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Fahrbericht Mercedes-Maybach G 650 Landaulet

Der König von Afrika

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Das Maybach G 650 Landaulet soll einen neuen Maßstab für Geländewagenluxus setzen.
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Als Landaulet wird die Mercedes G-Klasse zum ultimativen Safari-Shuttle. Gewöhnliche Touristen werden den Wagen aber wohl nie besteigen. Denn mit dem Maybach-Logo an der C-Säule klettert der Preis ins Unermessliche.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Mit den "Big Five" kennt Luke sich aus. Schließlich arbeitet er schon seit Jahren als Wildhüter im Madikwe Game Reserve und wenn einer die großen Fünf findet, die man bei jeder Safari sehen muss, dann ist es der junge Südafrikaner. Doch in diesen Tagen tobt neben Löwen, Elefanten, Büffeln, Nashörnern und Leoparden noch ein weiteres Großkaliber durchs Unterholz des Naturparks an der Grenze zu Botswana. Denn kurz vor der Weltpremiere auf dem Genfer Salon inszeniert Mercedes hier die Jungfernfahrt des Maybach G 650 Landaulet.

"Das wird der luxuriöseste Geländewagen und zugleich das exklusivste Cabrio der Welt", sagt Gunnar Güthenke, der die Geschicke der G-Klasse verantwortet und die Auslieferung des neuen Luxusmodells für diesen Oktober verspricht. "Und es wird vermutlich auch der teuerste Mercedes, den wir aktuell in der Preisliste haben", räumt er ein. Den genauen Tarif will er zwar erst in Genf verraten. Doch für die 300.000 Euro netto für die offene Maybach S-Klasse hat Güthenke nur ein Lächeln übrig und man kann wohl froh sein, wenn die erste der sechs Ziffern auf der Rechnung noch eine Fünf ist.

Zwei Jahre nach dem Ende des letzten G-Klasse Cabrios hat seine Mannschaft nicht einfach das Dach aufgeschnitten. Ganz im Geist der alten Paradewagen und natürlich des Papamobils gibt es wie bei jedem Landaulet eine geschlossene Fahrerkabine und dahinter einen Freisitz, wie man ihn so bei einem SUV noch nicht gesehen hat.  Denn nachdem die Schwaben den Radstand zugunsten der Hinterbänkler um 60 Zentimeter gestreckt haben, bauen sie im Fond die First-Class-Sessel aus der Maybach-Version der S-Klasse ein – Sitzmassage, Liegeposition und Rear-Seat-Infotainment inklusive. Sobald sich das elektrische Verdeck binnen 30 Sekunden über den winzigen Rest von Kofferraum gefaltet hat, wird die Rückbank deshalb zur wahrscheinlich vornehmsten Sonnenliege der Welt. Und damit einem beim Sonnenbad niemand in den Bauchnabel schaut, gibt es zum ersten Mal in der G-Klasse auch eine Trennscheibe zum Fahrer, die elektrisch ins Blickfeld fährt und sich auf Knopfdruck milchig eintrübt.

Luxus auf einem neuen Niveau

Aber Mercedes hat nicht nur den Luxus auf ein neues Niveau gehoben. Sondern das ganze Auto steht buchstäblich über den Dingen. Denn genau wie der 4x4 zum Quadrat nutzt der G 650 die Portalachsen von Unimog & Co und stolziert so mit fast einem halben Meter Bodenfreiheit und deutlich verbreiterter Spur durchs Gelände. Ganz nebenbei bekommt die jetzt fast 5,50 Meter lange G-Klasse damit eine derart imposante Silhouette, dass Elefanten wie Kuscheltiere wirken und der Löwe abdanken kann: Der neue König von Afrika hat keine Mähne, sondern ein Maybach-Logo.

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Das Fahrgefühl im Fond ist tatsächlich königlich: Entweder räkelt man sich bequem auf der Sonnenliege, nippt am Champagner aus dem Silberkelch und lässt draußen die wilde Tierwelt Afrikas an sich vorbeiziehen. Oder man steht in der riesigen Luke, reckt das Haupt durchs offene Dach und kann sich nur mit Mühe ein königliches Grinsen oder ein päpstliches Winken verkneifen. Bei einer Parade mag das ja angebracht sein. Aber den anderen Big Five ist es herzlich egal was das Frischfleisch da auf dem Rücken von Nummer Sechs für einen Zauber veranstaltet. Die interessiert es nur, wenn man aussteigt und damit zur Beute wird. Aber warum sollte man aus einem Auto wie diesen tatsächlich aus- oder besser herabsteigen in die Niederungen der wirklichen Welt?

Im diesem Königreich auf Rädern ist man der Welt so weit entrückt, dass man sich nicht einmal für den Motor interessiert und den Job am Lenkrad bereitwillig einem dienstbaren Geist überlässt. Dabei lockt das Landaulet auch unter der Haube mit dem Besten, was sie bei Benz aktuell an Antrieb zu bieten haben. Schließlich säuselt unter der Haube der sechs Liter große V12 aus dem G 65, der bei 630 PS und 1000 Nm selbst mit den 3,3 Tonnen dieses Dickschiffs keine Mühe hat. So, wie auch die Nashörner und Elefanten hier im Madikwe Game Ressort überraschend schnell Reißaus nehmen, wenn Wildhüter Luke mit seinem Land Cruiser mal wieder zu schnell um die Ecke kommt, so ist auch das Landaulet ein verkappter Sprinter. Von Null auf 100 in weniger als sechs Sekundenden und bei Vollgas immerhin 180 km/h: Mit einem Giganten wie den G ist das ein buchstäblich atemberaubendes Erlebnis – erst recht, wenn man dabei auf einer Lederliege unter freiem Himmel lümmelt.

Von Rekord zu Rekord

Entstanden ist der offene Viersitzer aus purem Übermut. Denn 38 Jahre nach ihrem Start ist die G-Klasse mittlerweile ein absoluter Selbstläufer und klettert von Rekord zu Rekord. "Nach dem Bestwert von 2015 haben auch im letzten Jahr noch einmal zugelegt und mit 20.000 Verkäufen ein weiteres All-Time-High erzielt", sagt Güthenke und summiert den Gesamtabsatz des G-Modells auf mittlerweile deutlich mehr als 200.000 Exemplare. Weil darunter auch über 150 Exemplare des urgewaltigen 6x6 sowie bald 1.000 Einheiten des nicht minder spektakulären 4x4 zum Quadrat sind, haben Güthenke und sein Team bereits vor zwei Jahren zusammengesessen und über die nächste Sonderserie beraten. Und weil offenbar jemand kurz vor der entscheidenden Sitzung auf Safari war, ist es am Ende der ultimative Jagdwagen geworden.

Zwar sieht G-Chef Güthenke, der selbst eine Zeit in Südafrika gelebt hat, in dem Landaulet den perfekten Safari-Shuttle, und angeblich gibt es nicht nur in den Emiraten, in Russland und in Mitteleuropa, sondern tatsächlich auch in Südafrika großes Interesse an dem offenen Luxusliner. Doch die Chancen, dass der G 650 im Madikwe Game Reserve Wildhüter Luke noch öfter durch die Parade fährt, sind denkbar gering. Denn mehr als 99 Landaulets will Güthenke nicht bauen. Dagegen sind selbst die Big Five ein Massenphänomen.




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