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Ausgabe 03/2018

Trendscouts für die Kunden

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© AUTOFLOTTE

Wollen Fuhrparkmanagement-Anbieter weiterbestehen und wachsen, müssen sie ihr Geschäftsmodell den ständig neuen Anforderungen anpassen. Der nächste Schritt: der Wandel zum Mobilitätsmanager.

_ Stillstand bedeutet Rückschritt, das gilt für die Fuhrparkmanagementgesellschaften nicht weniger als für andere Geschäftszweige. Drückt die Fuhrparkbetreiber ein Problem, muss der externe Partner als sein verlängerter Arm schnell eine hilfreiche Lösung parat haben. Er muss die Themen, die seine Kunden bewegen, also in gewisser Weise vorhersehen und die Handlungsempfehlungen dafür antizipieren.

Schon allein in diesem Jahr stehen mit E-Call, der europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) oder dem neuen Leasingbilanzierungsstandard IFRS 16 Neuerungen auf der Agenda der Fuhrparks, die ihre Schatten vorauswerfen und Beratungsbedarf verursachen. Ganz zu schweigen von "Dauerbrennern" wie Antriebsformen, die man aktuell bei Neufahrzeugen bestellen sollte - angesichts des immer noch nicht abgeflauten Dieselskandals und Diskussionen um Fahrverbote in den Innenstädten.

Anbieter von Fuhrparkmanagement müssen, wenn sie im Wettbewerb ihren Platz verteidigen und weiter wachsen wollen, mit umfassender Kompetenz zur Stelle sein.

Die zunehmende Diversität der Aufgaben ist gleichzeitig eine Chance, denn sie bringt immer mehr Unternehmen dazu, über ein Outsourcing der Flotte nachzudenken. "Wir beobachten ein zunehmendes Bewusstsein bei Fuhrparkbetreibern, dass die wachsende Komplexität des Fuhrparkmanagements nicht allein intern zu bewältigen ist. Deshalb steigt die Bereitschaft, Teilleistungen oder das komplette Fuhrparkmanagement extern zu vergeben", sagt Matthias Rotzek, Geschäftsführer der HLA Fleet Services.

Mehr als nur Routineaufgaben

Wenn ein Fuhrpark einen externen Manager beauftragt, ist die operative Steuerung mit den entsprechenden Tools schon lange nicht mehr der alleinige Grund. Zunehmend wird auch Fachwissen zu einer größer werdenden Bandbreite von Themen und strategische Kompetenz mit entsprechender Weitsicht eingekauft. "Je facettenreicher das Fuhrparkmanagement wird, desto umfassender wird auch unser Aufgabenprofil als Fuhrparkmanagementgesellschaft. Es geht nicht mehr nur darum, den Fuhrparkmanager von Routineaufgaben zu entlasten und entsprechende IT sowie ein großes Netzwerk an spezialisierten Partnern zur Verfügung zu stellen. Vielmehr geht es um die ganzheitliche Betrachtung des Fuhrparks mit der Brille der lückenlosen Mobilität", sagt der neue Carmobility-Geschäftsführer Matteo Carlesso.

IFRS 16 zum Beispiel. Nicht alle müssen die Bilanzierungsrichtlinie, die ab 2019 zum Tragen kommt, anwenden. Doch diejenigen, die davon betroffen sind, erwarten, dass der Fuhrparkmanager beratend unterstützt. So hat Car Professional Fuhrparkmanagement (CPM) für die Kunden Unterlagen erstellt, in denen die neuen Anforderungen und Auswirkungen dargestellt werden. Außerdem tritt die Hamburger Gesellschaft mit den Leasinggesellschaften in Kontakt, um die zukünftigen Datenlieferungen zu klären. Coralix Fleet Solutions bietet Workshops hierzu an, damit Kunden rechtzeitig die nötigen Maßnahmen einleiten können.

"Von Wirtschaftsprüfern hören wir, dass nicht alle Leasinggesellschaften ihren Kunden bis dato befriedigende Informationen geliefert haben. Wir haben einen Prozess mit entsprechenden Vorgehensweisen im ,Rollout' definiert und können mit Reportinglösungen dienen, die unseren Kunden den aus den Umstellungen resultierenden Mehraufwand nahezu egalisieren", sagt Henning Schick, Director Sales Europe bei Ari Fleet.

