mindestens das Radio R 4.0 Intelli Link (Serie ab "Edition", im Basismodell "Selection" 672 Euro netto).

Ob sich Opel schon gedacht hat, dass die Sache mit Internet und Sprachbedienung noch nicht so hundertprozentig ausgereift ist? Wohl eher nicht. "On Star" ist für Deutschland zwar neu, in den USA aber schon seit Jahren zu haben – und stammt damit aus einer Zeit, als Apple und Google vor allem auf dem Schreibtisch, vielleicht auch in der Hosentasche, aber noch eher selten im Auto zu finden waren.

Dass Opel der neuen Zeit noch nicht so ganz traut, lässt sich im Astra aber dennoch ablesen. So findet sich der USB-Anschluss zum Anschluss des Handys an die Bordanlage ergonomisch ungünstig und für die Kabelführung suboptimal in der Armlehne. Dabei hat Opel im Zubehör eine praktische Handy-Halterung ("Power Flex Adapter"). Nur: Ihr USB-Anschluss hat rätselhafterweise keine Verbindung zum Infotainment-System. Oder liegt hier ein Bedienfehler vor? Werde mal kurz beim freundlichen "On Star"-Telefonisten anrufen.

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