suchen
Europas Autobauer

Einhaltung der Klimaziele fraglich

1180px 664px
Europas Autobauer befürchten dass sie die vorgeschriebenen Klimaziele bis 2021 nicht einhalten können.
©

Die Erderwärmung soll gestoppt werden - so ist es im Pariser Weltklimapakt festgeschrieben. Dafür muss sich auch der Autoverkehr drastisch ändern. Die Frage ist nun: Wie schnell?

Die Autoindustrie tritt vor den entscheidenden Verhandlungen auf EU-Ebene erneut beim Klimaschutz auf die Bremse. Der europäische Dachverband Acea weckte am Dienstag Zweifel, ob die bereits verbindlich vorgeschriebenen Ziele für 2021 noch erreicht werden könnten und warnte vor Jobverlusten bei harten neuen Vorgaben für 2030. Umweltschützer und die Grünen wiesen dies scharf zurück und warben für einen raschen und radikalen Umstieg auf Elektroautos.

Hintergrund des Schlagabtauschs ist die anstehende Festlegung des Europaparlaments auf neue Auto-Klimaziele bis 2030. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen von 2021 bis 2030 um 30 Prozent reduziert werden soll. Im Europaparlament steht dagegen eine Minderung um 50 oder gar 75 Prozent zur Debatte. Nächste Woche soll der Umweltausschuss und Anfang Oktober das Plenum abstimmen, um dann Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten aufnehmen. Wie Deutschland sich dann positioniert, ist noch offen.

Acea-Generalsekretär Erik Jonnaert sagte der Deutschen Presse-Agentur: "In unserer Branche herrscht große Sorge, ob wir das Ziel für 2021 erreichen, denn das wird natürlich schon kniffelig." Denn seit dem Diesel-Skandal würden wieder mehr Benziner verkauft, die mehr verbrauchen.

20 Prozent CO2-Reduktion seien machbar

Seit 2009 gilt die EU-Vorschrift, dass Neuwagen eines Herstellers spätestens 2021 im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Tatsächlich lag der Wert 2017 im Schnitt bei 118,5 Gramm - mit leicht steigender Tendenz. Jonnaert betonte, gerade deshalb brauche es für 2030 ein realistisches Ziel: Acea halte eine CO2-Reduktion bei Neuwagen um 20 Prozent in Vergleich zu 2021 für machbar. Rasch wachsende Anteile von Elektroautos seien wegen fehlender Kundennachfrage aber unrealistisch. Außerdem brächte ein zu schneller Umbruch hohe Jobverluste in Autoregionen wie Stuttgart, argumentierte Jonnaert.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms ließ dies nicht gelten. Eine Studie der IG Metall gehe von nur moderaten Arbeitsplatzverlusten aus, sagte sie am Dienstag in Brüssel. Im übrigen sei der Umstieg auf emissionsarme und emissionsfreie Autos unausweichlich. "Die Zukunft des Autos wird elektrisch sein", sagte Harms. Um die Ziele des Weltklimapakts von Paris zu erreichen, müssten Minderungsziele für Autos von bis zu 75 Prozent bis 2030 gesetzt werden, fügte sie hinzu. Dies sei im Europaparlament nicht durchsetzbar, aber ein Kompromissvorschlag sehe immerhin ein Ziel von 50 Prozent vor.

Die Umweltschutzverbände BUND, Deutsche Umwelthilfe und der ökologische Verkehrsclub VCD warben in Berlin für eine Zielmarke von 60 bis 70 Prozent weniger CO2. Das sei "notwendig, technisch machbar und volkswirtschaftlich sinnvoll", erklärten sie gemeinsam. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer betonte ebenfalls, die Einsparziele für 2030 müssten verschärft werden. Das "Klimadebakel" der Autoindustrie hänge nicht mit dem Absatzrückgang beim Diesel zusammen, sondern mit der Modellpolitik der Autobauer: "Die Autos werden schwerer und haben mehr PS, zusätzlich werden immer mehr Geländewagen verkauft. Das sind die Gründe, warum viele Hersteller die Klimaziele nicht erreichen werden." (dpa)




360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema CO2-Ausstoß:





Fotos & Videos zum Thema CO2-Ausstoß

img

VW Golf 8 eHybrid (2020)

img

Fiat 500 und Panda Mild-Hybrid

img

Lightyear One

img

Seat Erdgasfahrzeuge

img

Lichttechnik Opel-Event

img

Mercedes-Benz RDE und WLTP


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Markenausblick VW

Unter Strom

Volkswagen setzt auf E-Mobilität. Und das mit einer fast schon erschreckenden Konsequenz. Unsere Vorschau auf die nächsten Jahre zeigt: Die Volumenmarke bringt jede...


img
Personalie

Führungswechsel bei Vergölst

Frauke Wieckberg übernimmt von 2021 an die Leitung des Reifen- und Autoservicespezialisten. Vorgänger Lars Fahrenbach verlässt den Continental-Konzern.


img
China-Transporter

Maxus-Importeur will durchstarten

Bislang war die SAIC-Marke Maxus mit dem EV80 hierzulande vertreten. Der chinesische E-Transporter lief unter anderem beim Langzeitmiet-Anbieter Maske Fleet. Nun...


img
ASA-Verband

Digitalisierung und Corona im Fokus

Der Fachbereich "B2B Smart Services" des Bundesverbands der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen hat sich zu seiner Jahreskonferenz getroffen.


img
Podcast Autotelefon

Mit Mesut Özil ans Cap Formentor?

Stefan Anker und Paul-Janosch Ersing unterhalten sich im Autotelefon-Podcast am Telefon über kleine und große Autos und alles, was dazu gehört. Die beiden Journalisten...