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Display statt Tacho

Der Blick in der Zukunft

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Delphis Mulit-Layer-Technik: Im Original beeindruckender als auf dem 2D-Foto.
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Lenkrad und Pedale werden aus den Autos der Zukunft wohl ebenso verschwinden wie Verbrennungsmotoren. Zuerst könnte es aber die jahrzehntelang gewohnten Instrumente hinter dem Lenkrad treffen.

Von Holger Holzer/SP-X

Drehzahlmesser und Analog-Tacho sind Auslaufmodelle. Die Cockpit-Instrumente der Zukunft müssen viel mehr können als nur Zeiger kreisen und Lämpchen leuchten lassen. "Bildschirm statt Uhr" heißt das Motto, mit der die Autohersteller dem speziellen Informationsbedürfnis immer stärker automatisierter Fahrzeuge gerecht  werden wollen. Die Konzepte sind vielfältig.

"Vertrauen schaffen", so kurz und knapp beschreibt Rudi Hemmert, Technologie-Manager beim Zulieferer Delphi, die Aufgabe künftiger Instrumente, die auch für autonomes Fahren zum Einsatz kommen sollen. Das Bediensystem sei das wichtigste Kriterium für die Akzeptanz künftiger autonomer Autos. Wer sich in die Hände des fahrenden Computers begibt, will wissen was der Autopilot grade macht, will sich informiert und im Notfall handlungsfähig fühlen. Die altbekannten Rundinstrumente geraten da schnell an ihre Grenzen – Motordrehzahl und Geschwindigkeit spielen keine große Rolle mehr, wenn der Mensch die Steuerung zumindest zeitweise aus der Hand gibt. Und für andere Infos ist zwischen Skalen, Zeigern und den vorgeschriebenen Lämpchen kaum Platz.

Schon heute setzen viele Hersteller daher auf digitale Instrumente. Audi, VW, Land Rover und Peugeot etwa tauschen die mechanischen Uhren hinter dem Lenkrad bereits durch frei konfigurierbare Bildschirme, die auf Wunsch großflächig Navigationsdaten, Fahrinformationen oder den Status der Assistenzsysteme aufbereiten – je nachdem, was gerade angebracht ist. Doch auch das ist wohl nur eine Zwischenetappe. Im nächsten Schritt könnten die zweidimensionalen Displays durch 3D-Bildschirme ersetzt werden.

Quasi-3D

Delphi etwa hat eine Technik entwickelt, die Hemmert als "Quasi-3D" bezeichnet, um Verwechslungen mit der stereoskopischen Technik von Fernsehern und Kinoprojektoren zu vermeiden. Die nämlich ist für das Auto seiner Ansicht nach ungeeignet, weil sie nicht bei jedem Menschen funktioniert und bei vielen für Unwohlsein sorgt. Stattdessen setzt Delphi auf das sogenannte Multi-Layer-Display (MLD). Simpel gesagt handelt es sich um zwei hintereinanderliegende Bildschirme, die dank ihrer zwei Ebenen für einen Tiefeneffekt der Darstellung sorgen. Der räumliche Effekt hilft bei der Informationsvermittlung und -ordnung, weniger wichtiges rückt in den Hintergrund, Warnungen jedoch schießen aufmerksamkeitsheischend auf den Fahrer zu.

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In der Praxis wirkt die Anzeige verblüffend plastisch und realistisch – die Instrumente scheinen fast aus dem Armaturenbrett zu wachsen. Auch die kristallklare Grafik beeindruckt, zumindest in dem bereits öffentlich vorzeigbaren Prototyp. Die Technik ist laut Delphi fertig entwickelt. Aktuell verhandelt der Zulieferer mit Interessenten unter den Automobilherstellern. Schon in drei bis vier Jahren könnten die ersten Fahrzeuge mit den 3D-Instrumenten von Delphi auf den Markt kommen. Eine ähnliche Technik hat auch der VW-Konzern kürzlich vorgestellt – Premiere könnte sie etwa im kommenden Oberklassemodell Audi A8 feiern.

Eine interessante Anmutung ist neben der flexibleren Informationsaufbereitung der neuen Instrumente ein entscheidender Punkt. "Die sogenannte User Experience spielt in Zukunft eine immer wichtigere Rolle", prognostiziert Hemmert. Wenn irgendwann alle Autos autonom und mit vergleichbarer elektrischer Antriebstechnik fahren, werden Innen-Design und Anzeigekonzept zu wichtigen Differenzierungsmerkmalen zwischen den Marken. Auch deswegen arbeitet die Branche parallel an einer ganzen Reihe weiterer Konzepte.

Informationen schweben im Raum

Eine besonders ambitionierte Technik hat BMW mit "Holoactive Touch" in Vorbereitung. Informationen und Schaltflächen werden dabei als Holografien dargestellt, scheinen dank eines raffinierten Bildschirm-Spiegel-Systems frei im Raum zu schweben. Ein Ultraschallimpuls aus einer Art Lautsprecher gibt dem Nutzer Rückmeldung in Form spürbarer Welle, wenn er einen der virtuellen Schalter betätigt. Die aufwendige Technik soll tatsächlich zur Serienreife entwickelt werden. Weil sie schnelle und extrem teure Prozessoren benötigt, wird sie aber wohl zunächst Luxusautos vorbehalten bleiben.

Schnellere Verbreitung dürfte das ständig weiter entwickelte Head-up-Display finden. Die Grafik wird schon in naher Zukunft noch farbiger und schärfer, soll komplett mit der realen Sicht auf die Welt verschwimmen. Augmented Reality heißt die Technik, die etwa die Ideallinie oder Warnungen vor Gefahrenstellen direkt auf der Straße zu markieren scheint. In Fahrtpausen könnte die Windschutzscheibe sogar komplett zur Kinoleinwand werden und die Insassen mit einem Film unterhalten – oder auch nur dem Fahrer seine frisch eingegangenen E-Mails anzeigen. Gegen Ende des Jahrzehnts könnten die ersten Serienautos mit der Technik kommen.

Ähnliche Effekte sollen auch farbige Laserprojektoren in den Scheinwerfergehäusen erzeugen, die etwa Navipfeile auf die Straße werfen oder dort Warnungen anzeigen. Ob das noch in großem Maßstab funktioniert, wenn viele Autos gleichzeitig den Asphalt zur Leinwand machen, bleibt jedoch abzuwarten.

Klar ist aber, dass die Tage der mechanischen Instrumente gezählt sind. "Der Trend geht zu immer mehr Displays, mehr Grafikleistung und immer höherer Auflösung", so Hemmert. Aber für Traditionalisten hat er durchaus einen Trost im Gepäck. Seine 3D-Displays sind flexibel programmierbar – und können durchaus auch einen Tacho im guten alten Retro-Stil darstellen. Zumindest in der Zeit, in der der Mensch selbst das Steuer in der Hand hält.




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