suchen
Test Porsche 718 Boxster S

Druck macht Spaß

11
1180px 664px
Knapp über dem Leerlauf schiebt der Boxster S ordentlich an, und zum Überholen reicht ein kurzes Zucken mit dem rechten Fuß.
©

Der Porsche Boxster wird neuerdings von einem Vierzylinder angetrieben, der natürlich sparsamer ist als sein Vorgänger. Dafür hat er einen Turbo und das Kürzel 718. Reicht das im Alltag?

Von Günter Weigel/SP-X

Die erste Generation des Porsche Boxster trug Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht unerheblich zur Rettung des damals angeschlagenen Unternehmens bei. Trotzdem war der Mittelmotorsportler für viele der sogenannten gusseisernen Fans des Neunelfers allenfalls eine Art Hausfrauen-Porsche. Dabei fuhr schon der erste Boxster S älteren Elfern locker um die Kotflügel. Die neueste Generation trägt zum Namen Boxster noch das Zahlenkürzel 718. Damit will Porsche an die motorsportlich ruhmreiche Vergangenheit des Mittelmotorsportlers 718 von Ende der 1950er-Jahre erinnern und nebenbei elegant kaschieren, dass der neue Boxster mit dem gleichen Kürzel eben auch nur noch einen Vierzylindermotor hat. Ob der Verzicht auf zwei Zylinder gegenüber dem direkten Vorgänger ein Manko ist, wollten wir im Alltagstest des mindestens 66.141 Euro teuren Zweisitzers klären.

Verzicht ist relativ. Vier statt sechs Zylinder, das klingt nach Abstieg und Askese, dafür gibt es aber einen Turbolader, und der macht aus dem vermeintlichen Rück- einen Fortschritt. Wie beim Elfer sorgt in der neuen Boxster-Generation der Turbo für mehr Leistung bei gleichzeitig geringerem Normverbrauch, was in Zeiten von CO2-Diskussionen und dem am fernen Horizont drohenden Ende der Verbrennungsmotoren auch für Hersteller wie Porsche eine relevante Größe ist. Dafür entfällt der seidenweiche und quasi schwingungsfreie Lauf des Sechszylinder-Boxers, was aber im Betrieb tatsächlich nicht auffällt.

Der Vierer hinter den Sitzen geriert sich als Vollblutsportler mit besten Alltagseigenschaften. Er dreht schnell hoch – sportlich – er klingt kernig und sprotzelt sehr rennmäßig beim Gaswegnehmen und Runterschalten, wenn man denn eine eilige Gangart wählt. Aber er beschleunigt auch klaglos und ruckfrei aus Leerlaufdrehzahl im sechsten Gang des Handschaltgetriebes bei 50 km/h. Und zwar zügig, weil das maximale Drehmoment von 450 Newtonmetern schon bei 1.900 Touren anliegt und bis 4.500 Umdrehungen zur Verfügung steht. Turbo eben. Unser privater "gusseiserner" Sechszylinder kommt erst über 5.000 Touren auf maximal 310 Newtonmeter und hat gegen den Neuling dynamisch keine Chance. Die Newtonmeter ergänzt der 2,5-Liter-Boxer mit 257 kW / 350 PS, was ihn zu Sprintwerten von 4,6 Sekunden auf Landstraßentempo und einer Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h verhilft. Wir haben beides nicht nachgemessen. Der Druck im Rücken beim schnellen Durchtreten des Gaspedals und die willige, ja fast gierige Leistungsaufnahme auch bei Geschwindigkeiten über 220 km/h lassen die Angaben absolut glaubwürdig erscheinen. Das konnte der Sechszylinder im Vorgänger so nicht. So gesehen, klarer Vorteil Turbo.

Viel Fahrfreude

Wie sieht es mit dem Verbrauch aus? 8,1 Liter gibt Porsche an. Das schafften wir nicht, wenngleich sich der Boxster auf längeren, gleichmäßigen Etappen im geschwindigkeitsbegrenzten Nachbarland Holland sogar mit weniger zufriedengab. Aber dafür kauft man keinen Porsche. Die schiere Lust am Beschleunigen treibt Spaß und Verbrauch automatisch in die Höhe. Nach gut 1.500 Kilometern kamen wir auf 10,5 Liter, die in viel Fahrfreude investiert worden.

