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Ausgabe 11/2015

Kraftvoll auffallend

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© AUTOFLOTTE

Ein Jeep mit satten 200 PS passt nicht immer in die Car Policy - möchte man meinen. Unsere drei Tester gingen mit dem Amerikaner erst ins Gelände, dann ins Gericht und fanden gute Gegenargumente.

_ Mehr als rassig ist der Cherokee mit dem neuen 2,2-Liter-Turbodiesel. 200 PS, Allradtechnik und eine feine Serienausstattung (Niveau Limited) erhielten die drei Testflotten an die Hand. Etwas kürzer als sonst üblich ging die Tour für Helmut Fröschle, stellvertretender Leiter Einkauf bei Raumtechnik Messebau & Event Services aus Ostfildern. Neben Fröschle schrieben auch die weiteren Tester Kim David Lüttgens, Fuhrpark & Haustechnik bei Sonderhoff Chemicals aus Köln, sowie Isabelle Dengler und Jürgen Schäfer, Fuhrparkleitung bei Agaplesion gemeinnützige AG aus Frankfurt, emsig das Test-Tagebuch.

Antrieb

Motor Kim David Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Die Motorleistung ist vollkommen ausreichend-kraftvoll. Anzug sowie Durchzug sind gut. Der Motor ist für mein Empfinden etwas laut, das geht leiser. Die Vibrationen im Lenkrad dagegen sind kaum spürbar.

Helmut Fröschle (Raumtechnik): Trotz der Fahrzeuggröße und des Gewichts reicht der 2,2-Liter-Multijet-Motor für ein zügiges Fahren vollkommen aus. Er hat ein gutes Durchzugsvermögen.

Isabelle Dengler/Jürgen Schäfer (Agaplesion): Die Motorleistung war dem Gewicht des Fahrzeugs angemessen. Im Stadtverkehr mit Stop&Go konnte das Fahrzeug gut gefahren werden. Der Jeep wurde nicht ausgefahren, aber auf der Autobahn bei höherer Geschwindigkeit war weiteres Potenzial zu spüren.

Getriebe

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Die Automatik schaltet sehr sanft und angenehm durch. Auch im Stadtverkehr (Kölner Berufsverkehr) ist man immer im richtigen Drehzahlbereich, ohne dass der Motor oder das Getriebe nerven.

H. Fröschle (Raumtechnik): Das Getriebe schaltet ruckfrei und mit wenig Verzögerung.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Flüssiges, ruhiges Beschleunigen. Mit etwas Geschick konnte der Jeep auch verhältnismäßig niedertourig im Stadtverkehr gefahren werden.

Innenraum

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Sehr gut gefallen mir die Applikationen an den Türen. Sie haben eine lebendige Maserung wie Holz und den Schimmer von gebürstetem Aluminium. Alle Bedienelemente sind sehr gut erreichbar angeordnet. Vorn ist ausreichend Platz vorhanden, hinten gibt es aber wenig Beinfreiheit. Die Ein- und Ausstiegshilfe ist sehr bequem. Die Übersicht nach rechts ist, auch bei Alleinfahrt, durch den Beifahrersitz extrem eingeschränkt bis nicht vorhanden. Bei Sonneneinstrahlung stören die sehr starken Reflexionen vom Armaturenbrett in der Scheibe. Der Kofferraum ist leider nicht wirklich groß, auch die Zuladung (522 kg) ist etwas wenig.

H. Fröschle (Raumtechnik): Der Innenraum bietet ein ansprechendes Ambiente. Die Anordnung der Bedienelemente ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und entspricht nicht dem Standard deutscher Hersteller. Manche Taster muss man suchen (Tankklappenentriegelung, Heckklappe). Das Multifunktionslenkrad bietet viele Tasten auf Vorder- und Rückseite, da muss man erst einmal testen, welche Funktionen diese haben. Die Schalter bzw. Funktionen vom Schiebedach sind gewöhnungsbedürftig. Das Platzangebot ist großzügig, allerdings ist die Beinfreiheit auf der Rückbank etwas beengt. Die Klimaanlage ist leicht zu bedienen und kann für den Fahrer und Beifahrer getrennt reguliert werden. Der Kofferraum ist ausreichend.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Das Platzangebot im vorderen Bereich ist ausreichend. Sobald größere Personen (1,90 m) im vorderen Bereich sitzen, wird das Platzangebot hinten für Erwachsene etwas knapp. Öffnen und Schließen der Kofferraumklappe geht einwandfrei. Funktionalität, Klimaanlage und Ergonomie sind ebenfalls einwandfrei. Das Kofferraumvolumen könnte etwas größer sein.

