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Fahrbericht Hyundai Ioniq Elektro

Die Flotten im Fokus

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Mit der Modellpflege steigt die Batteriekapazität von 28 auf rund 38 kW/h.
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Hybrid, PHEV, BEV – beim Ioniq gibt es alles und nun nach drei Jahren das erste Facelift. Mit besserer Technik hat der neu Hyundai-Deutschlandchef Jürgen Keller verstärkt die Flotten im Fokus.

Hyundais Flottenanteil ist niedrig. Lediglich zwölf Prozent laufen über diesen Kanal. Das entspricht einem Marktanteil von 1,2 Prozent. Damit landen die Südkoreaner hinter Toyota, Volvo und Renault auf Platz zwölf im Flotten-Ranking. Und das entspricht keineswegs dem Gesamt-Marktanteil von Hyundai, der in Deutschland mittlerweile bei knapp 3,5 Prozent liegt. Damit sich die niedrigere der höheren Zahl nähert, will der neue Deutschlandchef Jürgen Keller nun die kleingewerblichen Flotten in den Fokus rücken und bewusst die ganz großen erst einmal rauslassen – wie er auf der Präsentation des Ioniq Facelift mitteilte. Denn das "große" Geschäft gehe meistens über den Preis und drücke die Restwerte. Dem Ioniq, den es als Hybrid, Plug-in-Hybrid (PHEV) und als rein elektrisches Fahrzeug (BEV) gibt, traut Keller dabei einiges zu. Zum einen "sind die großen Nachlässe bei alternativen Antrieben generell nicht möglich", zum anderen biete man "spannende Angebote zusammen mit dem Flottenpartner ALD an".

In den letzten drei Jahren haben die rund 11.000 Ioniq-Kunden primär den Hybrid gekauft. Kein Wunder, war der Akku des Ioniq Elektro (der am Heck, wie auch der Kona, "electric" genannt wird) mit 28 kWh nicht sonderlich groß und die Reichweite mit 280 Kilometer ausreichend, aber nicht generös. Hyundai packt nun 10,2 kWh dazu, macht den Antrieb effizienter und generiert damit 100 Kilometer mehr – 378 nach NEFZ, 311 nach WLTP. Eine Reichweite, die im sinnvollen Nutzungsbereich des Ioniq – im urbanen Umfeld – auch überboten werden kann. Klar muss man sich dafür auf die E-Mobilität einlassen und Spaß am Elektrischfahren haben, aber dann sollten in München und Frankfurt problemlos 350 Kilometer fahrbar sein; nicht jedoch von München nach Frankfurt. Nimmt man die übliche Pendlerstrecke, müsste unter der Woche nicht geladen werden – tun sollte man das aber dennoch, denn wie beim Smartphone ist auch beim E-Auto das Strommitnehmen, wo es immer geht, sinnvoll, schont (!) Akku und gibt Reserven.

Die hat der Ioniq nicht nur in Form von mehr Kilometern bekommen. Auch die PS-Zahl hat sich um 16 auf 136 PS erhöht, was flotte Zwischenspurts ebenso vereinfacht wie den Standardsprint in zehn Sekunden ermöglicht. Viel wichtiger sind Leistungsangaben zur Ladegeschwindigkeit. Wie erwähnt, ist öfters langsamer laden batterieschonender als weniger oft schnell laden (mit CCS sind übrigens 100 kW möglich). Aber auch das Langsamerladen ist nun schneller geworden. Ein 7,2-kW-On-Board-Lader ist ebenfalls serienmäßig im Ioniq Elektro (vorher 6,6) und der macht die leere Batterie an der Wallbox oder innerstädtischen Ladesäulen innerhalb von sechs Stunden wieder voll. Zumindest dann, wenn man für 327 Euro bei den beiden unteren Ausstattungslinien das Typ-2-Ladekabel geordert hatte.

