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Ausgabe 04/2017

"Unverwechselbar" mit Abstrichen

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© AUTOFLOTTE

Infiniti steht für noble Fahrmomente, so auch beim QX30. Optisch wusste der Crossover allen Fuhrparkchefs zu gefallen. Das Design schränkte die Sicht nach hinten aber ein, wie das Testtagebuch verrät.

_ Der Q30 von Infiniti wurde noch von der Autoflotte-Redaktion getestet (siehe Autoflotte 1/2 2017, S. 35). Dabei zeigte der technische Zwilling des Mercedes-Benz GLA, dass er mit guter Qualität, schickem Design und geräumigem Kofferraum punkten kann. Es gab aber auch Kritikpunkte am Crossover.

Umso interessanter ist der Blick auf den um einige Offroad-Elemente erweiterten QX30, den - wie vom Flottencheck gewohnt - drei Fuhrparkleiter jeweils zwei Wochen in den Testalltag integrierten. Eine Runde von bekannten Testern schickte den Japaner in Top-Ausstattung (Premium Tech) samt 170- PS-Aggregat und Siebengang-Automatik auf Tour: Thomas Herbstritt (BN Netze) aus Freiburg, Werner Beule (UCB Pharma) aus Monheim und Flottenchef Jörg Schorn.

Antrieb I Motor

Thomas Herbstritt (BN Netze): "Der Motor wirkt ab und an angestrengt, gerade bei Überholvorgängen. Innen gibt es sehr laute Fahrgeräusche (Winterreifenprofil?)."

Werner Beule (UCB): "Insbesondere im Sportmodus hat das Dieselaggregat mit der Siebengang-Automatik und seinen 2,2 Litern Hubraum auf 170 PS keine große Mühe, den etwa 1.600 Kilogramm leichten Infiniti QX30 sportlich spritzig zu beschleunigen. Leider entwickelt der drehfreudige Motor insbesondere im höheren Drehzahlbereich eine gewisse Geräuschkulisse."

Jörg Schorn: "Der QX30 ließ sich mit dem 2,2-Liter-Diesel (auch schon bekannt aus anderen Fahrzeugen) sehr gut bewegen. Der Motor lief recht ruhig, hing gut am Gas und konnte auch bei zügigen Überholmanövern überzeugen. Die Fahrleistungen waren recht ansprechend für ein Fahrzeug dieser Klasse."

Getriebe

T. Herbstritt (BN Netze): "Die Automatik schaltet ruhig."

W. Beule (UCB):"Das Getriebe bietet im Eco-Modus aufgrund seiner frühen Gangwechsel einen angenehmen Komfort. Im Sportmodus reagiert es aber insbesondere in den unteren Gängen bei der Beschleunigung ein wenig zu ruppig und ungleichmäßig, sprich: etwas unsauber abgestuft."

J. Schorn: "Die Siebengang-Automatik reagierte sehr gut. Sie beschleunigte sehr gut, auch aus niedrigen Drehzahlen heraus. Hierfür war die Einstellung Sport nicht unbedingt notwendig. Der Wagen zeigte in der Standardeinstellung die geschilderte Leistung. Die manuellen Schaltwippen können daher vernachlässigt werden und sind eher just for fun. Einziger Wermutstropfen war die träge Beschleunigung bei eingeschaltetem Tempomaten mit Abstandswarner bei Überholmanövern auf der Autobahn."

Innenraum

T. Herbstritt (BN Netze): "Das Design ist absolut top, aber die Rundumsicht ist absolut schlecht. Die Ledersitze sind sehr kalt beim Einsteigen, was sehr unangenehm ist. Die Frontscheibe beschlägt kurz nach dem Losfahren derart, dass man gezwungen ist, nochmals anzuhalten. Das Gebläse schafft es nicht, diese zügig freizubekommen."

W. Beule (UCB):"Das Platzangebot stellt sich sowohl vorn als auch hinten zwar nicht als üppig, aber dennoch ausreichend dar. Der Kofferraum ist angenehm groß. Leider lassen sich die Sitze nur so weit absenken, dass FahrerInnen schätzungsweise über 1,95 Meter bereits an den Dachhimmel stoßen werden. Das Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser sowie die an den Türen angebrachten Konsolen zur Sitzverstellung erinnern stark an jene(s) von Mercedes. Insbesondere Letztere sind vielleicht bedienfreundlicher, optisch in meinen Augen aber verbesserungswürdig. Die Ablagemöglichkeiten sind ausreichend, die Funktionalität ist gewährleistet. Die Klimaanlage arbeitet in ihren Funktionen problemlos."

