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Ausgabe 12/2015

Gute Aussichten

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© AUTOFLOTTE

Fachvorträge zur Zukunft der Mobilität, zum Wachstum im Flottenmarkt und der Elektrifizierung einer Langstreckenflotte eröffneten am Nachmittag das neue Branchenevent.

_ Know-how-Transfer zwischen Experten aus der Fuhrpark- und Mobilitätsbranche sowie ein reger Austausch der Teilnehmer aus Industrie, Dienstleistungsunternehmen und Flottenmanagern standen beim Autoflotte Wirtschaftstreff anlässlich des 1. Autoflotte FuhrparkMonitors am 13. November nachmittags im Fokus. So fiel nach einem Gettogether mit der Begrüßung durch Autoflotte-Chefredakteur Christian Frederik Merten der Startschuss für das Branchenevent in der Union-Halle in Frankfurt am Main.

Vernetzte Mobilität im Kommen

Als Erstes präsentierte Professor Andreas Knie seine Thesen und Erhebungen unter dem Titel "Der Verkehr der Zukunft als digitale Gemeinschaftsarbeit" zu den kommenden Entwicklungen im Bereich der Mobilität. Als Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) beschäftigt er sich insbesondere mit der digitalen Revolution und seiner nachhaltigen Wirkung auf den Verkehr. Die Vision: Die Stadt der Zukunft ist smart, die Mobilität vernetzt, leicht zu nutzen und CO2-frei.

Eine Entwicklung, die dies notwendig mache, ist laut Knie hierzulande etwa der prognostizierte Anstieg des End-Energieverbrauches bei der Mobilität von 29 Prozent in 2012 auf rund 50 Prozent in 2020. Basis sind Daten des Umweltbundesamtes und Destatis. Parallel dazu verändere sich beispielsweise das Nutzungsverhalten von Mobilitätsangeboten bei jüngeren Gruppen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Hier finde eine Verlagerung hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrradnutzung statt. Dementsprechend seien verstärkt multimodale Konzepte vor allem in den Städten gefragt.

Im Transformationsprozess

Den Wandel flankiert der Fortschritt im digitalen Sektor. Knie spricht in diesem Zusammenhang von "App-based Mobility", die bei Bedarf Zugang zu Leistungen wie E-Tickets, Carsharing, Ridesharing, Intermodales Routing, Taxi und Chauffeur schaffen. Gleichwohl erzeuge die Diversifizierung von Mobilitätsprodukten auch Nutzungshürden, da die Kunden von der Vielfalt an Möglichkeiten überfordert seien und attraktive Angebote unentdeckt beziehungsweise ungenutzt blieben. Generell werde die Automobilität künftig neuinterpretiert. So würden unter anderem Elektromobile und Energiewende zu neuen Mobilitätsdienstleistungen führen, was Geschäftschancen für neue Player berge. Zudem entstünden neue Segmente und Märkte vermischten sich. Letztlich würden mit der Zeit die Infrastrukturen verschmelzen und dezentrale"schlaue Netze" entstehen.

Trends im Flottenmarkt

Als Nächstes hat Marc Odinius, Geschäftsführer von Dataforce, auf die Frage"Was ist anders im Flottenmarkt" eine Antwort gefunden mit Analysen, Hintergründen und einem Ausblick für das boomende Geschäft mit Firmenwagen. Eine Feststellung: Bis 2020 bewegt sich die Verteilung der Zulassungen zugunsten des gewerblichen Anteils bei bis zu 70 Prozent. Auch der relevante Flottenmarkt verweilt auf konstant hohem Niveau. Dabei legen gemessen an den Neuzulassungen vor allem die Geländewagen noch mal deutlich zu. Daneben werden weiterhin Kompakt- und Mittelklasse die Schwergewichte bilden.

Im Markenranking geschehen außerdem bei den Top 15 keine großen Veränderungen. Gegenwärtig belaufen sich zum Beispiel die kumulierten Marktanteile nach Größenklassen unter den Top 4 im Flottenmarkt 2015 bei Fuhrparks mit mehr als zehn Einheiten im Bestand auf 27,6 Prozent (VW), 13,1 Prozent (Audi), 10,2 Prozent (BMW) und 10,5 Prozent (Mercedes-Benz).

