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Erste Ausfahrt im Hyundai Prophecy

Vorwiegend heiter

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Der Prophecy soll die Weiterentwicklung der Hyundai-Designsprache zeigen.
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Den Start hat ihm Corona zwar gehörig verhagelt. Doch im Grunde soll der Hyundai Prophecy eine rundherum positive Sicht nach vorne ermöglichen. Denn vor der Zukunft, so die Botschaft des verhinderten Genf-Stars, muss man keine Angst haben.

Von Benjamin Bessinger

Messe ist Messe. Und wenn sie in Genf partout den Salon nicht öffnen wollen, dann feiert Hyundai in Nürnberg seine eigene Motorshow. Dass die Koreaner dabei keine Zuschauer haben, ist miteinkalkuliert. Denn so können sie ihren verhinderten Showstar nicht nur ordentlich inszenieren, sondern gleich auch auf seine Jungfernfahrt schicken: Vorhang auf und Bühne frei für den Prophecy.

Das schwarze Schaustück, das ein bisschen aussieht wie eine Mischung aus einem großen Audi TT und einem geschrumpften Porsche Taycan, sollte nicht nur die Aufmerksamkeit der Messegäste erregen, sondern hat gleich mehrere Missionen zu erfüllen, sagt Designchef Luk Donckerwolke: Es soll die Weiterentwicklung der Hyundai-Designsprache zeigen und dafür mit der Aufbruchsstimmung der avantgardistischen Streamliner aus den goldene Zeiten des letzten Jahrhunderts einen ebenso neugierigen wie optimistischen Blick in die Zukunft werfen. Es sollte zeigen, wie Mensch und Maschine nach der Vorstellung der Hyundai-Designer künftig miteinander kommunizieren und agieren. Und vor allem soll es eine neue Plattform einführen, die in den nächsten Jahren viele Elektrofahrzeuge von Hyundai und der Schwestermarke Kia tragen und daher für die Koreaner ebenso wichtig wird wie der MEB für den Volkswagen Konzern.

Captain Future lässt grüßen

Anstatt sich auf einer Bühne in der Genfer Palexpo im Rampenlicht zu sonnen, steht das Auto jetzt vor einer leeren Halle der Nürnberger Messe in einer Umgebung, die so ruhig ist wie der Zentralfriedhof in Wien an einem Montag nach Sonnenuntergang. Aber das hat Methode. Den während es nur ganz wenige Zuschauer gibt, können ein paar ausgewählte Gäste sogar einsteigen und eine Probefahrt machen auf dem Zeitstrahl, der Hyundai in die Zukunft führen soll.

Also steigt man vorsichtig durch die weit und gegenläufig öffnenden Türen, findet schnell eine bequeme Position auf dem schlanken Fahrersitz und beginnt mit der Suche nach dem Lenkrad - ohne Erfolg. Während sich das Armaturenbrett auf Knopfdruck dreht und sich das schlanke Board unter dem gekrümmten, über die gesamte Fahrzeugbreite gezogenen Bildschirm nach oben dreht, um die digitalen Instrumente anzuzeigen, greifen meine Hände immer noch ins Leere. Bis sie auf zwei Griffe fallen, die in der Türverkleidung und an der Mittelarmlehne montiert sind. Denn wenn der Prophecy nicht ohnehin automatisch fährt, dann lenkt man ihn mit Joysticks: Captain Future, bitte übernehmen sie die Kontrolle!

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Während ich durch die großen Hallen krieche und herausfinde, wie ich dieses schlanke, fast fünf Meter lange Coupe auf Kurs halten soll mit dem, was Hyundai Joysticks nennt und was mich viel eher an die Griffe eines Dyson-Staubsaugers erinnert, und dabei zum Bremsen und Gas geben auch weiterhin meine Füße benutzen muss, ist die Aufmerksamkeit für alles andere stark limitiert. Es bleibt nur wenig Zeit, sich im Innenraum umzusehen. Denn selbst wenn wir nicht viel schneller fahren als Schritttempo, muss ich mich höllisch konzentrieren, damit ich das millionenschwere Einzelstück aus monatelanger Handarbeit nicht gegen eine Glaswand setze. Kaum vorstellbar, wirklich so schnell zu fahren, wie das Auto aussieht. Denn anders als in einem Computerspiel gibt es nach einem Absturz in der Realität keinen Knopf zum Neustart.

Aber sobald das Auto wieder steht und meine Augen sich frei bewegen können, kann ich nicht nur die faszinierenden Grafiken auf den Bildschirmen um mich herum erkennen. Ich kann mich auch über den schönen Kontrast zwischen den streng geometrischen Mustern des blauen und grünen Tartans, der Sitze, Türen und Böden bedeckt, und der organischen, aerodynamischen Form der Karosserie des Autos ohne eine einzige gerade Linie wundern. Und ich kann die doppelschichtigen Fenster sehen, die so weit auseinander stehen, dass zwischen den Glaslagen ein dicker Luftstrom zirkuliert, der Isolierung und Belüftung übernimmt, um Energie aus den Batterien im Boden zum Fahren zu sparen.

Mehr als ein Showcar

Natürlich könnte man denken, der Prophecy sei nur ein weiteres auffälliges Showcar, das nun ohne Publikumseffekt in der Asservatenkammer der Automobilgeschichte verschwindet. Aber es ist noch viel mehr, sagt Thomas Schemera. Während niemand offiziell bestätigen will, dass so eine Limousine im Coupé-Stil innerhalb von drei, vier Jahren gegen Teslas Modell 3 antreten wird, weist der Global Leader für Produkt und Strategie bei Hyundai und Kai zumindest darauf hin, dass beide Marken ihr Portfolio kräftig erweitern wollen. In naher Zukunft soll es bei den Blauen und den Roten zusammen nicht weniger als 44 Elektrofahrzeuge geben. Und ab 2025 sollen jährlich mehr als 600.000 reine E-Modelle mit Batterie oder Brennstoffzelle verkauft werden. Das ist eine sehr starke Prophezeiung und sie brauchen dieses Auto, um es zu erfüllen. Denn ohne eine dezidierte Plattform wie unter diesem Streamliner wären solche Zahlen nicht zu schaffen.

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