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Fahrbericht Mercedes-Maybach S-Klasse

Das Traumschiff

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Das Maybach-Modell ist die Highend-Variante der Mercedes S-Klasse.
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Die Steigerung von Mercedes? Mercedes-Maybach. Auf Basis der neuen S-Klasse haben die Stuttgarter erneut eine Luxuslimousine auf die Räder gestellt, bei der man aus dem Staunen nicht herauskommt.

Michael Specht/SP-X

Dass Luxus weltweit so gut läuft, haben wohl selbst die Marketing-Strategen bei Mercedes nicht gedacht. Jede siebte S-Klasse, die aus der Montagehalle in Sindelfingen rollt, trägt mittlerweile das Maybach-Emblem, das doppelte M, es steht für Mercedes-Maybach. Im Jahr vor Corona, also 2019, waren es über 12.000 Einheiten, rund 60.000 seit Marktstart 2015. Mit Abstand die meisten Maybach gingen nach China, Russland, in die USA und – wer hätte das gedacht? – nach Südkorea. Kleine Statistik am Rande: Der durchschnittliche Maybach-Haushalt hat fünf Fahrzeuge in der Garage. Und in China ist die deutsche Luxus-Limousine für manche Käufer das erste Auto im Leben. Sie sind mitunter noch nicht einmal 30 Jahre alt.

Ganz ähnlich dürfte sich das Ganze auch bei der neuen Generation der Mercedes-Maybach-Limousine abspielen. Grund: Sie verkörpert noch mehr Prestige und Präsenz als das Vorgängermodell. Besonders dann, wenn sich der Kunde für die äußerst aufwendig gemachte und 12.500 Euro teure Zweifarben-Lackierung entscheidet, deren Aufbau fast eine Woche dauert. Aber auch so unterscheidet sich die Maybach-Version recht deutlich von der normalen S-Klasse.

Parkhäuser als feindliches Revier

Auffällig ist die seitliche Fenstergrafik mit der breiteren Chromeinfassung und eben dem zusätzlichen Dreiecksfenster an der C-Säule. Denn der Maybach streckt sich gegenüber der S-Klasse mit dem längeren Radstand um nochmals 18 Zentimeter und kommt so auf ein Gardemaß von 5,47 Meter. Durchschnittliche Parkhäuser dürften damit klar zum feindlichen Revier erklärt werden, selbst wenn die Limousine über eine optionale Hinterachslenkung verfügt. Doch in diesen Kreisen wartet der Chauffeur ohnehin direkt vor dem Geschäft – oder fährt solange um den Häuserblock.

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Weitere Eigenständigkeit erhält der Mercedes-Maybach durch seine speziellen Stoßfänger, die andere Motorhaube, die den Grill mit seinen feinen, vertikalen Chrom-Nadelstreifen 2 Zentimeter höhersetzt – und den riesigen, 23 Zoll großen Rädern in ebenfalls eigenem Design. Nicht zu vergessen: das beleuchtete Markenemblem, was aber nur in China und in den USA erlaubt ist.

Die größere Inszenierung von Luxus findet allerdings im Interieur des Stuttgarter Flaggschiffs statt. Hier gibt es First Class auf Rädern. Es ist erstaunlich, was die Entwickler sich alles so haben einfallen lassen, um auch den außergewöhnlichsten Ansprüchen des Kunden gerecht zu werden. Edles Holz und feinstes Leder, klar, das bieten andere Luxuskarossen auch. Aber wer denkt schon bei den Fondsitzen an eine Massagefunktion für die Waden? Oder eine Schulter- und Nackenheizung für den Passagier (meist der Besitzer) auf dem Rücksitz? Hinten gibt es jetzt auch erstmals einen automatischen Gurtbringer, der höflich zum Anschnallen auffordert. Er ist in der verstellbaren Lehne integriert und damit immer in der exakt richtigen Position.

Premiere: adaptive Fondbeleuchtung

Ebenfalls Premiere im Mercedes-Maybach hat die adaptive Fondbeleuchtung. Wählbar sind die Lichtfarbe (kalt/warm) und die Trennung zwischen präzisem Arbeits- und entspanntem Lounge-Licht. Und wenn sich der Fondgast am Infotainment- und Bediensystem MBUX beteiligen will, das vorne über die Hightech-Kommandozentrale läuft, kann er dies entweder über den Bildschirm hinterm Vordersitz machen oder über ein herausnehmbares Tablet auf der Mittelarmlehne. Dort sind zur Entspannung auch zwei Champagner-Gläser untergebracht. Das prickelnde Kaltgetränk kommt aus dem Kühlschrank im Kofferraum, der Zugriff erfolgt über die Durchreiche in der Sitzlehne.

Bei so viel Annehmlichkeiten gerät der Antrieb des Mercedes-Maybach fast in den Hintergrund. In der Basis (S 580) für 164.500 Euro treibt die Limousine standesgemäß ein über 500 PS starker Mildhybrid-Achtzylinder-Biturbo von AMG an. Selbstredend, dass schon damit souveräne Fahrleistungen erreicht werden, gepaart mit einem unglaublichen Komfort und einer faszinierenden Geschmeidigkeit. Denn serienmäßig ist der Mercedes-Maybach mit einer Luftfederung ausgestattet, die an jedem Rad die Feder- und Dämpferkräfte individuell regeln kann. Seine Informationen erhält das Fahrwerk unter anderem von einer Frontkamera, die vor dem Auto die Straßenbeschaffenheit scannt. Für weiteren Reisekomfort sorgt eine aktive Geräuschunterdrückung. Sie läuft über die Mikrofone der Freisprechanlage und über Schallsensoren an den Rädern. Tieffrequente Geräusche werden dann über gegenphasige Schallwellen innerhalb von drei Millisekunden eliminiert. Es ist still im Maybach, mehr Ruhe geht wohl nicht.

Wer zusätzlich etwas über 50.000 Euro investiert, hat die Typenbezeichnung S 680 am Kofferraumdeckel stehen und vorn unter der Haube säuseln vibrationsarme zwölf Zylinder. Willkommen in der Königs-Disziplin des Motorenbaus. Mercedes ist einer der letzten Autobauer, die solch ein feines Aggregat noch im Angebot haben. Wirklich nötig ist der V12 mit seinen 612 PS und 900 Newtonmetern an Drehmoment zwar nicht, doch die Stuttgarter Strategen wissen nur zu gut: Die Kunden kaufen diese Spitzenmotorisierung aus reinen Prestige-Gründen. Aber das tut der Maybach-Besitzer ja eigentlich ohnehin.

 




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