Wobei uns besonders schnelle Kurven gefallen haben. Wie der Mittelmotorsportler sich an den Asphalt krallt, ist schon beeindruckend. Selbst auf nasser Fahrbahn liegt der Grenzbereich so hoch, dass man mit legalen Mitteln, also innerhalb der Straßenverkehrsordnung, quasi keine Möglichkeit hat, ihn aus der Balance zu bringen. Nicht nur deshalb ist auch dieser Boxster ein echter Porsche. Die Rolle des Hausfrauen-Porsche hat ja auch inzwischen eher der Cayenne übernommen.

Abseits des neuen Motors verfügt der Boxster jetzt optional über das neueste Konnektivitätspaket der Marke. Gute schnelle Navigation auch bei Staus, schnelle fehlerfreie Telefonanbindung, ordentliche Gesprächsqualität für ein Cabrio haben uns gefallen. Dafür kam die Sprachsteuerung mit unserer Aussprache nicht immer zurecht. Muss auch in einem kompakten Zweisitzer nicht sein. Apropos kompakt: Auch mit mehr als 190 Zentimetern Länge findet man eine langstreckentaugliche Sitzposition. Die beiden Kofferräume hinten und vorne reichen locker für das Urlaubsgepäck zu zweit, sofern es nicht auf Fernreisen geht. Nach schräg hinten sieht man weder mit geöffneten noch geschlossenen Dach etwas, weshalb eigentlich eine Rückfahrkamera unumgänglich ist. Die fehlte uns im Testwagen. Immerhin helfen die Parkpiepser beim Einparken.

Beim Ankreuzen auf der langen Optionsliste kann man im Übrigen Zurückhaltung üben. Ledersitze und große Felgen hat der S von Haus aus. Navi muss rein, die Handschaltung genügt und macht Spaß. Viel mehr als 70.000 Euro muss man nicht investieren, um Fahrspaß zu erzeugen, der sich nicht wirklich von dem eines Elfers unterscheidet. Auch wenn der Boxster nur der "kleine" Porsche ist.

Bildergalerie

360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Sportwagen:

Modellplaner



Fotos & Videos zum Thema Sportwagen

img

Polestar 1

img

Mercedes-Benz V8-Modelle

img

Porsche Cayenne Turbo (2018)

img

Ford Mustang 2018 (Europaversion)

img

Lamborghini Aventador Roadster S

img

Porsche Cayenne (2018)


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2017 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Neue Bußgeldregeln

Verkehrssünder werden ab sofort härter bestraft

Autofahrer, die Rettungsgassen blockieren oder während der Fahrt mit dem Smartphone hantieren, müssen ab sofort mit deutlich höheren Strafen rechnen. Entsprechende...


img
Fachmesse eMove 360

Spannende Lösungen

Wie kann die E-Mobilität massentauglich werden? Die weltgrößte Messe zur neuen Antriebstechnik gibt vor allem Antworten rund ums Thema Laden. Gezeigt werden vier...


img
Rettungswagen

Kein Martinshorn, kein Sonderrecht

Wenn Rettungswagen im Einsatz über rote Ampeln fahren, müssen sie die Sirene einschalten. Kommt es ohne akustisches Warnsignal zum Crash, trägt der Halter eine Mitschuld.


img
DB-Tochter Ioki

Im TukTuk in die Zukunft

Bei der autonomen und elektrischen Mobilitätszukunft will die Bahn ein Wörtchen mitreden. Bis 2025 soll die neue Konzerntochter Ioki autonome Elektrobusse und On-Demand-Shuttleservices...


img
Ausblick Audi Sport

Es lebe der Sport

Erst Quattro GmbH", jetzt Audi Sport. Die Performance-Tochter von Audi erfindet sich gerade neu. Das Ziel: mehr Märkte und mehr Modelle – jedoch nicht zu Lasten...