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Fahrbericht Renault Arkana

Herber Kerl mit feinem Motor

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SUV-Coupé kann jetzt auch Renault – und zwar bezahlbar.
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Coupés sind tot. Lange leben SUV-Coupés. Renault huscht mit dem Arkana in diese Nische, die keine mehr ist. Aber ohne Diesel, ohne Plug-in-Hybrid, dafür mit Verve.

Von Autoflotte-Chefredakteur Michael Blumenstein

Ein Geheimnis ist der Renault Arkana nicht. Das nämlich soll der "Vorname" bedeuten, der von arcanum stammt. Das ist Latein und bedeutet – pssst: Geheimnis. Doch weder die Kategorie noch die Zutaten sind geheim oder neu. Dennoch kommt mit dem Arkana frischer Wind ins für manche als "überflüssig" bezeichnete SUV-Coupé-Segment. Spötter behaupten, dass sich in dieser Fahrzeugkategorie alle Negativ-Aspekte diverser Segmente vereinen und die SUV-Coupés unübersichtlich, dicklich, wuchtig, innen mickrig, unhandlich, spritschluckend, schwer, lahm … Die Liste könnte wohl noch weitergehen. Andere sehen darin das Nonplusultra. Objektiv betrachtet? Das Design fällt in jedem Fall auf (gefällt nicht allen) und das hohe Sitzen suggeriert zumindest nach vorne blickend, Übersichtlichkeit. Dass Hinterherfahrende durch die hoch oben befindliche Mini-Heckscheibe kaum noch dritte Bremsleuchten der davor fahrenden Autos wahrnehmen, steht nicht auf der Liste. Genug gemeckert.

Saubere Verarbeitung

Wir steigen ein und fühlen uns: recht wohl. Die im gefahrenen R.S.-Line serienmäßigen Sportsitze umschließen den Körper elegant und halten ihn an Ort und Stelle. Die recht hohe Sitzposition (auch aufgrund der Anbringung im Arkana) lässt sich in Verbindung mit dem Lenkrad so justieren, dass sie wohl die meisten Piloten als angenehm empfinden, wenngleich nicht wirklich viel individualisiert werden kann. Windschutzscheibe und seitliche Dachlinie kommen Großgewachsenen nahe, was gewöhnungsbedürftig ist. Geschaut wird ab der zweiten Ausstattungslinie – die Reihenfolge lautet: Zen, Intens, R.S. Line – auf Digitalinstrumente und auf ein Neun-Zoll-Infotainmentbildschirm. Bei zuletzt genanntem durchzusteigen gelingt auch ohne Studium. Nette Zusatzinfo: Im Navi werden direkt die Spritpreise der umliegenden Tankstellen angezeigt.

Um die Bildschirme ranken sich diverse Materialien, die sich gut anfühlen und ebenso aussehen. Große Ablage (nicht jedoch für große Flaschen) und ein riesiges Handschuhfach gefallen. Weniger gut: Eine Lenkradheizung gibt es nicht. Wer sie mal gewohnt ist, vermisst sie fortan schmerzlich. Guter Klang kommt für 1.000 Euro von Bose. Eine sinnvolle Ausgabe, denn wenn die Musik nicht läuft, rauscht das Lüftergebläse selbst in Minimalstufe hörbar laut. Das Soundpaket ist beim R.S Line übrigens mit Stauassistent, Notrad und Color-Paket das einzige Extra. Individualisierung stirbt also nicht nur bei den E-Autos aus. Beim Arkana liegt es vielleicht daran, dass er in der koreanischen Industriemetropole Busan produziert wird und so die Komplexität verringert wird. Samsung ist der Kooperationspartner, der ihn in Korea als XM3 anbietet. Ja, Samsung macht mehr als nur Smartphones, Tablets und Bildschirme.

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Von Korea in den Arkana

Kommen wir von Südkorea in den Fond des Arkana. Der Türausschnitt ist groß und man schwingt sich elegant rein, bleibt aber wahrscheinlich mit den Füßen an der hohen Türschwelle hängen. Wer sitzt, merkt, dass sowohl nach vorne als auch nach oben viel Platz vorhanden ist – für die Fahrzeuggattung. Dass die Sitzfläche sehr kurz ist, steht auf einem anderen Blatt. Eine Reihe weiter hinten öffnet die Heckklappe nicht hoch genug, einpacken lässt sich mit mehr als 500 Litern jedoch genug.

Dafür, dass Renault sich die LED-Technologie auf die Fahne geschrieben hat – ab Clio leuchten alle Renault serienmäßig mit LED-Scheinwerfern – glühen im und am Arkana sehr viele Halogenlämpchen. Im Grunde ist es nicht schlimm, dass weder Sonnenblende- noch Kofferraumbeleuchtung und auch Bremslicht und Blinker noch mit heißen Drähten aufwarten, aber es passt nicht zum Auto. Und die vorderen Blinker sind bestenfalls zu erahnen, was die Sicherheit nicht erhöht.

Sicher fährt sich der Arkana dafür. Die Fahrwerksabstimmung ist ausgewogen, trotz 18-Zoll-Winterrädern (Seriengröße beim R.S. Line). Adaptiv wird hier nichts gedämpft, gefedert, geregelt, was beweist, dass vernünftige Standardfahrwerke ausreichen. Apropos ausreichen. Die durchschnittliche Motorleistung aller Fahrzeuge liegt in Deutschland mittlerweile bei rund 165 PS. Beim Arkana, der ausschließlich als Benziner auf den Markt kommt, beginnt die PS-Spanne derzeit bei 140 PS und endet bei 143 PS. Kein Scherz. Der "kleine" ist der bekannt gute 1,3-Liter-Turbo, der sogar mit dem Einsatz in Mercedes-Modellen geadelt wird und ein ausgezeichnet laufruhiges und kraftvolles Exemplar darstellt, wenngleich er im Arkana beim Ausdrehen durchaus die Stimme erhebt. Leistungsmangel kommt kaum auf, auch nicht jenseits der Richtgeschwindigkeit. Mit der Beschleunigung in unter zehn Sekunden bewegt sich der Arkana TCe 140 ebenfalls auf zügigem Niveau. Portioniert wird die Kraft mittels Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe – ausschließlich. Und das Getriebe macht die Aufgabe gut, wenngleich eine Wandlerautomatik gerade beim Rangieren feinfühliger agieren kann.

Das Gesamtpaket passt jedoch hervorragend und wirft die Frage auf: Wofür den mit 143 PS nehmen? Er ist hybridisiert. Die Kombination aus einem 1.6-Liter-Benziner und zwei Elektromotoren ergeben die kumulierte Leistung und sollen in Kombination mit dem stufenlosen Getriebe (das muss man wollen) Kraftstoff sparen. Einen Stecker hat er freilich nicht, wenngleich die motorische Lösung dennoch stark nach der im Mégane Plug-in-Hybrid riecht. Da wir den Arkana E-Tech 145 nicht fahren konnten, empfehlen wir den klassischen Benziner, mit gutem Gewissen – sofern es eben so ein herber Kerl im Fuhrpark sein soll.

Technische Daten: Renault Arkana TCe 140 R.S. Line

Preis ab: 27.395 Euro R4/1.333 | 103 kW / 140 PS | 260 Nm | 9,8s | 200 km/h | WLTP: 5,8 – 6,1 S | 132 – 138 g/km | 4.568 x 1.820 x 1.571 mm | 510 – 1.296 l HK: 19 | VK: 23 | TK: 21 | Wartung: 2 Jahre/30.000 km |Garantie: 2 Jahre

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