Komfort

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Das Leder fühlt sich gut an. Die Sitzbelüftung ist sehr angenehm. Den Sitzen fehlt leider jeglicher Seitenhalt. Im Sportmodus könnte die Lenkung direkter sein und die Dämpfung etwas härter. Trotz nicht verstellbarer Armlehne ist es das erste Fahrzeug, in dem ich sehr bequem meinen rechten Arm ablegen kann, ohne zu verspannen.

H. Fröschle (Raumtechnik): Das Fahrwerk bietet einen angenehmen Fahrkomfort, ist nicht zu hart oder zu weich eingestellt. Man kann verschiedene Fahrmodi samt einem Sportmodus auswählen. Hier merkt man die jahrzehntelange Erfahrung mit Geländewagen.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Der Gesamtkomfort im Fahrzeug ist weich, obwohl der Jeep für das unwegsame Gelände gebaut ist. Der Sitzkomfort ist dabei hoch.

Optik

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): "Boah cool! Der sieht aus wie Darth Vader!", sagte mein fünfjähriger Sohn. Das Auto fällt auf, wobei Männer und Frauen dies unterschiedlich wahrnehmen. Männer: "Zu viel Chrom, zu viel schwarzes Plastik außen. Es ist leider das Urtümliche verloren gegangen zugunsten des Mainstream." Frauen: "Super Farbe, aber es sieht irgendwie verbeult aus." H. Fröschle (Raumtechnik): Durch die letzte Modellpflege ist die Optik deutlich sportlicher und moderner geworden. Letztendlich ist es aber Geschmackssache, ob einem dies gefällt. Mir gefällt die etwas kantigere Form besser.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Äußerlich hat der Cherokee sehr gelungene Proportionen und eine gute innerstädtische Größe. Der Frontbereich fällt am stärksten auf.

Verarbeitung

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Das Erste, was mir auffiel, war der Schlüssel. Leider passen Ober- und Unterhälfte nicht bündig zusammen, sodass eine rundumlaufende scharfe Kante spürbar ist. Da ist es von Vorteil, dass man den Schlüssel nur in der Tasche haben muss. Der Innenraum ist weitestgehend sauber verarbeitet. Die Teile passen bündig ineinander. Es steht nichts unangenehm hervor. Am Beifahrersitz ist eine große Lücke zwischen Sitzpolster und Sitzschale, wo so einiges verschwinden kann. Die Finger möchte man da nicht reinstecken müssen. Die Verkleidung des mittleren Klappmechanismus der Rückbank ist klapprig sowie wackelig und scheint nicht lange halten zu wollen.

H. Fröschle (Raumtechnik): Die Verarbeitung ist gut und es gibt so gut wie kein Hartplastik. Das Finish und die Haptik können mit einigen Wettbewerbern mithalten, kommen aber nicht ganz an die Qualität von Mercedes-Benz oder Audi heran. Allerdings sind diese Wettbewerber auch teurer. Ich war jedoch von der guten Qualität überrascht. I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Optisch könnten die Übergänge zwischen verschiedenen Materialien im Cockpit noch besser gestaltet werden, um einen stabilen und massiven Eindruck zu erzeugen. Das Lederimitat würde ich indes nicht weiterempfehlen.

Sonderausstattung

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Mit allen Sicherheitssystemen, wie ACC und Lane-Assist, scharfgeschaltet, habe ich mich quasi nach Hause fahren lassen. Der Toter-Winkel- Warner ist unbedingt notwendig. Die Übersicht nach rechts ist auch bei Alleinfahrt durch den Beifahrersitz extrem eingeschränkt bis nicht vorhanden. Darüber hinaus wären ein Limiter und eine wärmegedämmte Windschutzscheibe ebenso hilfreich wie die Möglichkeiten, die hintere Sitzlehnen vom Kofferraum aus umzuklappen und die Fenster per Fernbedienung öffnen/schließen zu können.