Viel spannender findet er allerdings die Möglichkeiten, die sich aus der von IFRS vorgeschriebenen Entkoppelung von Finanzierung und Dienstleistungen ergeben. "Wenn die Finanzierung in die Bilanz kommt, während die Services beim Aufwand verbleiben, muss sich der Kilometervertrag mit dem reinen Finance-Lease messen - und wird dabei schlecht abschneiden", glaubt Schick. Seine Gesellschaft ist im vergangenen Jahr unter die Leasinggeber gegangen und hat mit Ari Flexlease ein IFRS-konformes Finanzleasingprodukt herausgebracht.

Oder das Beispiel Datenschutz: Nur noch knapp drei Monate, bis die EU-DSGVO in Kraft tritt. Die Vorbereitungen dafür sind bei den Fuhrparkmanagern so gut wie gelaufen. "Wir haben mit unseren Kunden von Beginn an sehr hohe Datenschutzstandards umgesetzt, insofern sind wir gemeinsam sehr gut auf die DSGVO vorbereitet", sagt Rotzek von der HLA Fleet Services. CPM hat Unterlagen und Nachweise an die Kunden verteilt, die über die technischen und organisatorischen Verfahren zur Gewährleistung der Datensicherheit und über den Schutz vor unberechtigter Verarbeitung personenbezogener Daten informieren. Zudem wurden mit den Kunden vertragliche Ergänzungen zu den Bestandsverträgen vereinbart.

E-Call hingegen ist eine Neuerung, die in Kundengesprächen weniger thematisiert wird. So berichten es zumindest Fleet Logistics, Flottenmeister, HLA Fleet Services, Sixt Mobility Consulting und TCS.

Bedenken gibt es CPM und F+SC zufolge wegen der Gefahr des Datenmissbrauchs und Zusatzkosten bei der Schadenregulierung."Hier stehen teilweise Herstellerinteressen den Interessen von Eigentümern und Leasinggesellschaften gegenüber", sagt CPM-Geschäftsführer Jan Dommermuth. Der Hersteller werde ein verunfalltes Auto bevorzugt in eine herstellereigene Werkstatt disponieren wollen, wohingegen Eigentümer und Leasinggesellschaften eher in freie Werkstätten einsteuern würden.

Zukünftige Mobilität

Noch ist das Auto unangefochten Fortbewegungsmittel Nummer eins. Und noch ist es Utopie, dass sämtliche Verkehrsmittel sinnvoll miteinander verknüpft, aus einer Hand angeboten und administriert werden. Doch auch mit Blick auf das Mobilitäts- und Travelmanagement wird sich das Aufgabenspektrum der Fuhrparkmanagement-Anbieter erweitern. " Das klassische Fuhrparkmanagement wird sich zu einem umfassenden Mobilitätsmanagement weiterentwickeln. Die TCO-Betrachtung wird langsam, aber sicher durch eine Analyse der Total Cost of Mobility ersetzt", prophezeit Carlesso. Konkrete Anzeichen gibt es schon jetzt: Neun Anbieter haben bereits das Handling eines Mobilitätsbudgets eingeführt, bei zweien ist es in Planung (siehe Marktübersicht).

Gleichwohl sich die Nachfrage nach alternativen Mobilitätslösungen noch in Grenzen hält, für die Anbieter hat die Zukunft bereits begonnen. "Es wird unsere Aufgabe sein, sicherzustellen, dass der Fahrer sein Fahrzeug am Stadtrand parken kann und weiß, welchen optimalen Weitertransport er nutzen kann", sagt Jonathan Fischer, Leiter Account Management bei Fleet Logistics. "Hier sehen wir in den nächsten 15 Jahren wesentliche strukturelle Veränderungen in der europäischen Flottenindustrie und den angegliederten Bereichen. Wir bereiten uns auf die Entwicklung vom reinen Flotten- zum erweiterten Mobilitätsmanagement vor", so Fischer.

Coralix Fleet Solutions wagt den Schritt in die Zukunft schon in diesem Jahr."Wir entwickeln uns in 2018 vom Fuhrpark-Manager zum Mobilitäts-Manager für unsere Kunden", sagt Geschäftsführer Thomas Mitsch. Seine Vision: Der klassische, versierte Ansprechpartner für Fuhrparkmanagement in den Unternehmen verschwindet. Nicht professionell geführte Fuhrparks lagern das Management aus. Und der erfolgreiche externe Fuhrparkmanager wird zunehmend als Mobilitätsanbieter fungieren - intelligente Lösungen dafür sind gefragt. Schon jetzt.

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