Daneben macht die Größe der Flotte einen Unterschied bei der Segmentaufteilung. So beläuft sich etwa der Anteil der Mittelklasse bei Flotten ab zehn Pkw/Transporter auf 19 Prozent, die Kompaktklasse auf 24 Prozent, SUV mittel/groß auf sieben und SUV klein/kompakt auf fünf Prozent. Des Weiteren sind die Flotten auch Treiber für den Zuwachs an Neuzulassungen bei alternativen Antrieben. Diese sind hier kumuliert von 10.983 auf 12.149 in 2015 gestiegen, während sie im Privatmarkt von 17.263 auf 13.675 sinken.

Wachstum im europäischen Vergleich

Den deutschen Flottenmarkt sieht Dataforce insgesamt auf einen neuen Rekordwert von rund 780.000 Einheiten bis Ende des Jahres klettern. Aber auch in den vier anderen großen europäischen Ländern werden demnach mit rund 410.000 Einheiten in Frankreich, rund 890.000 in UK, 288.000 in Italien und rund 196.000 in Spanien Bestmarken erreicht.

Prognosen für 2016

Odinius ist außerdem für das kommende Jahr optimistisch gestimmt. Gründe dafür seien zum Beispiel die allgemein gute wirtschaftliche Lage, eine steigende Binnennachfrage und im Zuge dessen ein Beschäftigungs- und Einkommenszuwachs sowie niedrige Zinsen. Ebenfalls positiv wirkten Sondereffekte wie der niedrige Ölpreis und geldpolitische Maßnahmen der EZB. Bei seinen Schätzungen geht Dataforce daher von bis zu rund 770.000 Einheiten im relevanten Flottenmarkt in 2016 aus.

18 Tesla im Fuhrpark

Den harten Fakten und Zahlen folgte der Vortrag von Klaus Baumgärtner, Geschäftsführer der Bridging IT: "Practice what you preach - Elektrifizierung einer Langstreckenflotte." Er erläuterte, wie das IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Mannheim den Anteil an E-Autos in der Flotte erhöht hat. Damit waren auch vielfältige Vorhaben, wie die vollständige Integration in die Fuhrparkprozesse, die Erhöhung der Attraktivität für Bewerber, die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, die Reduktion des CO2-Ausstoßes und die Vermeidung von Einschränkungen durch E-Mobilität, verbunden.

Die Herausforderungen dabei: Eine externe ablehnende Wahrnehmung, internen Neid, Fahrerprivileg, Kostensteigerungen und separate Prozesse vermeiden. Das ist Baumgärtner gelungen, indem er etwa die Elektrifizierung für alle Mitarbeiter im Unternehmen mit Firmenwagengenehmigung, unabhängig von der Hierarchieebene, geöffnet hat. Zugleich wurde ein Modell entwickelt, an dem Unternehmen und Mitarbeiter gemeinschaftlich beteiligt sind.

Der Mix an Maßnahmen hat dazu geführt, dass die Bridging IT nach eigenen Erhebungen (Stand: 4. Quartal 2015) derzeit die größte Langstreckenflotte in Deutschland mit 18 Tesla S betreibt, damit eine Laufleistung von rund 450.000 Kilometern in zwölf Monaten zurücklegt und eine Einsparung von 67 Tonnen CO2 generiert. Hierfür hat das Unternehmen mehr als 1.000 registrierte Ladestopps verzeichnet. Das Ladeverhalten gibt der Geschäftsführer mit 47 Prozent zuhause, 27 Prozent via Supercharger, 23 Prozent freies Laden und drei Prozent zusätzliches Roaming an.

Für die Kurzstrecke, im Pool und als Firmenwagen hat Bridging IT ansonsten seit 2010 einen Smart ED und seit 2014 zwei BMW i3 im Einsatz. Erst kürzlich ist ein Renault Zoe hinzugekommen.

Baumgärtner hat auch seine Ziele erreicht. Das Unternehmen hat ein Alleinstellungsmerkmal bei den Bewerbern gegenüber dem Wettbewerb und die Mitarbeitermotivation ist gestiegen. Zugleich ist die volle Einsatzfähigkeit gewährleistet, weil jeder Fahrer eine eigene Ladeinfrastruktur zuhause hat und es keine Nutzungseinschränkungen oder Fall-back-Varianten für E-Autos gibt. Das Fazit des Unternehmers, ob eine Elektrifizierung der Langstreckenflotte nach den Vorgaben möglich ist: Ja, es geht - mit einer Mischung aus Sensibilisierung, Einführungsunterstützung für die ersten Fahrzeuge, Konkretisierung durch Beschaffung, Reporting et cetera und der konsequenten Implementierung mit allen Facetten.

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