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Ausgabe 03/2018

Luft nach oben

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© AUTOFLOTTE

Der bulgarische Flottenmarkt ist im Full Service und Flottenmanagement noch nicht sehr stark entwickelt. Ein Grund dafür ist, dass die Firmenfahrzeuge nach wie vor gekauft werden.

_ Der bulgarische Fahrzeugpark umfasst insgesamt knapp über vier Millionen Fahrzeuge. Die Neuzulassungen haben in den letzten Jahren zugenommen: von rund 243.000 in 2015 auf 262.000 in 2016, so die Zahlen der Association of Car Manafucturers in Bulgaria und Association of Automobil Importers. Für 2017 liegen noch keine Zahlen vor.

Hierbei ist zu beachten, dass ein hoher Anteil der importierten Fahrzeuge Gebraucht-Pkw sind, wie aus Tabelle 1 hervorgeht. Die Relation von Neuwagen zu Gebrauchtwagen liegt damit bei zirka 1:8.

Das Alter dieser Fahrzeuge ist vergleichsweise hoch: 1,8 Millionen sind seit mehr als 20 Jahren im Einsatz, 1,1 Millionen sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, 700.000 Autos zwischen elf und 15 Jahre und 400.000 laufen seit sechs bis zehn Jahren. Nur 150.000 Fahrzeuge sind nach Zahlen der bulgarischen Regierung jünger als fünf Jahre. Das heißt: Fast drei Viertel des bulgarischen Fahrzeugparks sind älter als 15 Jahre.

Bei der Motorisierung halten sich Dieselund Benzin-Motoren die Waage. Interessanterweise sind aber auch alternative Antriebe und sogar E-Autos auf den bulgarischen Straßen zu finden (siehe Tabelle 2, rechts oben).

Bei den Neufahrzeugen dominiert die Renault-Gruppe (Renault, Dacia) sowohl bei den Pkw als auch bei leichten Nutzfahrzeugen (siehe Tabelle 3, S. 57 oben).

Erwerb nach Leasingende üblich

Finanzleasing ist in Bulgarien mit einem Anteil von rund 55 Prozent die bevorzugte Finanzierungsform. Der Hauptgrund ist, dass Kunden das Auto am Ende des Leasing-Zeitraums erwerben wollen.

Der Anteil des Full-Service-Leasings, der aktuell bei 25 Prozent liegt, steigt, aber sehr langsam. Die Hauptgründe dafür:

- Mehr internationale Unternehmen beginnen ihr Geschäft in Bulgarien beziehungsweise bauen es aus.

- Die Änderungen des bulgarischen Rechts beschleunigen die Nachfrage weiter. Aufgrund der Gesetzgebung haben die Kunden das Recht, Mehrwertsteuer-Guthaben (20 Prozent) für Miet- und Full-Service-Fahrzeuge zu erhalten.

Trotz des positiven Trends im Full-Service-Leasing liegt der Anteil aber immer noch weit von der EU entfernt. Das Produkt wird hauptsächlich von internationalen Unternehmen bevorzugt, gefolgt von lokalen mittleren und großen Kunden. Der Kauf von Geschäftsfahrzeugen ist immerhin mit einem Anteil von ungefähr 20 Prozent vertreten.

Führend im Bereich des Firmenwagenleasings in Bulgarien ist ALD Automotive, mit deutlichem Abstand gefolgt von Moto Pfohe (Ford) und Auto France (Renault) (siehe Tabelle 4).

Kaum Full-Service-Leasing

"Der bulgarische Markt ist sehr preisorientiert", erläutert der Flottenexperte Petar Vasilev, Head of Fleet Management Division bei Porsche Leasing Bulgaria."Sehr oft ziehen es die Kunden vor, die Fahrzeuge zu kaufen oder zu finanzieren und die Dienstleistungen selbst zu organisieren. Die Vorteile von Full-Service-Leasing werden nicht ausreichend bewertet, insbesondere diese, verbunden mit den indirekten Kosten wie Zeit und Aufwand der Mitarbeiter oder Optimierung der Verwaltung. Für einige Unternehmen ist es aufgrund der Ar beits marktgegebenheiten günstiger, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, um den Fuhrpark zu verwalten."

Vasilev ist für das Flottengeschäft der Porsche Finance Group Bulgaria verantwortlich. Die Hauptaktivitäten sind die Gewinnung neuer strategischer Kunden und die Pflege nachhaltiger Beziehungen mit den Bestandskunden durch das spezialisierte Verkaufsteam.

Trendunterschiede

Im Vergleich zu Westeuropa gibt es in Bulgarien erhebliche Unterschiede im Flottenmarkt. Bogdan Dyulgerov, Head of Sales Department bei Porsche Leasing Bulgaria, stellt fest: "Neufahrzeuge, das heißt Fahrzeuge bis fünf Jahre, werden steuerlich benachteiligt. Für sie sind höhere Straßenverkehrssteuern zu zahlen als für ältere Fahrzeuge. Das hohe Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist auch der Grund, warum viele Unternehmen nicht die Marken-Werkstätten nutzen."

Bei neuen Antriebsformen wie Elektro oder Hybrid gibt es laut Petar Vasilev keine Unterstützung seitens der Regierung. Hinzu komme die fehlende Infrastruktur für E-Fahrzeuge. Die Regierung und große Konzerne planen aber, in ganz Bulgarien Ladestationen zu errichten, die den Verkauf von Elektroautos unterstützen werden.

Immerhin gibt es zwei Vorteile für die Eigentümer von E-Mobilen: keine Straßengebühren und kostenlose Parkplätze im zentralen Teil der größten Städte in Bulgarien.

Auch erste Car-Sharing-Projekte wurden im vergangenen Jahr umgesetzt: 50 elektrische VW Up befinden sich in der Innenstadt von Sofia, bereitgestellt von der Porsche Finance Group Bulgaria. Das Interesse sei sehr hoch, sodass in diesem Jahr ein Ausbau der Flotte um weitere 50 Fahrzeuge erfolgen soll. Vasilev sieht aber noch viel Handlungsbedarf auf Seiten der Regierung - beispielsweise Elektromobilität zu fördern oder Anreize zu schaffen für den Kauf von Neufahrzeugen - um Bulgarien in Richtung eines modernen Flottenmanagements zu bewegen.

Thilo von Ulmenstein Managing Partner bei Fleetcompetence Europe. Das Schweizer Beratungsunternehmen unterstützt mit seiner Expertise Unternehmen im Bereich Flotten- und Mobilitätsmanagement. Es ist mit einer Tochtergesellschaft in Deutschland vertreten und verfügt darüber hinaus über ein Netzwerk spezialisierter Fachexperten in Europa. Das Unternehmen bietet nationales und internationales Consulting für Flottenbetreiber und Dienstleister an und führt für sie Schulungen und Trainings sowie Marktstudien durch. Mit dem "International Fleet Meeting Geneva" hat Fleetcompetence Europe zudem innerhalb weniger Jahre eine anerkannte Networking-Plattform am Autosalon Genf für die internationale Flotten-Branche geschaffen.

Weitere Informationen: www.fleetcompetence.com

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