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125 Jahre Dieselmotor

Kein Jubel zum Geburtstag

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Der Diesel wird künftig Anteile im Kfz-Bereich verlieren.
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Zum Feiern dürfte dem Dieselmotor aktuell kaum zumute sein. Dabei gäbe es einen Grund: Vor 125 Jahren hat Rudolf Diesel beim Kaiserlichen Patentamt den Schutz seiner Erfindung beantragt.

Von Holger Holzer/SP-X

Schummel-Software, Fahrverbot, Preisverfall: Der Dieselmotor macht aktuell vor allem negative Schlagzeilen. Doch die aktuell umstrittene Antriebstechnik hat die Automobilgeschichte in den vergangenen Dekaden entscheidend geprägt. Angefangen hat alles vor 125 Jahren, als Rudolf Diesel das Patent auf die "Neue rationelle Kraftwärmemaschine" beantragte.

Heute treiben Dieselmotoren weltweit viele Millionen Pkw, Lkw und Schiffe an. Absehbar war das noch nicht, als Ingenieur Rudolf Diesel als 33-Jähriger seine Patentschrift beim Kaiserlichen Patentamt einreichte. Elf Jahre zuvor hatte er an der Technischen Hochschule München seinen Abschluss gemacht. Auf 13 Seiten hatte Diesel den später nach ihm benannten Motor skizziert. Im Februar 1893 bewilligte das kaiserliche Patentamt seinen Antrag.

Das Erfolgsgeheimnis der Konstruktion war die Selbstzündung, ein Begriff der bis heute als Synonym für seinen Motor steht. Diesel konstruierte seine Erfindung so, dass ein Luft-Kraftstoff-Gemisch 20-fach verdichtet wurde und allein durch diesen Druck entflammte. Der Effizienzgewinn aufgrund der hohen Verdichtung war enorm. Als Diesel mit seinen Arbeiten begann, hatten Benzinmotoren einen Wirkungsgrad von 12 Prozent, Gas-Motoren kamen auf 17 Prozent. Schon der erste Prototyp von Diesel nutzte 25 Prozent der Energie des Kraftstoffes aus. Weil Dieselmotoren wegen der hohen Drücke besonders massiv gebaut werden müssen, wurden sie zunächst stationär eingesetzt, 1903 lief das erste Schiff mit Dieselmotor vom Stapel.

1936 ging Dieselmotor in Serie

Unter Automobilexperten galt der Selbstzünder um 1920 als Antrieb der Zukunft. Doch bis das erste Auto mit dieser Technik ausgestattet wurde, dauerte es. Erst 1936 ging der Dieselmotor im Mercedes-Benz 260 D in Serie. Doch über Jahrzehnte stand der Diesel für Spaßverzicht: Die Saugmotoren mit Nebenkammereinspritzung waren nicht nur träge, sondern auch als laut und dreckig verrufen. Besser wurde das Image erst in den 1990er Jahren. Dank direkter Kraftstoffeinspritzung und zunehmender Verbreitung der Turboaufladung wurden die Selbstzünder zu durchzugsstarken Kraftpaketen, die zudem noch deutlich weniger Kraftstoff benötigten als vergleichbare Benziner.

Jetzt, 125 Jahre später, sieht es aus, als könnte der Diesel zumindest im Pkw-Bereich seine beste Zeit hinter sich haben. Die Abgas-Skandale bei VW und anderen Herstellern haben schwer am Image gekratzt, die Diskussionen über blaue Plaketten und Fahrverbote verunsichern zunehmend die Neuwagenkäufer. In Deutschland ist der Selbstzünderanteil unter den Neuwagen im Dezember 2016 auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gerutscht. Auch europaweit befindet sich der Diesel auf dem Rückzug, 2016 könnte sein Marktanteil erstmals unter die 50-Prozent-Marke gefallen sein. Für das kommende Jahrzehnt rechnen Experten nur noch mit 40 Prozent Dieselquote.

Abgasreinigung wird teurer werden

Es ist nicht allein der von den Autoherstellern selbst verschuldete mäßig Ruf der Technik, die es dem Diesel schwermacht. Denn die Stickoxidprobleme des Motors, die aktuell immer mehr zu Tage treten, ließen sich lösen. Allerdings ist das technisch aufwendig teuer – und würde die Fahrzeugpreise hochtreiben. Diese Kosten werden es dann wohl auch sein, die dem Diesel letztendlich in die Nische treiben. Denn dank strengerer Überwachung und immer schärferer Abgasgrenzwerte dürfte die Abgasreinigung in der Zukunft eher noch teurer werden.

Wer langfristig die Rolle des Diesels bei der Senkung des weltweiten CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr einnimmt, ist noch ungewiss. Aussichtsreichster Kandidat scheint aktuell das Elektroauto. Das ist übrigens noch viel älter als der Diesel: Das erste Fahrzeug wurde vor 178 Jahren gebaut. 




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