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Automesse in Moskau

Ladas Heimspiel

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Der achträdrige Avtoros Shaman ist 6,40 Meter lang und satte 2,70 Meter hoch. Angetrieben von einem 3,0-Liter-Dieselmotor mit vergleichsweise bescheidenen 130 kW / 176 PS schafft der Allrader immerhin gut 70 km/h.
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Die internationale Auto Show in Moskau gilt als Russlands Antwort auf die IAA. Doch die meisten der großen westlichen Autokonzerne meiden den Auftritt in den Hallen des Messegeländes. Die Chinesen springen in die Bresche.

Von Peter Maahn/SP-X

Auf fünf Spuren pro Richtung quält sich der Verkehr im Schritttempo auf der "Oblast Moskau" genannten Stadtautobahn an den modernen Hallen von Croco City vorbei. Dort wartet auf der größten russischen Automesse der Nachschub für den alltäglichen Stau. Draußen auf der Straße dominieren moderne Modelle westlicher Herkunft.

Erstaunlich, dass die meisten dieser Hersteller das Schaufenster zu ihren Kunden leer lassen. Die Mehrzahl der bekannten Marken hat die Einladung ausgeschlagen. Kein Mercedes, kein Audi, Ford oder Fiat, keine japanischen Firmen. Und selbst BMW und Porsche, beide heißbegehrt bei den Top-Verdienern in Putins Reich, haben nur Alibi-Stände im Mini-Format, mit zwei beziehungsweise einem Elektromodell.

Trotz der Abwesenheit der namhaften Hersteller offenbart der Rundgang in den vier Hallen durchaus Sehenswertes. Den größten Auftritt hat eine Marke, die in Deutschland fast in Vergessenheit geraten ist. Lada ist schließlich Spitzenreiter der russischen Verkaufs-Hitparade, wenn auch nicht in den Metropolen wie Moskau oder Sankt Petersburg. Lada beherrscht die Fläche, die Weiten des größten Landes der Welt mit seinen elf Zeitzonen. Auch wenn so ein Lada Granta für verwöhnte Augen immer noch altbacken wirkt, gibt es keine Parallele zum erfolgreichen Billigmodell Lada 1200, der einst auf beiden Seiten der Mauer viele Fans hatte.

Moderne Assistenzsysteme bei Lada

Der Granta bietet eine ganze Modellfamilie mit fünf Versionen, vom Stufenheck über den Kombi bis hin zum SUV. Das Thema der auch in Russland begehrten SUV bedient aber auch der kompakte X-Ray, der Vesta Cross und die Studie eines künftigen Offroaders, die noch keinen Namen hat. Was nur wenige wissen: Lada gehört inzwischen zu Renault, kann seine Modelle jetzt auch mit modernen Assistenzsystem ausstatten, wird in modernisierten Fabriken gebaut und hat die früheren Qualitätsmängel abgelegt.

Neue Chance auch in Deutschland und anderen EU-Ländern? "Nein", sagt Lada-Chef Yves Caracatzanis. "Durch die strengen Zulassungs- und Abgasbestimmungen rechnet sich das nicht". Außerdem habe die Renault-Gruppe mit Dacia bereits eine preiswerte Marke im Programm. "Das ist derzeit kein Platz für Lada". Er schließt aber nicht aus, dass einzelne Modelle dennoch auch wieder nach Deutschland exportiert werden könnten.

Umlagert wurde auch ein weiteres Autos "Made in Russland". Das neue Luxusmodell Aurus Senat ist bereits die Staatskarossen von Wladimir Putin und soll jetzt auch an Privatleute verkauft werden. Bis zu 6,30 Meter lang, gut sieben Tonnen schwer (mit Panzerung) und ein Hybridantrieb aus 4,4-Liter-Achtzylinder und Elektromotor. Zusammen leisten die beiden Herzen etwa 515 kW / 700 PS. Das in Russland entwickelte Ungetüm wird wohl mindestens 500.000 Euro kosten und ist für nationalbewusste Superreiche gedacht. Von diesen Zeitgenossen gibt es im Riesenreich offenbar genug für eine Serienproduktion.

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Auffallend auf der Moskauer Messe: Die Chinesen füllen die Lücke, die das Fehlen der meisten renommierten Firmen gerissen hat. Geely, Haval, Lifan oder GAC kommen mit Heerscharen von Managern ins westliche Nachbarland und zeigen vor allem SUV-Modelle. Ein Renault-Manager sieht die Invasion gelassen: "In Russland werden nur ganz wenige Autos aus China verkauft. Es gibt kaum Werkstätten und lange Wartezeiten für Ersatzteile". Aber: Auch ihrem Feldzug gen Westeuropa könnte Russland für die asiatischen Firmen ein Sprungbrett sein.

Noch nicht auf dem Sprung ist das wohl größte russische Modell auf der Messe. Der achträdrige Avtoros Shaman ist 6,40 Meter lang und satte 2,70 Meter hoch. Angetrieben von einem 3,0-Liter-Dieselmotor mit vergleichsweise bescheidenen 130 kW / 176 PS schafft der Allrader immerhin gut 70 km/h. Doch für ihn geht es erst richtig los, wenn andere Fahrzeuge nicht mehr weiterkommen. Dank spezieller Breitreifen mit geringem Luftdruck kann er durch Moore und Sümpfe waten und sogar ins Wasser abbiegen. Dabei dienen die Reifen als eine Art Schwimmkörper, eine kleine Schraube am Heck sorgt für den Vortrieb auf See oder Fluss. Jede Achse kann in jede Richtung schwenken, was für einen kleinen Wendekreis oder sogar seitliches Fahren sorgen kann. Ob deutsche Behörden einem solchen Monster die nötige Zulassung gewähren würden, ist nicht bekannt.

Autonomer Kleinbus bis zwölf Personen

Russische Konstrukteure machen aber auch vor der Zukunft nicht halt. Der Shatl 2.0 von Kamaz ist autonomer Kleinbus für bis zu zwölf Personen. Ein 74 kW / 100 PS bis 96 kW / 130 PS starker Elektromotor kann die rollende Schuhschachtel bis zu 120 Kilometer weit bewegen, ohne dass ein Fahrer an Bord ist. Die Navigation erfolgt online, Sensoren rundum verleihen dem 5,11 Meter langen Shatl den nötigen Durchblick. Sollte das System einmal versagen, kann eine Zentrale per Fernbedienung eingreifen.

Und Neues aus Deutschland? VW rettet die Ehre der Zunft und präsentiert die neue Stufenheck-Version des VW Polo, die auch in Russland gebaut wird. Der künftige Kunde des dort bisher erfolgreichsten Volkswagens kann zwischen mehreren Benzinmotoren wählen, sich über einen in dieser Klasse riesigen Kofferraum freuen und bekommt einen passablen Fünfsitzer für sein Geld. In Deutschland scheiterten bislang alle Versuche, dem Polo einen Rucksack-Kofferraum zu spendieren.

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