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Citroën-Fahrwerkstechnik

Fliegender Teppich für fast alle

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Ab 2017 will Citroën ein neues Komfortfahrwerk anbieten. In einem C4-Cactus-Versuchsträger kommt die neue Technik bereits zum Einsatz.
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Die Marke Citroën stand jahrzehntelang für Fahrkomfort – mit der Betonung auf "stand". Jetzt besinnt sich die Marke auf alte Tugenden.

Von Elfriede Munsch/SP-X

Das Vermitteln von Fahrkomfort zählt Citroën zu seinen Kernkompetenzen. Der französische Autohersteller, der mit seiner legendären Hydropneumatik Maßstäbe in Sachen Federungstechnik gesetzt hatte, arbeitet nach Aufgabe dieser anspruchsvollen und teuren Technik an einem neuen Federungssystem. Das soll ab Ende 2017 sukzessiv in allen Citroën-Modellen zum Einsatz kommen – also vom Kleinwagen bis zum Mittelklassefahrzeug verfügbar sein.

Anders als bei der Hydropneumatik, bei der Dämpfung und Federung durch einen mit Gas und Flüssigkeit gefüllten Hydraulikzylinder reguliert, und die Karosserie immer auf idealer Höhe gehalten wurde, gehen die Citroën-Ingenieure nun einen einfacheren und kostengünstigeren Weg. Sie nutzen eine durch hydraulische Dämpfer erweiterte Aufhängung. Die Dämpfer sollen im Vergleich zu mechanischen Regulatoren ein sanfteres und damit komfortableres Absorbieren von Bodenwellen oder Fahrbahnunebenheiten ermöglichen. Je nach Modell, Radgröße und Motorisierung können die hydraulischen Dämpfer unterschiedlich ausgelegt werden.

Erste Ausfahrten mit einem modifizierten C4 Cactus-Versuchsfahrzeug zeigten, dass Kopfsteinpflaster oder Schlaglöcher von den Insassen deutlich weniger wahrgenommen wurden. Natürlich schwebt man nicht über diese Hindernisse – weder wie auf einem fliegenden Teppich noch sänftengleich -, aber die Aufhängung meistert diese Hindernisse deutlich besser als der zum Vergleich gefahrene Serien-Cactus. Ein deutlicher Komfortgewinn ist zu vermelden.

Optimierter Wohlfühleffekt

Doch nicht nur die Aufhängung trägt zum verbesserten Fahrkomfort bei. Damit weniger Schwingungen bei den Insassen ankommen, haben die Ingenieure zudem die Steifigkeit der Karosserie verstärkt. Dazu setzen sie auf eine geänderte Verbundtechnik bei den Stählen. Satt durch einzelne Schweißpunkte werden sie durch Kleben zusammengefügt. Der Kleber erhöht die Festigkeit ohne das Gewicht zu steigern, so dass es keine negativen Auswirkungen auf den Verbrauch gibt. Als dritte Komponente für einen optimierten Wohlfühleffekt war das Versuchsfahrzeug mit neuen Sitzen ausgestattet. Hier experimentiert Citroën mit verdichteten Schaumstoff, der mehr Festigkeit und eine größere Kontaktfläche bieten soll. Allerdings fühlten sich die neuen Sitze eher weich als bequem an. Aber hier soll es möglich sein, auf länderspezifische Vorlieben bei der Polsterstärke und –Gestaltung einzugehen.

Der von Citroën postulierte Fahrkomfort "wie ein fliegender Teppich" soll weltweit über das gesamte Fahrzeugportfolio angeboten werden. Ob direkt ab Werk oder als Option steht zurzeit noch nicht fest, kann aber auch von Land zu Land variieren. Als erstes Modell dürfte die neue Generation des Mittelklassemodells C5 von dem neuen System profitieren. Märkte mit eher schlechten Straßen, die Verantwortlichen denken da an China, stehen dabei im besonderen Fokus.

Bei den Kosten hält man sich noch sehr bedeckt. Im Vergleich zu adaptiven Fahrwerken oder Luftfederungen dürfte das Citroën-System aber deutlich günstiger ausfallen, da keine Veränderungen an der Karosserie vorgenommen werden müssen. Die künftigen DS-Modelle erhalten übrigens ein anderes System als die Citroën-Modelle. Auch wenn die Techniker sich dazu noch in Schweigen hüllen, kann man davon ausgehen, dass DS-Fahrer eher einen fliegenden Teppich mit Luftfederung ordern werden können.

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