J. Schorn: "Der positive Eindruck, den man vom äußeren Erscheinungsbild des Wagens hat, setzt sich innen fort. Der Wagen ist sehr gut und edel verarbeitet. Die Ausgestaltung des Armaturenbretts in Leder sowie der Bestuhlung in Leder macht einen sehr gediegenen Eindruck und gibt den Insassen das Gefühl von Luxus. Das Platzangebot vorn ist sehr gut, lediglich hinten kann es für Personen, die 1,85 Meter und größer sind, etwas eng werden. Der Kofferraum ist für die Klasse der Kompakt-SUV absolut ausreichend und kann variabel genutzt werden. Ablagemöglichkeiten sind ausreichend vorhanden. Spätestens am Aufbau des Cockpits erkennt man die Verwandtschaft zum GLA von Mercedes-Benz, was allerdings nicht zum Nachteil gereichen muss. Die einzelnen Schalter und Tasten sind gut erreichbar. Lediglich die Logik der einzelnen Komponenten des Infotainment-Systems waren etwas gewöhnungsbedürftig. Radio, Media und Status sind über die Tasten direkt unter dem CD-Einschub anwählbar. Der Rest (Navi, Telefon u. a.) nur über das Bedienfeld rund um den Drehknopf in der Mittelkonsole."

Komfort

T. Herbstritt (BN Netze):"Der Infiniti ist allgemein sehr komfortabel."

W. Beule (UCB):"Die Sitze sind aufgrund ihrer Einstellmöglichkeiten einigermaßen bequem, die Kopfstütze lässt sich leider nicht elektrisch verstellen. Das Fahrwerk ist angenehm straff, aber nicht zu hart. Ein nicht unerhebliches Defizit stellt die insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten durch Luftverwirbelungen an der extravaganten Karosserieform entstehende Geräuschentwicklung im Innenraum dar."

J. Schorn: "Die Bestuhlung des Fahrzeuges macht sowohl vorn als auch hinten einen grundsätzlich guten Eindruck. Die mit Leder bezogenen Sitze passen sich inklusive der Lordosenstütze sehr gut an und bieten viel Komfort. Lediglich der Seitenhalt der Vordersitze ist ausbaufähig."

Optik

T. Herbstritt (BN Netze): "Die Optik und das Design sind sehr ansprechend."

W. Beule (UCB): "Wirkt sich die Karosserieform in der Praxis, wie oben beschrieben, eher negativ aus, kann man ihr optisch in Verbindung mit der Linienführung nahezu eine Unverwechselbarkeit bescheinigen."

J. Schorn:"Der Wagen ist optisch ein Hingucker und macht einen sehr dynamischen Eindruck. Sieht man sich mal die weiteren Modelle des Importeurs an, dann setzt sich die bekannte Linie fort. Insbesondere die geschwungenen Linien der Karosserie sowie die Chrom-Umfassung der Seitenscheiben, die hinten in einem dynamischen Schwung enden, tragen zu dem Eindruck bei."

Verarbeitung

T. Herbstritt (BN Netze): "Die verarbeiteten Materialien fühlen sich sehr gut an."

W. Beule (UCB): "Das Cockpit wirkt elegant und gut verarbeitet, die farblich abgesetzten Nähte erwecken einen sportlichen Touch. Persönlich bevorzuge ich eine Kombination entweder aus Leder und Aluminium oder aus Leder und Holz. Der Infiniti QX30 wies hier leider alle drei Materialien auf. Insgesamt hat man aber den Eindruck, in einem größeren, schwereren Auto zu sitzen, womit hier gemeint ist, dass der Innnenraum nicht zuletzt durch das Cockpit eine gewisse Sicherheit ausstrahlt."

J. Schorn: "Die Verarbeitung des Fahrzeuges ist sowohl innen wie auch außen sehr gut. Man hat nirgendwo den Eindruck, dass billiges Hartplastik oder Ähliches verbaut wurde. Es fühlt sich einfach gut an."

Sonderausstattung

T. Herbstritt (BN Netze): "Die Geschwindigkeitsregelanlage in Verbindung mit dem Abstandhalteassistenten war sehr hilfreich. Zusätzlich wäre alles, was Stand der Technik ist, interessant - von der Frontscheibenheizung über die Lenkradheizung bis hin zum automatischen Einparken."

W. Beule (UCB): "Als besonders hilfreich habe ich die Kameras empfunden. Allgemein ist aufgrund der kleinen Heckscheibe und der breiten C-Säulen die Sicht nach hinten sehr eingeschränkt und damit ist eine Rückfahrkamera auch empfehlenswert."

J. Schorn: "Besonders hilfreich war der Tempomat inklusive Abstandhalter, welcher in vielen Fahrsituationen einsetzbar ist - auch wenn er manchmal etwas träge reagiert. Hilfreich war auch der Lane-Assist. Im Testfahrzeug waren die sinnvollsten Sonderausstattungen enthalten. Unbedingt notwendig ist aus meiner Sicht die Einparkhilfe, da die Sicht nach hinten sehr eingeschränkt ist."

