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DAT-Analyse

Diesel-Hysterie flaut etwas ab

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Der Gebrauchtwagenmarkt erholt sich offenbar langsam vom Diesel-Schock. Selbst Euro-5-Modelle sind offenbar nicht mehr unverkäuflich.
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Weniger Panikverkäufe, mehr Normalität – so lässt sich das "Diesel-Barometer "der DAT für den Juni zusammenfassen. Die Situation für den Autohandel bleibt aber schwierig.

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) sieht leichte Anzeichen für eine Normalisierung des Dieselmarkts. "Die negativen Impulse zum Diesel sind weniger geworden – und in der reinen Betrachtung der Zahlen, Daten und Fakten kann man vermuten, dass die große Panik rund um den Diesel von der Rationalität eingeholt wurde", sagte DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann am Dienstag in Ostfildern. Menschen bräuchten Mobilität, daran gehe kein Weg vorbei.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass die unmittelbar negativen Folgen für die Fahrer entgegen den Erwartungen bislang ausgeblieben. So gibt es bislang etwa noch kaum Fahrverbote oder konkrete Ankündigungen; und wenn, dann stark lokal begrenzt. Selbst Euro-5-Diesel sind augenscheinlich nicht mehr unverkäuflich.

Laut dem aktuellen "Diesel-Barometer" der DAT zogen die Besitzumschreibungen von Selbstzünder-Pkw zuletzt wieder an. Das galt vor allem für Gebrauchte der Euro-5-Abgasnorm: Im April gab es hier 58.150 Halterwechsel, im Mai bereits 61.085. Am häufigsten nachgefragt wurden Euro-4-Pkw oder kleiner (72.015 Einheiten im Mai). Sie machten damit 36 Prozent am Gesamtvolumen aus. Zudem waren im Berichtsmonat mehr Euro-6-Gebrauchtwagen im Umlauf: Die Anzahl dieser Pkw lag bei knapp 64.000 Einheiten (Anteil: 33 Prozent).

Auch unter den Verbrauchern, die demnächst ein Auto kaufen wollen, wächst das Interesse am Dieselmotor. Der Umfrage zufolge würden sich im Juni 13 Prozent für einen Diesel entscheiden. Im März lag dieser Wert noch bei elf Prozent. Bisherige Dieselfahrer würden aktuell zu 34 Prozent wieder einen Diesel kaufen – fünf Prozentpunkte mehr als vor drei Monaten.

Wären Fahrverbote definitiv vom Tisch und auch sonst die Rahmenbedingungen sicher, wäre für 30 Prozent aller Befragten der Diesel die erste Wahl (März: 26 Prozent). Diejenigen, die aktuell einen Diesel-Pkw fahren, bestätigen das zu 53 Prozent (50 Prozent). Die neueste Motorengeneration der Schadstoffklasse Euro 6d-Temp wäre ebenfalls eine Option – für aktuell 31 Prozent aller Befragten und 56 Prozent der befragten Dieselfahrer.

Als weiteres Indiz für eine Marktnormalisierung führt die DAT einen Rückgang der "Diesel-Panikverkäufe" ins Feld: 28 Prozent der Befragten, die aktuell einen Diesel fahren, möchten ihren gegenwärtigen Pkw schnellstmöglich loswerden. Vor rund einem Jahr betrug dieser Wert noch 36 Prozent. Die Angst vor einem Wertverlust und vor Fahrverboten halten sich aktuell die Waage. Dazu passt ins Bild, dass die Bereitschaft der Konsumenten, sich an technischer Nachrüstung zu beteiligen, angestiegen – vor allem bei Dieselfahrern (41 Prozent). Das ist ein Anstieg zum März um sechs Punkte. Der Hauptgrund ist der Werterhalt, gefolgt von der Möglichkeit, dadurch Fahrverbote umgehen zu können und um das eigene Auto behalten zu können.

Standtage mit Jahreshöchstwert

Problematisch bleibt die Situation im Automobilhandel: Die Betriebe kämpfen weiter mit hohen Standzeiten, erst nach 106 Tagen verlassen gebrauchte Diesel wieder den Hof des Händlers. Das ist laut DAT ein neuer Höchstwert in diesem Jahr. Zum Vergleich: Benziner werden im Bundesdurchschnitt nach 82 Tagen verkauft.

Außerdem geht der Preisverfall gebrauchter Diesel weiter, wenngleich etwas langsamer: Der Restwert dreijähriger Fahrzeuge lag im Mai bei 53,1 Prozent vom Listenneupreis. Seit Jahresanfang bedeutet dies einen Rückgang um 0,6 Prozentpunkte – zum Vorjahr beträgt der Abstand weiterhin zwei Punkte. (rp)




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