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Fahrbericht Genesis GV80

Feinkost aus Fernost

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Mit einer Länge von 4,95 Metern spielt der GV80 in einer Liga mit Audi Q7 oder Mercedes GLE
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Wer nicht wagt, der hat schon verloren. Deshalb lässt sich Hyundai nicht vom schweren Stand asiatischer Nobelmarken in Deutschland beeindrucken und beginnt jetzt auch bei uns mit dem Verkauf der vornehmen Tochter Genesis. Das erste Modell der Marke ist wie gemacht für lange Wege auf steinigen Strecken.

Von Benjamin Bessinger

So langsam will es der Hyundai-Konzern wissen. Als wäre es nicht genug, dass die Koreaner mit ihrer Kernmarke und mit Kia den VW-Konzern gehörig in die Zange nehmen, drängen sie jetzt mit dem luxuriösen Ableger Genesis auch noch ins Oberhaus. Daheim und in Amerika schon seit ein paar Jahren erfolgreich auf den Spuren von Lexus und Infiniti, will es Genesis ab dem Sommer nun auch im Heimatland von Audi, BMW und Mercedes wissen. Als Türöffner setzen die Koreaner dabei neben der Limousine G80 vor allem auf ihr erstes SUV, den GV80, der zu Netto-Preisen ab 52.268 Euro an den Start geht.

Mit einer Länge von 4,95 Metern und der 420 Euro netto teuren Option auf eine dritte Sitzreihe spielt er zwar in einer Liga mit Audi Q7 oder Mercedes GLE, sieht aber auf den ersten Blick ein bisschen aus wie ein Bentley Bentayga, der vor der Midlife-Crisis ins Sportstudio geflüchtet ist: Genauso bullig und barock, aber viel schlanker und muskulöser und mit seinen doppelten Blinkerleisten, die sich in den Flanken fortsetzen und am Heck wiederholen, am Ende doch ziemlich unverwechselbar.

Innen ist der GV80 einem Bentley ebenfalls näher als einem Benz: Zumindest in den gehobenen Varianten sind die Polster aufwändig gesteppt, es gibt offenporiges Holz und viel blankes Metall und sogar ein paar Bedienelemente wie etwa das Touchpad auf der Mittelkonsole, die wirken, als wären sie aus Milchglas geschliffen. Und natürlich sind die Sitze nicht nur vielfach elektrisch verstellbar und klimatisiert, sondern massieren die Insassen auch mit individuellen Programmen, die von der Elektronik automatisch auf den jeweiligen Körperbau zugeschnitten wurden.

Das sieht alles fein aus und funktioniert tadellos, wirkt allerdings sehr klassisch und konservativ in einer Zeit, in der auch Luxusmarken nach einem modernen Auftritt streben und mit der Generation iPhone flirten. Auch der große Touchscreen über dem Armaturenbrett oder die digitalen Instrumente mit ihrer spektakulären 3D-Grafik können darüber nicht hinwegtäuschen. Obwohl das mit Abstand jüngste Auto in diesem Segment, erscheint der GV80 deshalb ein bisschen, als wäre er von gestern.

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Auch beim Fahren wollen Wunsch und Wirklichkeit nicht so recht zusammenpassen. Zwar wirkt der GV80 trotz seines stolzen Formats etwas schnittiger als etwa ein Audi Q7. Doch darf man sich vom sportlichen Look nicht täuschen lassen. Nicht nur, dass die Motoren beim Kräftemessen mit der Konkurrenz das Nachsehen haben und die Fahrleistungen entsprechend blasser sind. Auch die Abstimmung zeugt eher von Gelassenheit denn von Angriffslust und selbst in der Sportstellung bleibt der GV80 ein kommoder Gleiter, der sich nur schwer aus der Ruhe bringen lässt. Nicht umsonst bügelt das vorausschauende Fahrwerk mit Kamerasteuerung für die adaptiven Dämpfer auch üble Pisten glatt.

Dafür aber fehlen dem GV80 vitalisierende Extras wie eine Wankstabilisierung oder gar eine Hinterachslenkung. Während man sich auf der linken Spur bis weit jenseits von 200 km/h deshalb schnell zu Hause fühlt, fremdelt das Dickschiff mit kurvigen Landstraßen und lässt sich nur mit schwerem Gasfuß zu lustvollen Ausflügen ins Mittelgebirge motivieren. Für die entspannte Landpartie mit der Familie oder den Roadtrip von Küste zu Küste gibt es wahrscheinlich kaum einen besseren Begleiter, doch für Egoisten hinter dem Lenkrad bauen andere Hersteller vielversprechendere Autos.

Mit dem Diesel wird das große SUV zum Dauerläufer

Angeboten wird der GV80 dabei zunächst nur mit zwei Motoren, die nur bedingt die Standards des Segments bedienen. So gibt es weder einen prestigeträchtigen V6-Benziner noch einen politisch korrekten Plug-in-Hybriden, sondern als einzigen Benziner einen 2,5 Liter großen Vierzylinder, der mit tatkräftiger Hilfe eines Turbos und feinfühliger Sortierung einer Achtgang-Automatik immerhin 304 PS an die vier Räder bringt, mit einem Normverbrauch von zehn Litern aber deutlich mehr verbraucht als beispielsweise ein stärkerer BMW X5 mit Sechszylindermotor. Dazu bieten die Koreaner für 1.008 Euro Netto-Aufpreis aber auch noch einen Reihensechszylinder-Diesel. 278 PS stark und mit und 588 Nm entsprechend leichtfüßig, wuchtet er die Fuhre in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 und wird mit bis zu 230 km/h zum Dauerläufer, der bei einem Normverbrauch von 8,0 Litern und einem 80-Liter-Tank einen ausgesprochen langen Atem beweist.

Den werden die Koreaner bei ihrem Abenteuer mit dem Aufstieg ins Oberhaus auch brauchen. Denn der GV80 mag souverän fahren und technisch auf dem neuesten Stand sein. Er sieht von außen gut aus. Und selbst wenn der Neuling innen ein wenig altbacken daherkommt, ist er vornehmer und feudaler als seine deutschen Konkurrenten – damit fahren die Koreaner durchaus auf Augenhöhe mit Audi, BMW und Mercedes. Das ist zwar aller Ehren wert und im Ausland, wie etwa die Zahlen aus den USA zeigen, genug für einen Achtungserfolg. Doch hierzulande wird das kaum reichen. Denn nur gleich gut zu sein, das ist für einen Newcomer zu wenig. Um gegen die Platzhirsche auch nur ein paar Punkte machen zu können, müsste Genesis in irgendeiner Disziplin deutlich mehr bieten als das Trio aus dem deutschen Süden. "Der Marke fehlt das Einzigartige, das Besondere", sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer. Sie habe im Gegensatz zu Tesla keine durchschlagende Innovation und anders als Mercedes oder BMW keine lange Geschichte: "Deshalb wird sie in Europa als Tiger starten und als Bettvorleger enden."

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