Werkstattrechnung: ZDK hält nichts vom Internet-Check

24.05.2012 09:12 Uhr
Homepage Inspekto.de
Fröhlich, aber geprellt? Inspekto.de wirbt auf seiner Seite mit vermeintlichen Nutzern, die von Werkstätten übervorteilt wurden.
© Foto: Screenshot www.inspekto.de

"Meine Werkstatt musste eine neue Rechnung erstellen", "Die Rechnung war falsch, meine Werkstatt musste sich entschuldigen", mit diesen Zitaten vermeintlicher Nutzer der neuen Internetseite Inspekto.de wirbt der Betreiber, die Berliner Möller Ventures GmbH, um Kunden. Das Angebot: Kontrolle der Rechnungen und Kostenvoranschläge von Kfz-Werkstätten. Dazu müssen die Dokumente abfotografiert oder eingescannt und anschließend auf der Inspekto-Website hochgeladen werden.

Werktags erhalte der Kunde innerhalb von 24 Stunden einen Prüfbericht zurück, verspricht das Startup-Unternehmen. "Dieser enthält ein ausführliches Protokoll, in dem bei jeder einzelnen Kostenstelle begründet wird, ob der veranschlagte Betrag angemessen ist oder nicht." Bei der Überprüfung der Dokumente arbeitet Inspekto mit dem Dienstleister Controlexpert zusammen, der den Angaben zufolge bislang für ca. 60 deutsche und internationale Versicherungen und Leasing-Unternehmen Schadensbelege kontrolliert.

Die vom Kunden eingesendete Rechnung wird mit einer Datenbank abgeglichen, die den Angaben zufolge "Tausende vergleichbarer Kostenvoranschläge und Rechnungen" enthält. Kleine Beruhigungspille für Werkstattinhaber: Der Stundensatz, den der einzelne Betrieb veranschlagt, wird laut Inspekto.de nicht beachtet – "schließlich gibt es wie in jeder Branche günstige und weniger günstige Anbieter". Vielmehr würden Rechnungsposten auf Plausibilität und Notwendigkeit abgeklopft und überprüft, ob der berechnete Zeitaufwand gerechtfertigt ist.

ZDK: Angebot ist überflüssig

Dennoch hält der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) nichts von solchen Angeboten. Solche kostenpflichtigen Angebote seien überflüssig, erklärte ZDK-Sprecher Ulrich Köster gegenüber unserem Schwesterdienst asp-online, denn die bundesweit 130 Kfz-Schiedsstellen könnten bei Streitigkeiten aus Reparaturaufträgen vom Autofahrer kostenfrei angerufen werden. Wie die jüngste Auswertung der Schiedstellenbilanz gezeigt habe, gebe es lediglich bei 0,01 Prozent der bundesweit 75,8 Millionen Reparatur- und Wartungsaufträge Streit, wobei es nur bei knapp 40 Prozent der Beanstandungen um die Rechnungshöhe gegangen sei. "Insofern empfiehlt der ZDK allen Verbrauchern, beim Service ausschließlich Innungsbetriebe des Kfz-Gewerbes zu beauftragen und auf die Nutzung kostenpflichtiger Internet-Portale zu verzichten", sagte Köster

Kurioserweise empfiehlt Inspekto auf seiner Seite selbst die Kfz-Schiedsstellen, allerdings erst, nachdem kostenpflichtig ein Mangel an der Rechnung festgestellt wurde. Zum Start bietet das Unternehmen seinen Service für fünf Euro an, danach wird für die Überprüfung der Rechnungen und Kostenvoranschläge eine Gebühr in Höhe von neun Euro erhoben. Übrigens: "Sollte Ihre Rechnung korrekt sein, dann ist auch diese Information die Sache wert gewesen", heißt es im Werbetext auf der Homepage. (ng)

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