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Fahrbericht BMW 7er

Flaggschiff mit China-Charme

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Der neue BMW 7er fährt mit Riesen-Niere vor.
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Knapp jeder zweite BMW 7er geht nach China – und das Facelift ist optisch genau auf das Reich der Mitte zugeschnitten. Wer sich nicht sicher ist, ob ihm das gefällt, den überzeugen vielleicht die zahlreichen technischen Verbesserungen.

Von Michael Gebhardt/SP-X

Während die automobile Oberklasse hierzulande eher ein Nischenprodukt ist, boomt in China der Flaggschiff-Markt: Über 40 Prozent aller BMW 7er werden inzwischen im Reich der Mitte verkauft, selbst die USA liegen mit nicht einmal einem Fünftel des Absatzes weit dahinter; die in Deutschland an den Mann gebrachten fünf Prozent sind da fast schon vernachlässigbar. Dass sich die Münchner bei der turnusgemäßen Überarbeitung ihres Flaggschiffs stark an den Vorlieben der chinesischen Käufer orientiert haben, ist also nur logisch. Ob die Facelift-Version auch den Geschmack der hiesigen Kundschaft trifft, wird sich beim Händler zeigen, wo der 7er ab sofort für mindesten 74.285 Euro (netto) bereit steht.

Reichlich Kritik aus der alten Welt mussten die Münchner schon bei der Weltpremiere im Januar einstecken. Vor allem am nochmal deutlich größeren Kühlergrill scheiden sich die einheimischen Geister. Gefallen aber muss er aber eben in erster Linie den Chinesen, und die stehen auf ausdrucksstarkes Design und zeigen gern, was sie haben. In diese Kerbe schlägt auch die deutlich höhere Motorhaube, die den 7er noch stattlicher auftreten lässt. Was dagegen kaum auffällt: Auch das BMW-Logo auf der Haube wurde um 1,2 Zentimeter vergrößert – sonst hätte es über dem neuen XXL-Kühlergrill verloren gewirkt.

Ansonsten gibt es die üblichen Facelift-Retuschen: die LED-Scheinwerfer sind etwas flacher geworden und leuchten zukünftig auf Wunsch mit Laser-Technik bis zu 560 Meter weit nach vorne, es gibt überarbeitete Schürzen und die ebenfalls etwas schmaleren Rücklichter verbindet jetzt, wie könnte es anders sein, ein durchgängiges LED-Band.

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Auch das Wohlfühlambiente im Innenraum hatten die Entwickler auf ihrer To-Do-Liste: Die Geräuschdämmung wurde verbessert und durch die dickeren Fenster dringt kaum mehr Straßenlärm nach innen. Wer es sich im Fond des weiterhin in zwei Längen (5,12 und 5,26 Meter) erhältlichen 7ers bequem macht, kann auf einem großen Bildschirm das Infotainment genießen und per herausnehmbaren Tablet zahlreiche Funktionen steuern.

Sprachassistent lernt ständig hinzu

Auch das Cockpit mit digitalem Kombiinstrument und 10,25-Zoll-Info-Touchscreen wurde auf Vordermann gebracht und mit der neuesten Generation des Bediensystems iDrive ausgerüstet. Geblieben ist der praktische Drehregler auf dem Mitteltunnel, neu ist der Sprachassistent, der auf den Befehl "Hey, BMW" reagiert und irgendwann so schlau wie Alexa oder Siri sein soll. Aktuell tut sich der Computer mit einigen Befehlen noch etwas schwer, doch das System lernt fortlaufend hinzu. Das gilt für die gesamte Infotainment-Technik: Dank kabelloser Updates lässt sich der 7er zukünftig auf den neusten Stand der Dinge bringen.

Ein umfassendes Upgrade gab es auch unter der Haube: Mit dem Facelift stehen wieder Benziner bereit, die zuvor der WLTP-Umstellung zum Opfer gefallen sind. Die neue Motorengeneration erfüllt die Euro-6d-TEMP-Norm, und fährt mit sechs, acht oder zwölf Zylindern vor. Der Dreiliter-Reihensechser ist zunächst allerdings nur mit Elektro-Unterstützung in der Plug-in-Hybrid-Version 745e (ab 84.873 Euro netto) zu haben, die es auf eine Systemleistung von 290 kW / 394 PS bringt und 600 Newtonmeter Drehmoment bereit stellt. Damit ist der Doppelherz-7er deutlich souveräner unterwegs als der bisherige Vierzylinder-Hybrid, und dank der größeren Batterie steigt die elektrische Reichweite auf rund 50 Kilometer. In Kauf nehmen muss man dafür einen mit 420 Liter um fast 20 Prozent kleineren Kofferraum als sonst und häufige Tankstopps auf der Langstrecke. Nur 46 statt 78 Liter Sprit passen in den Benzintank und ist der Akku erst einmal leer, entpuppt sich der versprochene Normverbrauch von knapp über zwei Liter natürlich als reiner Theorie-Wert.

V12-Modell mit weniger Leistung

Erstaunlich: Bei den anderen Motoren verzichtet BMW auf Elektrifizierungsmaßnahmen. Die hätten eventuell das Minus auffangen können, dass der 146.218 Euro netto teure V12 im M760Li hinnehmen muss: Seine Leistung sinkt im Zuge der WLTP-Umstellung von 448 kW / 610 PS auf 430 kW / 585 PS. Deutlich zugelegt hat dagegen der 750er (ab 98.487 Euro netto). Der neue V8 leistet 390 kW / 530 PS statt 330 kW / 450 PS und konnte auch beim Drehmoment nochmal eine Schippe drauf legen. Bei 1.800 Umdrehungen liegen 750 Newtonmeter an und katapultieren den 7er in knackigen vier Sekunden auf Tempo 100. In Verbindung mit der feinfühligen Lenkung und der überarbeiteten Abstimmung des serienmäßig adaptiven Fahrwerks erweist sich der geliftete 750i als ausgesprochen agiler Allrounder, der einerseits butterweich dahingleitet und andererseits nichts gegen eine dynamische Gangart einzuwenden hat, die jede Mercedes S-Klasse abhängt. Der Sportmodus lässt in Verbindung mit der Hinterachse die Pfunde der mindestens zwei Tonnen schweren Limousine förmlich dahin schmelzen und sie erstaunlich behände durch die Kurve fegen.

Dass sich die 9,5 Liter Normverbrauch dabei gut und gern verdoppeln, dürfte die 750er-Kundschaft wenig stören. Wem es auf wenig Verbrauch ankommt, der greift, wenn nicht gleich zum Hybrid, ohnehin zum Diesel. Hier stehen drei Sechszylinder zur Wahl, die zwischen 195 kW / 265 PS und 294 kW / 400 PS bereitstellen. Wie die Benziner, sind auch die Selbstzünder alle an eine famose Achtgang-Automatik gekoppelt, und fahren in der Regel mit Allradantrieb vor; lediglich beim kleinsten Diesel 730d muss die Vierradtechnik – wie auch beim Plug-in-Hybrid – extra dazu bestellt werden.

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