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Fahrbericht Lada 4x4 Urban

Russlands coole Kiste

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Mit dem Lada 4x4 Urban wollen die Russen dennoch ein bisschen aus der Jäger- und Försterecke herausfahren und junge Städter ansprechen.
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Lifestyle und Lada? Das passt etwa so gut zusammen wie ein Michelin-Stern zu McDonald's. Mit dem Lada 4x4 Urban wollen die Russen dennoch aus der Jäger- und Försterecke herausfahren und junge Städter ansprechen.

Von Michael Specht/SP-X

Der Motor heult, das Getriebe jault, das Fahrwerk rumpelt, die Schaltung hakelt und schon bei Tempo 120 wechselt man für die Unterhaltung mit dem Nachbarn besser auf Zeichensprache. Willkommen in der Geländewagen-Welt der späten 70er. Willkommen im neuen Lada 4x4 Urban Baujahr 2016. Bekannter ist dieser Ostblock-Offroader unter dem Namen Lada Niva. So zumindest entließ der russische Autobauer 1977 seinen kleinen Allradler – Länge nur 3,64 Meter - erstmals von den Montagebändern in Togliatti.

Seit dem hat sich nicht viel geändert. Nur, dass aus Niva irgendwann die Bezeichnung Taiga wurde und ein paar technische Errungenschaften wie zum Beispiel ABS und Servolenkung Einzug hielten. Sein schon fast putziges Design und seinen "Held-der-Arbeit"-Charakter aber hat der kleine Russe nicht verloren. Und sich damit viel Sympathie erworben, ähnlich wie es vergleichbar der Land Rover Defender schaffte.

In Russland sieht man den Niva/Taiga an nahezu jeder Straßenecke. Ein nahezu unverwüstlicher und treuer Weggefährte, falls ihn der Rost nicht vorzeitig dahingerafft hat. Hier in Deutschland genießt der Taiga fast Kult-Status, hat eine wachsende Fangemeinde. Ein Auto für Individualisten, das Lada vorwiegend an Jäger und Förster, an Kommunal- und Landwirtschaftsbetriebe abgibt. Rund 1.000 Taiga verkauft Lada hierzulande im Jahr.

Nun kommt der 4x4 Urban hinzu, gerichtet vorwiegend an junge Städter und andere coole Typen, denen sämtliche neuen SUV und modischen Crossover den Buckel runterrutschen können. Der Name Urban soll natürlich so etwas wie Lifestyle assoziieren. Lada versucht dies – schon fast niedlich –, mit ein paar Dekorelementen und Extras zu untermauern. Der Urban hat feschere Sitze mit Heizung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber und Cupholder zwischen den Vordersitzen. Außerdem gibt’s zwei Metallic-Lackierungen. Das war’s dann aber auch mit den neuzeitlichen Dingen.

Automobile Zeitreise in die Siebziger

Wer einsteigt, merkt schon am schwergängigen Öffnen der Tür, der Urban ist eine automobile Zeitreise in die Siebziger des vorigen Jahrhunderts. Ein Cockpit aus tristem Schwarzplastik, antiquierten Kippschaltern und Schiebereglern für die Heizung. Dazu ein Schaltknüppel, dessen fünfter Gang die Arme eines Schimpansen erfordert. Das Lenkrad ist selbstverständlich nicht verstellbar, was einer bequemen Sitzposition nicht unbedingt förderlich ist. Die Rücksitzlehne lässt sich nur als Ganzes nach vorne klappen und beim Schließen der Heckklappe muss man aufpassen, nicht von selbiger erschlagen zu werden.

Angetrieben wird die Lada-Ikone von einem betagten, wenngleich modernisierten Vierzylinder-Benziner mit 1,7 Liter Hubraum und bescheidenen 61 kW / 83 PS. Dessen Konstruktion geht noch auf alte Fiat-Zeiten zurück. Doch wenigstens erfüllt er abgasmäßig die Euro-6-Norm. Fragen nach Beschleunigung und Dynamik sollten besser nicht gestellt werden. Auch nicht nach dem Verbrauch. Mit Glück bleibt der Russe unter zehn Liter. Dafür versöhnt er mit sehr guten Geländeeigenschaften. Sein Allradantrieb ist permanent, mit zwei weiteren Hebeln auf der Mittelkonsole können die Untersetzung zugeschaltet und das Mitten-Differenzial gesperrt werden. Der Urban wird zur Bergziege.

Das alles kostet lediglich 10.075 Euro netto. Kultiger, cooler und vor allem günstiger kann man in einem Geländewagen derzeit nicht unterwegs sein. Wie lange dies noch möglich ist, steht in den Sternen. Irgendwann machen die Crash-Vorschriften dem  kleinen Offroader den Garaus. Der Land Rover Defender bekommt dies bereits zu spüren. Er wird nächstes Jahr eingestellt. Die Lada Automobile GmbH in Buxtehude gilt jedoch als Kleinstserienhersteller und unterliegt anderen Vorschriften. Mit ein Grund, warum es im Urban keine Airbags gibt.

Bildergalerie

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