suchen
Datenschützer

Klare Grenzen für Nutzung von Autodaten

1180px 664px
Autos werden zunehmend digitalisiert - das ruft Datenschützer auf den Plan.
©

Moderne Autos produzieren schon etliche Daten, und es werden immer mehr. Doch wem gehören die Informationen, und wer kann damit einmal Geschäfte machen? Einen Wildwuchs darf es laut Experten nicht geben.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sieht klare Grenzen für eine kommerzielle Nutzung von Daten aus computergesteuerten Autos. "Sehr viele entstehende Daten sind personenbezogen - und bei denen kann es keine Frage nach dem Eigentum geben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mit personenbezogenen Daten seien Grundrechte verbunden, die nicht veräußerlich seien. Dafür bestünden Vorgaben wie Datenminimierung und Zweckbindung. Zudem brauche es eine rechtliche Grundlage, dass man sie verarbeiten darf.

"Privatautos oder persönliche Dienstwagen kann man etwa über Positionsdaten oder Daten, wie gefahren wurde, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Person zuordnen", erläuterte Kelber. "Nur bei Daten, die nicht unmittelbar personenbezogen sind, stellt sich tatsächlich die Frage: Gehören sie dem Entwickler des Autos? Oder kann der Besitzer des Autos entscheiden, wer diese Daten sieht? Dann muss es aber eine wirksame und freiwillige Einwilligung geben."

Mit der Entwicklung zu zusehends computergesteuerten Autos entsteht ein wachsendes Geschäftsfeld - für die Hersteller, aber auch für andere Dienstleister. Daten können zum Beispiel auch für Angebote zur Verkehrslenkung und zur Unfallvermeidung verwendet werden. "Es wird versucht, das Auto in eine ähnliche Situation zu versetzen wie das Smartphone", sagte Kelber. "Es soll in allen Bereichen des Lebens vorkommen, es soll verschiedene Dienstleistungen unterstützen und natürlich auch Wertschöpfungsketten für die Hersteller verlängern."

Diskutiert wird, wer auf die Daten zugreifen kann. Prüfgesellschaften wie TÜV und Dekra schlagen vor, dafür einen unabhängigen Treuhänder aufzubauen. Ein solches stark geschütztes Zentrum im staatlichen Auftrag könne Prüfern Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Daten und Diagnosefunktionen in den Fahrzeugen ermöglichen. Die deutsche Autobranche hat einen "neutralen Server" vorgeschlagen, über den Daten vom Hersteller zu anderen Anbietern gelangen können.

ADAC dringt auf Transparenz und klare rechtliche Regeln

Der Autofahrerclub ADAC dringt auf Transparenz und klare rechtliche Regeln. Der Verbraucher müsse wissen, welche Daten zwischen Auto und Hersteller ausgetauscht werden, sagte Vizepräsident Karsten Schulze der dpa. Autobesitzer müssten auch damit einverstanden sein. Außerdem müssten sie entscheiden können, wem sie Daten zur Verfügung stellen, etwa unabhängigen Werkstätten. Dafür müsse ein sicherer Zugang zu Fahrzeugdaten gewährleistet sein. Ein Datentreuhänder könne eine Lösung dafür sein. Entscheidend sei aber, dass es für den Datenzugang endlich eine gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene gebe.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, bei personenbezogenen Daten sei die ausdrückliche Genehmigung des Halters Voraussetzung für Weitergaben. Alle anderen Daten sollten sich im Interesse der Autofahrer und der Unternehmen nutzen lassen - für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Dienste, zum Beispiel zur Optimierung des Verkehrs.

Schon heute haben viele Autos Assistenzsysteme mit Funktionen wie Abstandhalten, Einparken oder Notbremsungen. Autonom fahrende Autos mit Kameras und Sensoren werden künftig noch viel mehr Daten über das Fahrzeug und seine Umgebung liefern. (dpa)




360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Datenschutz:





Fotos & Videos zum Thema Datenschutz

img

Online-Training Datenschutzgrundlagen (Trailer)

img

AUTOHAUS next: Praxistauglicher Datenschutz (Trailer)


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Erste Probefahrt im neuen VW-Transporter

Caddy cool

VW Nutzfahrzeuge schickt Ende des Jahres die Neuauflage des Caddy an den Start. Die fünfte Generation basiert auf der MQB-Plattform des Golf 8. Dies macht den kleinen...


img
Leaseplan Mobilitätsmonitor

Datenschutz steht ganz oben

Die Vernetzung moderner Fahrzeuge verändert auch die Themen, die Autofahrer heute bewegen. So hat der Schutz von Fahrzeug- und persönlichen Daten für viele in Deutschland...


img
Chaos um StVO

Neue Raser-Regeln bundesweit außer Vollzug

Wegen eines Formfehlers werden neue Raser-Regeln vorerst nicht geahndet. Bund und Länder müssen nun klären, wie es mit der neuen Straßenverkehrsordnung weitergeht...


img
Cupra el-Born kommt 2021

Stark-Stromer

Cupra ist die emotionale Marke im VW-Konzern. Diese soll Fahrspaß auch im E-Zeitalter vermitteln. Zumindest das erste rein elektrische Serienmodell, der El-Born,...


img
Renault Master Z.E.

Auch als Fahrgestell elektrisch

Neben Kastenwagen und Plattform-Fahrgestell ist der Renault Master Z.E. nun auch als normales Fahrgestell für Aufbauhersteller zu haben.