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Corporate Carsharing

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Laut CVO-Barometer glauben 78 Prozent der Flottenchefs, dass Carsharing nicht zunehmen wird.
© Kebox/Fotolia

Nachdem einige Anbieter auf das Trendthema Corporate Carsharing aufgesprungen waren, haben sich die ersten Anbieter aus dem Geschäft zurückgezogen oder legen eine kreative Schaffenspause ein. Eine aktuelle Marktübersicht.

_ Wie lukrativ ist der Einstieg ins Corporate Carsharing? Diese Frage werden sich alle Anbieter gestellt und eine positive Antwort gefunden haben, bevor sie mit einem eigenen Produkt an den Start gegangen sind. Nach einigen Jahren des sukzessiven Wachstums auf der Angebotsseite haben die ersten Anbieter sich diskret aus dem Geschäftsfeld zurückgezogen - zunächst. Denn ein Comeback scheint nicht bei jedem ausgeschlossen zu sein.

Bereits im Dezember 2015 musste Citee Car, ein Carsharing-Anbieter mit rund 500 Fahrzeugen in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt und im Ruhrgebiet, kurz vor seinem dreijährigen Bestehen Insolvenz anmelden. Die ehemalige Kommunikationsagentur von Citee Car gab anlässlich der aktuellen Marktübersicht von Autoflotte bekannt, dass auch das Corporate-Carsharing-Angebot Citee Biz nicht mehr bestehe.

Bei PSA hieß es auf Anfrage der Autoflotte, das Programm namens"Share your Fleet" sei in der Zwischenzeit eingestellt worden. Neue Lösungen in diesem Bereich würden derzeit noch durch die Fachabteilung überprüft.

Das erklärt auch die Absage von Sixt Leasing an der diesjährigen Marktübersicht: Der Leasinggeber aus Pullach bei München war Kooperationspartner der Kölner, dort hieß das Angebot "Sixt Corporate Carsharing". Das Produkt soll nun neu aufgebaut werden.

Auch die von Arval übernommene GE Capital Fleet Services ist mit ihrem 2013 herausgebrachten Corporate Carsharing nicht mehr auf dem Markt.

Wenn Arval die Ergebnisse seines aktuellen CVO-Barometers 2016 beherzigt, dann wird das wohl auch dabei bleiben. Denn demnach ist eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent der der deutschen Fuhrparkentscheider der Ansicht, dass Carsharing in Unternehmen nicht zunehmen wird (siehe Seite 58/59).

Steigendes Interesse

Die verbliebenen Anbieter berichten dagegen von nach wie vor großem und sogar steigendem Interesse an Corporate-Carsharing-Lösungen. "Carsharing wird immer beliebter - auch im gewerblichen Bereich", erklärt Tim Beltermann, Leiter Vertrieb und Marketing bei Alphabet Deutschland. "Wir sind überzeugt, dass Unternehmen auch in den kommenden Jahren auf Corporate Carsharing als Ergänzung zum klassischen Fuhrpark setzen werden", so Beltermann weiter.

"Corporate Carsharing ist bei Fuhrparkbetreibern ein äußerst wichtiges Thema und wird immer stärker nachgefragt", findet auch Björn Bender, Leiter Vertrieb bei DB Rent. Und Invers-Geschäftsführer Alexander Kirn sagt: "Der Markt ist stark im Wachstum und viele Fuhrparkbetreiber erkennen die Notwendigkeit eines automatisierten Fahrzeugpools an."

Vorteile

Die Vorzüge von automatisiertem Corporate Carsharing für bestimmte Einsatzzwecke sind unbestritten: eine effiziente und schlankere Verwaltung, eine höhere Auslastung des Pools und weniger Aufwendungen für Taxis oder Tagesmieten - und durch diese drei Verbesserungen zugleich optimierte Kosten. Wenn die Poolfahrzeuge über ein elektronisches System stundenweise gebucht werden, wird der Bedarf transparent abgebildet und der Fuhrparkverantwortliche kann kurzfristig und flexibel darauf reagieren. So konnte zum Beispiel der Landmaschinenhersteller Krone (siehe S. 30) durch die Einführung eines Buchungs- und Verwaltungssystem die gemischte Poolflotte um eine signifikante Fahrzeugzahl reduzieren.