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One-Pedal-Driving

Damit möglichst wenig Strom verbraucht wird, hat der Ioniq Elektro nach wie vor eine vierfach justierbare Rekuperationsmöglichkeit, die der Fahrer via Bedienwippe am Lenkrad nach Gusto aktivieren kann. Das ermöglicht entspanntes One-Pedal-Driving und eliminiert manuelles Bremsen per Fuß in normalen Verkehrssituationen. Neu ist in diesem Umfeld die "Smart Rekuperation", die in Zusammenarbeit mit dem ACC (Serie ab zweiter Ausstattungslinie Trend) und aktivem Navi vorausschaut und die Fahrdynamik an die Umwelt anpasst. Wer aufmerksam fährt und das E-Gefühl besitzt, macht es manuell trotzdem besser.

Für 29.330 Euro – also gut 1.300 Euro mehr als bislang – hat sich aber noch mehr getan. Die Front wurde modernisiert und "Air Flaps" installiert, die sich zur Bauteile-Kühlung situationsabhängig öffnen und schließen. Die neuen, schnittigen Aluräder tragen zum guten CW-Wert von 0,24 ebenfalls bei. Bei den Scheinwerfern gibt es ab der dritten Ausstattungslinie Style neue LED-Augen (sonst Halogen). Innen dürfen sich Tekkies über ein neues Armaturenbrett mit 10,25-Zoll-Bildschirm (ab Trend) und 7-Zoll-Kombiinstrument (Serie) freuen, das mit dem Telematikdienst Bluelink korrespondiert. Bluelink verbandelt Ioniq mit Smartphone und ermöglicht, Daten und Funktionen via App einzusehen und zu steuern.

Die überflüssigste Funktion

Ansonsten sitzt man noch immer zu hoch, die Übersicht ist durchschnittlich, das Leder der Topversion Premium wirkt nach wie vor wie Plastik und - zwar gut verarbeitet - hapert es hier und da an der Haptik. Oder anders formuliert: Es trifft nicht den Geschmack des "typischen Deutschen". Als eines der überflüssigsten Features küren wir den "Leading Vehicle Alert". Dieser gongt und fordert zum Losfahren auf, wenn man ACC samt Staufunktion nutzt und "übersieht", dass der Vordermann gestartet ist, währenddessen noch schnell die Social-Media-Kanäle gecheckt werden.

Das Fahren an sich macht der 1,5-Tonner gut. Verbindlich, aber mit souveräner Rückmeldung agieren Lenkung und Fahrwerk, die Abrollgeräusche sind auch aufgrund der kleinen Räder niedrig, Windgeräusche bis 120 km/h fast nicht vorhanden – und viel schneller fährt man eh nie, wenngleich erst bei 165 Sachen Ende ist.

All das wird dem Erfolg von Hyundai in Deutschland guttun. So ist auch der August wieder der beste Monat für Hyundai Deutschland seit Markteintritt 1991. "Wir werden weiter überholen und führend in modernen Antriebssystemen sein", sagte Keller abschließend. Ende 2020 sollen mehr als 75 Prozent der Hyundai-Modelle über alternative Antriebe verfügen, teils bereits in dritter Generation. (Mb)

Hyundai Ioniq Elektro
Preis: 29.330 Euro
Permanentmagnet-Synchron-E-Motor 100 kW/136 PS, 295 Nm  1-Stufen-Reduktionsgetriebe 9,9 s | 165 km/h |  WLTP 13,8 kWh Reichweite 311 km | Ladezeit bei 7,2 kW rund sechs Stunden | 54 Minuten bei 100-kW-CCS (80-Prozent-Ladung)
4.470 x 1.820 x 1.450 mm 
357 bis 1.417 Liter
Effizienzklasse: A+
KH: 17 | TK: 21 | VK: 19
Wartung: 15.000 Kilometer/jährlich
Garantie: Fahrzeug fünf Jahre, Batterie acht Jahre oder 200.000 Kilometer

❚ 1 Die SItzposition ist recht hoch, die Bedienung der Grundfunktionen einfach 
❚ 2 In den Kofferraum passen in Normastellung 360 Liter – reicht 
❚ 3 Leder fühlt sich nach Kunststoff an. Empfehlenswerte Ausstattungslinie daher: Style für 35.000 Euro, inklusive LED-Scheinwerfer, Schildererkennung, Typ-2-Ladekabel, Navi sowie Induktivladeschale für Handy und Stoffsitze




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