H. Fröschle (Raumtechnik): Als hilfreich empfand ich die elektrische Heckklappe sowie den Brems-Assistenten. Gewünscht hätte ich mir noch eine Anhängekupplung. Absolut notwendig sind meiner Meinung nach der Tempomat, Bluetooth-Verbindung, Brems-Assistent und Navigation.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Besonders die Rückfahrkamera war für uns hilfreich. Sonst haben wir keine Ausstattungsdetails vermisst. Generell legen wir besonderen Wert auf den Toten-Winkel-Assistenten.

Fahrverhalten

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Bei langsamer Fahrt werden Huckel sehr deutlich und hörbar an den Fahrer weitergemeldet. Bei zügiger Fahrt werden diese sehr angenehm weggedämpft. Die Lenkung könnte im Sportmodus etwas direkter sein. In (zu) schnell gefahrenen Kurven regeln die Systeme sanft runter. Der Lane-Assist funktioniert sehr gut.

H. Fröschle (Raumtechnik): Das Handling ist problemlos und kann sich mit anderen Topmarken messen.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Der Jeep ist ein sehr plausibles und zügiges Fahrzeug, das wie eine Limousine gleiten kann. Der Wendekreis ist verhältnismäßig klein.

Konkurrenz/Eigene Flotte

K. Lüttgens (Sonderhoff Chemicals): Als Pluspunkte sehe ich die sanfte und gute Getriebeabstufung, die bei Nutzung von ACC gut zu spüren ist . Beschleunigungen sind angenehm und nicht ruppig - auch bei sich dauernd ändernden Verkehrssituationen. Selbst wenn ein Fahrzeug vor einem einschert, macht der Cherokee nicht unbedingt eine Vollbremsung. Auch das Soundsystem hat überzeugt. Wohingegen das Navi mehrere Fehler hatte: falsche Straßennamen, ungenaue bis falsche Abbiegeansagen in der Innenstadt. Die Nebelscheinwerfer bleiben immer an, auch nach einem Neustart des Fahrzeugs - man muss sie von Hand ausschalten. Der Fahrersitz bot keinen Seitenhalt und es fehlen Oberschenkelauflagen. Auch die Windgeräusche waren störend. Da der Motor und die Fahrzeugklassifizierung leider nicht unserer Car Policy entsprechen, ist der Jeep für unsere Flotte nicht geeignet. Gegenüber seinen Mitbewerbern wie BMW X3, VW Tiguan, Hyundai Santa Fé und Audi Q5 weiß der Italiener aber in einigen Punkten zu gefallen: Das Automatikgetriebe funktioniert sehr gut. Das Abstandsregelsystem scheint nicht total statisch zu reagieren, sondern vermittelt das Gefühl, als könne das Fahrzeug vorrausschauend fahren. Schert ein Fahrzeug vor dem Auto ein, habe ich schon Fahrzeuge deutscher Hersteller gefahren, die ein Verkehrschaos angerichtet haben, weil sie eine Vollbremsung bis in den Stillstand eingeleitet haben - das ist mir bei dem Jeep nicht passiert. Er nimmt das Gas weg und rollt und scheint zu prüfen, ob der Abstand kleiner wird, gleich bleibt oder sich vergrößert.

H. Fröschle (Raumtechnik): Der Jeep wäre für unsere Flotte interessant, zumal er über einen günstigen Anschaffungspreis und ein gutes Preis-Leistungs-Niveau verfügt sowie sparsam im Verbrauch ist. Als Schwächen sehe ich beim Herausforderer von Modellen wie dem Mercedes-Benz GLE, dem Audi Q5 und dem Volvo XC60 den großen Wendekreis und die teilweise komplizierte Bedienung. Der Testwagen war sehr gut ausgestattet, und das zu einem vernünftigen Preis. Bei den Wettbewerbsmodellen gefallen mir die Bedienung sowie die Optik und die Haptik der Fahrzeuge teilweise besser.

I. Dengler/J. Schäfer (Agaplesion): Für unseren Fuhrpark wäre der Jeep Cherokee interessant, da er eine gute Optik und zahlreiche Fahrerassistenzsysteme vorweisen kann. Die Verarbeitung im Cockpit ist indes nicht so gut. Vergleicht man den Cherokee beispielsweise mit einem Volvo XC60, dann gefällt der Italiener mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem passt das Image eines kleineren Cherokee zu unserem Unternehmen.

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