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Ausgabe 12/2017

Starke Impulse

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© AUTOFLOTTE

Die Flottenzulassungen sind mit einem Anteil von 61 Prozent wichtig für die dortige Automobilwirtschaft. Der Markt ist jedoch stark geprägt durch hohe Steuern - das könnte sich nun ändern.

_ Nach den Daten des Europäischen Automobilverbandes ACEA (European Motor Vehicle Parc 2014) waren 2014 in Dänemark zirka 2,3 Millionen Pkw im Einsatz. Die Neuzulassungen stagnieren. Vergleicht man die Zahlen von Januar bis Oktober 2017 (159.169) mit denen des Vorjahreszeitraums, ergibt das einen Zuwachs von gerade einmal 600 Fahrzeugen - das entspricht 0,34 Prozent.

Anders als in Schweden und Finnland sind aber in Dänemark die Flottenzulassungen von hoher Relevanz für die dortige Automobilwirtschaft. Insgesamt macht der Anteil der neu zugelassenen Geschäftsfahrzeuge mit ca. 97.000 einen Anteil von 61 Prozent der Gesamtzulassungen aus.

Marktführer VW

Interessant ist der Blick auf die Top vier der neu zugelassenen Fahrzeuge in Flotten (siehe Grafik 1, rechts). Hier rangieren die Modelle der VW-Gruppe klar auf dem ersten Platz. Die Verfolger Ford und Toyota mussten einen deutlichen Rückgang verzeichnen, nur Renault legte etwas zu.

Erik Forssman, CEO des schwedischen Flottenberatungsunternehmens Fleet Consulting und Partner der Fleetcompetence Group, hat festgestellt, dass auch im dänischen Markt die Nutzung von Flottenmanagement-Dienstleistern überschaubar ist. So werden nur etwa 69.000 Fahrzeuge von Leasing-Anbietern für ihre Kunden bereitgestellt. "Dies ist umso erstaunlicher, als es für Kunden des Flottenleasings erhebliche Vorteile gibt," erklärt Forssman. "Wenn ein Unternehmen das Auto kauft, müssen bis zu 180 Prozent der Zulassungsgebühr gezahlt werden. Wenn eine Leasingfirma ein Fahrzeug kauft, zahlt sie nur einen Prozentsatz im Voraus (neun Prozent) und dann, je nachdem, wie lange der Vertrag läuft, einen Prozentsatz pro Monat (ein oder zwei Prozent)."

Hinzu kommt, dass ein Unternehmen, wenn es ein Fahrzeug kauft, nur etwa 25 Prozent des Wertes pro Jahr abschreiben kann. Beim Leasing kann dagegen der gesamte Aufwand geltend gemacht werden. Trotz dieser positiven Effekte ist der Anteil der Leasingfahrzeuge insgesamt gering.

Besonderheiten

Der dänische Flotten- und Leasingmarkt ist grundsätzlich ausgereift. Seit mehr als 35 Jahren werden Full- Service-Leasing-Produkte in Dänemark angeboten. Der Durchbruch gelang, als in den 1990er-Jahren eine Änderung der Mehrwertsteuer-Regeln das Full-Service-Leasing für Unternehmen deutlich attraktiver machte als der Kauf der Firmenfahrzeuge.

Laut Erik Forssman ist der dänische Flottenmarkt stark durch zwei Faktoren beeinflusst: hohe Besteuerung und geringer Wettbewerb.

Neue Fahrzeuge in Dänemark sind mit einer Zulassungssteuer von bis zu 180 Prozent des Fahrzeugpreises belastet. Dies folgt einer bewussten Entscheidung der dänischen Regierung, um die Luftverschmutzung und Staus zu begrenzen. Diese Besteuerung hat letztlich den gesamten Markt in Dänemark zu kleineren, grüneren Autos getrieben. Das ist sicher mit ein Grund, warum Dänemark 2013 einen durchschnittlichen CO2-Wert von unter 115g/km aufweisen konnte (European Vehicle Market Statistics, International Council on Clean Transportation). Der Effekt trifft auch auf Firmenwagen zu. Es ist daher selbstverständlich, dass die dänischen Car Policies einen starken Fokus auf TCO und CO2-Emissionsgrenzwerte gerichtet haben.

Full-Service-Leasing ist dabei klar die beliebteste Finanzierungsform. Finanzleasing ist dagegen bei kleineren Flotten beliebter und wird dabei insbesondere über die Fahrzeugimporteure angeboten.

Trends und Herausforderungen

Wie in vielen europäischen Ländern ist auch in Dänemark das Firmenfahrzeug im Fokus von fiskalischen Maßnahmen. Derzeit wird eine neue Zulassungssteuer erwartet, die deutlich niedriger liegen soll, bei rund 100 Prozent. Bei Elektromobilität lag Dänemark 2014 im europäischen Vergleich auf Platz fünf. Grund sind sicher auch hier die Steuern gewesen: E-Fahrzeuge sind von der hohen Zulassungssteuer befreit.

Ebenso wie in Norwegen beginnt nun auch die dänische Regierung, die finanziellen Vorteile und Förderungen auslaufen zu lassen. Das führte unmittelbar zu einem starken Absinken der Nachfrage, sodass die dänische Regierung diese Pläne im Sommer erst einmal gestoppt hat. Es bleiben daher ungewisse Zeiten, auch für den Flottenmarkt.

Thilo von UlmensteinManaging Partner bei Fleetcompetence Europe. Das Schweizer Beratungsunternehmen unterstützt mit seiner Expertise Unternehmen im Bereich Flotten- und Mobilitätsmanagement. Es ist mit einer Tochtergesellschaft in Deutschland vertreten und verfügt darüber hinaus über ein Netzwerk spezialisierter Fachexperten in Europa. Das Unternehmen bietet nationales und internationales Consulting für Flottenbetreiber und Dienstleister an und führt für sie Schulungen und Trainings sowie Marktstudien durch. Mit dem "International Fleet Meeting Geneva" hat Fleetcompetence Europe zudem innerhalb weniger Jahre eine anerkannte Networking-Plattform am Autosalon Genf für die internationale Flotten-Branche geschaffen.Weitere Informationen: www.fleetcompetence.com

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