Fahrverhalten

T. Herbstritt (BN Netze): "Der Komfort geht natürlich etwas zu Lasten der Sportlichkeit.

W. Beule (UCB): "Das (Kurven-)Fahrverhalten ist aufgrund des bereits erwähnten straffen Fahrwerks, gepaart mit dem ausreichend leistungsstarken Motor, sportlich und komfortabel."

J. Schorn: "Wie bereits bei den Punkten zu Motor und Getriebe erwähnt, lässt sich der QX30 sehr entspannt bewegen. Er schaukelt sich in Kurven nicht auf und reagiert auch bei schärferen Bremsmanövern nicht so, dass man hier nachjustieren müsste. Rundum gibt es ein sehr positives Fahrerlebnis sowohl auf der Autobahn als auch über Land und im Stadtbetrieb."

Konkurrenz I Eigener Fuhrpark

T. Herbstritt (BN Netze): "Zu den Stärken zählt beim Infiniti sein bequemes Reisen. Als Schwächen zeigten sich die eingeschränkte Rundumsicht und die stark beschlagenen Scheiben. Der QX30 wäre höchstens als Managementfahrzeug für unsere User Chooser interessant. Vergleichen würde ich den Infiniti mit dem Ford Kuga."

W. Beule (UCB): "Zu den Stärken zählen die interessante Optik, die gute Verarbeitung und das Fahrverhalten. Zu den Schwächen gehören der niedrige Dachhimmel, die unzureichende Absenkbarkeit der Sitze, die starke Geräuschentwicklung im Innenraum bei hohen Geschwindigkeiten und eine sehr eingeschränkte Sicht nach hinten sowie der ausgeprägte tote Winkel. Das Fahrzeug war mit einer Geschwindigkeitserkennung ausgestattet. Diese wurde mir auch immer im Display angezeigt. Leider wurden auf der Navi-Karte nicht die aktuellen Geschwindigkeiten, sondern die gespeicherten Geschwindigkeiten angezeigt. Das kann natürlich zu Schwierigkeiten führen. Für unseren Fuhrpark wäre der Infiniti nicht interessant, da die wählbaren Fahrzeugmarken generell von unserer Konzernzentrale in Belgien vorgegeben werden. Am ehesten lässt sich der Infiniti QX30 wohl mit dem Mercedes-Benz GLA vergleichen. Im Vergleich zu dem gefallen mir beim Infiniti das Interieur und der Schalthebel für die Automatik besser."

J. Schorn:"Zu den Stärken des Infiniti zählen der Motor im Verbund mit dem Getriebe, das äußere Erscheinungsbild und die Verarbeitung innen. Eine Schwäche war der Bildschirm. Bei Wendemanövern und Nutzung der Rückfahrkamera reagierte dieser etwas hektisch auf den Vorwärts- und Rückwärtsgang bzw. auf das Umschalten auf Radio, Navi etc. Der QX30 steht mit dem Mercedes-Benz GLA, BMW X1, Audi Q3 oder VW Tiguan im Wettbewerb. In unserem Fuhrpark sind keine SUVs gestattet." Protokoll: rs

Interview

Daniel Dietrich, Manager Fleet & Used Car Operations Deutschland/Österreich, zu Fragen aus dem Flottencheck Der Q30/QX30 ist der Bestseller bei Infiniti - gern voll ausgestattet

_ Herr Dietrich, Sie sagten uns in einem Interview, dass eine Ihrer Hauptaufgaben darin liegt, die Marke Infiniti unter allen Teilnehmern der Flottenbranche bekannter zu machen. Wie sind Sie hier vorangekommen?Daniel Dietrich: Wir befinden uns noch in der Umsetzung, konnten in der Zwischenzeit aber bereits das Team verstärken, um so der Akquise noch mehr Nachdruck zu verleihen. Tatsächlich sind wir in der Zwischenzeit aber bereits in einigen namhaften Fuhrpark-Policies integriert worden._ Hierbei wird sicher der Crossover seinen Beitrag bringen, da der QX30 für ein gewisses Maß an Individualität steht. Wie zeigt sich dies in den Verkaufszahlen?D. Dietrich: Mit einem Anteil von zirka 60 Prozent an den Verkaufszahlen ist die Modellreihe Q30/QX30 die volumenstärkste Baureihe von Infiniti. Der bekannte technische Hintergrund ist hier natürlich ein starkes Verkaufsargument._ Gelobt wurden von den Testern das schnittige Design und das noble Interieur. Wählen Firmenwagenfahrer generell mehr das Top-Niveau Premium Tech?D. Dietrich: Tatsächlich finden wir uns hier im gehoben User-Chooser-Segment wieder und die Wahl fällt überwiegend auf komplett ausgestattete Modelle._ Für Herbst ist ein weiteres Crossover-Modell geplant. Was kann man hierzu bereits verraten?D. Dietrich: Noch nichts - sorry.Interview: rs

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