Ganz nebenbei lässt sich mit den meisten Lösungen auch die obligatorische Führerscheinkontrolle erledigen oder ein Fahrtenbuch erstellen, das dann auch für die Abrechnung nach Kostenstellen herhalten kann.

Ersparnis

Die Kostensenkung sieht Alphabet bei bis zu 30 Prozent - durch eine höhere Auslastung des Pools, die auch durch private Nutzung der Fahrzeuge gesteigert wird und bei den eigenen Kunden durchschnittlich bei rund einem Drittel liegt.

Auch Ubeeqo beziffert die zu erzielende Ersparnis auf etwa 30 Prozent infolge der verkleinerten Flotte, des Downsizings der Fahrzeuge oder der Zeitersparnis der Mitarbeiter, die einen Produktivitätszuwachs zur Folge hat."Das Wichtigste für ein Unternehmen ist es, den persönlichen Bedarf an Mobilität zu analysieren und den passenden Dienstleister für die eigenen Ansprüche zu finden. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Kosten der einzelnen Transportmittel immer in das Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung gesetzt werden", rät Christian Brügger, Vertriebsleiter bei Ubeeqo.

"Carsharing kann seine Vorteile dann ausspielen, wenn eine flexible Mobilitätslösung gebraucht wird", sagt Tim Bischoff, Marketingreferent bei Cambio Mobilitätsservice. Die Firmenkunden von Cambio führen meistens wochentags. Ein Großteil von ihnen nutze die Fahrzeuge für kurzfristige Fahrten über zwei bis sechs Stunden und für mittlere Entfernungen zwischen 50 bis 250 Kilometer. Abgerechnet wird bei Cambio nach gefahrenen Kilometern (Pay per Use), deshalb sagt Bischoff auch: "Corporate Carsharing ist kein Ersatz für den klassischen Firmenwagen oder Werkstattwagen. Wer viel mit dem Auto unterwegs sein muss, ein bestimmtes Modell braucht oder regelmäßig lange Strecken zurücklegen muss, für den sind andere Mobilitätskonzepte passender." Bei einer Jahreslaufleistung von mehr als 12.000 Kilometern sei ein Firmenfahrzeug die richtige Wahl. Liege die Laufleistung aber darunter, sei Carsharing günstiger als Leasing.

Unternehmen, die Poolfahrzeuge für Mitarbeiter ohne fest zugeordneten Dienstwagen benötigen, die längere Dienstreisen antreten müssen, lohnt sich dann unter Umständen das Modell, bei dem die Fahrzeuge mit der dazugehörigen Technik für Corporate Carsharing geleast werden. Hier liegt das Auslastungsrisiko folglich beim Flottenkunden. Alphabet, seit fünf Jahren mit Alphacity mit einem solchen Modell im Markt vertreten, berichtet bei seinen Kunden von einer durchschnittlichen Auslastung auf 24 Stunden zwischen 30 und 50 Prozent.

Erfolgsfaktoren vor der Einführung

Wer sich dazu entschließt, Corporate Carsharing einzuführen, sollte der Kommunikation mit den Mitarbeitern einen hohen Stellenwert einräumen. Sie sei laut Brügger einer der wichtigsten Faktoren: "Zwar entscheidet sich grundsätzlich die Firma für das Konzept des Corporate Carsharing, aber der Erfolg des Projektes hängt im Endeffekt von der Unterstützung und der Beteiligung der Mitarbeiter ab."

Doch bevor es so weit ist, geht es in eine umfassende Analysephase. Gerhard Künne, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Leasing, weist darauf hin, dass Fuhrparkmanager vor der Einführung einer solchen Lösung vor allen Dingen ihren Mobilitätsbedarf genau kennen müssen. "In diesem Kontext können viele verschiedene Fragen eine Rolle spielen. Zum Beispiel: Möchte ich eine private Nutzung der Fahrzeuge für meine Mitarbeiter zulassen? Muss ich verschiedene Standorte miteinander verknüpfen? Gibt es Unternehmen in meiner Nähe, mit denen ich mich möglicherweise zusammenschließen kann? Wie hoch sind die Standzeiten meiner Poolfahrzeuge? Für was werden meine Fahrzeuge hauptsächlich eingesetzt? Wie lange sind die Fahrzeuge normalerweise unterwegs?" All diese Fragen und Analysen könnten dazu beitragen, sich für oder gegen ein Corporate Carsharing zu entscheiden.

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