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Fahrbericht Peugeot 508 SW

Feiner Praktiker

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Große Kombis mit jeder Menge Platz hinter den Fondsitzen waren schon immer eine französische Spezialität.
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Beim ersten Erscheinen des neuen Peugeot 508 im Frühjahr wurde ein "Station Wagon" noch vermisst. Jetzt liefert die Löwen-Marke, bringt mit dem 508 SW sogar einen Kombi, der nicht nur viel wegpackt, sondern auch noch richtig gut aussieht.

Von Peter Maahn/SP-X

In den USA oder Asien bekommen klassische Kombis kein Rad auf den Boden, keiner will sie haben. Alle fliegen auf trendige SUV. Nur der alte Kontinent hält der ansonsten siechenden Autogattung noch einigermaßen die Treue. Während Familienväter, einst Stammkunden von Kombis, inzwischen ebenfalls verstärkt in Richtung Pseudo-Geländewagen abwandern, sind es vor allen die Dienstwagen der Handelsreisenden, die auf ihren Lastesel nicht verzichten wollen. Wobei beim neuen, ab 27.184 Euro (netto) erhältlichen Peugeot 508 SW der Vergleich mit einem Esel nun gar nicht passt.

Schließlich ist er eng verwandt mit einer der gelungensten Kreationen französischer Automobilbaukunst der letzten Jahre. Der viertürige 508, der in diesen Tagen auch in Deutschland zu den Händlern kommt, wurde bei seinem Erscheinen hoch gelobt, punktet mit elegant-sportlichem Design zeitgemäßer Coupé-Limousinen und bietet auch im Innenraum mit einem bislang bei französischen Marken selten gesehenen Edel-Ambiente. Alles Vorzüge, die der große Fünftürer mit großer Klappe natürlich übernommen hat.

Der "SW" (steht für "Station Wagon") überträgt die Coupé-Logik des Schwestermodells auf einen klassischen Kombi. Das angeschrägte Hinterteil wirkt dank der recht dicken Backen um die rückwärtigen Räder und der schmalen Heckleuchten optisch breiter als es ist. Die seitliche Dachkante fällt gen Heck deutlich ab, endet schließlich in von einem über das Rückfenster herausragenden Spoiler. Die Formgebung offenbart allerdings einen kleinen Nachteil für die erwachsenen Mitfahrer, die sich auf die hinteren Plätze schwingen wollen. Um unter der Dachkante hindurch zu tauchen, muss der Kopf eingezogen werden. Hier wäre die hilfreiche Hand nach Art eines Polizisten angebracht, der in jedem TV-Krimi den Kopf eines gerade überführten Bösewichts beim Einsteigen in den Fond des Streifenwagens nach unten drückt. Ist diese Klippe überwunden, gibt es dann aber wieder reichlich Luft über dem Haupthaar.

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Der Peugeot bietet all das, was Kombifahrer an dieser Art von Autos seit Jahrzehnten schätzen. Der Laderaum schluckt schon im Fünf-Personen-Betrieb 530 Liter, wird das hintere Gestühl umgeklappt sind es sogar 1.780 Liter. Je nach Version kann bis zu einer halben Tonne an Frachtgut mitgeschleppt werden. Guter Werte, auch im Vergleich mit den direkten Mitstreitern wie VW Passat oder auch dem Renault Talisman. Gegen Aufpreis schwingt die Heckklappe elektrisch angetrieben nach oben, auch Führungsschienen gegen das Verrutschen der Ladung sind zu haben.

Der 508 SW hält ansonsten alles bereit, was bereits in der Limousine zu finden ist. Auch die bekannten fünf Motoren, drei Dieselvarianten und zwei Benziner, mit bis zu 165 kW / 225 PS sind zu haben. Im Test-Kombi arbeitet der Motor, für den sich wohl die Mehrheit der künftigen und vernunftorientierten Kunden entscheiden wird. Der Zweiliter-Diesel mit 120 PS / 160 kW (ab 33.235 Euro netto) überzeugt durch Laufruhe, Durchzugskraft und spontanem Ansprechen. Da alle Motoren die EU-6d-Temp-Vorgabe erfüllen, alle modernen Reinigungssysteme an Bord und nach WLTP-Norm praxisnäher als früher auf Abgase und Verbrauch hin untersucht sind, müssen Fahrverbotszonen kein Thema sein.

Neues Nachtsichtsystem mit Wärmekamera

Auch die lange Liste an Extras und Assistenzsystemen wurde für den Fünftürer übernommen. Neu ist ein Nachtsichtsystem, das mittels einer Wärmekamera 200 Meter weit nach vorn blickt und bei Dunkelheit Tiere oder Fußgänger entdeckt, bevor sie der Scheinwerferkegel erreicht hat. Im Notfall wird automatisch gebremst. Mit 1.008 Euro ohne Mehrswertsteuer ist das "Night Vision" zwar immer noch recht teuer, aber immer noch günstiger als bei den deutschen Premiumherstellern. Wie schon in der Limousine findet sich auch im Cockpit ein 10-Zoll-Motnitor, der ein Tom-Tom-Navi und weitere Funktionen wie das Bild der Heckkamera darstellt. Bei manchen Rivalen ist der Bildschirm größer, hat eine bessere Auflösung und Kartendarstellung und ist dadurch schon rein optisch am Kommandostand des Autos präsenter. Daran ändert auch das digitale i-Cockpit von Peugeot, das vom Fahrer je nach Laune gestaltet werden kann, nicht viel.

Unterm Strich aber hat sich Peugeot die Meriten verdient, eine vom Aussterben bedrohte Auto-Art am Leben zu erhalten. Die fast liebevolle Anpassung der Limousine an die Kombiform beweist, dass der 508 SW für Ingenieure und Designer alles andere als eine Pflichtaufgabe war. Die Franzosen, aber auch immer noch viele Deutsche, lieben nun mal ihre Kombis. 60 Prozent aller bei uns verkauften 508 werden die fünfte Tür am Heck haben. Schließlich verlangt Peugeot auch nur moderate 613 Euro (netto) Aufpreis, um aus dem Viertürer einen schönen Praktiker zu machen.

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