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Hyundai Ioniq 5

Speerspitze

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Der Ioniq 5 ist in vielerlei Hinsicht ein durchdachtes E-Fahrzeug, das eine neue Richtung für alle Stromer weißt
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Mit dem Ioniq 5 schickt Hyundai eine echte Konkurrenz für den Audi Q4 e-tron oder den VW ID.4 GTX auf die Straße. Reichweiten bis 485 Kilometer machen den Stromer für Flottenkunden interessant.

von Hendrik Klaasen

Ein Auto, auf das diese Attribute tatsächlich zutreffen, ist der Hyundai Ioniq 5. Mit diesem Elektromobil schalten die Koreaner einen Gang hoch und mutieren in Ihrer Selbstwahrnehmung vom Technologie-Nachzügler (Fast Follower) zum Innovationstreiber. Das sind ambitionierte Absichten, zumal sich in diesem Segment Konkurrenten wie der VW ID.4 oder der Skoda Enyaq tummeln. Doch mit einem Einstiegspreis von 35.210 Euro nimmt der Koreaner eher den Audi Q4 e-tron ins Visier. Wir sitzen in der Top-Version mit Allrad- statt Hinterradantrieb und der großen 72,6 Kilowattstundenbatterie (Basis: 58 kWh), was 5.880 Euro extra kostet. Flottenkunden werden in diesen sauren Apfel beißen müssen. "Vorerst wird es keine speziellen Programme für Gewerbekunden beim Ioniq 5 geben", lässt der asiatische Autobauer auf Nachfrage verlauten und verweist auf das Leasingpaket mit einer monatlichen Rate ab 249 Euro.

Äußerlich kann der ansehnliche Hyundai definitiv mit dem Ingolstädter Stromer mithalten und auch beim Platzangebot hält der Ioniq 5 mit einer Länge von 4,63 Metern und einem Radstand von immerhin drei Metern locker mit. Zumal der Abstand zwischen den beiden Achsen um 14 Zentimeter größer ist, als beim Audi Q4 e-tron. Als variables Extra lässt sich die Sitzbank um 13,5 Zentimeter in der Länge verschieben. So hat man die Wahl zwischen einer extra Portion Stauraum oder Business Class mäßiger Beinfreiheit. Bei einer Kofferraumgröße von 499 Liter und 1.559 Liter (wenn man die Lehnen der Rückbank umlegt), stört es nicht, dass der Subwoofer die Ersatzradmulde in Beschlag nimmt und so 28 Liter raubt, die sonst zusätzlich vorhanden wären. Zusätzlichen Stauraum findet man im Trunk, also unter der ehemaligen Motorhaube, der beim Allradler 24 Liter fasst. Wenn man sich für den Hinterradantrieb entscheidet, werden 57 Liter daraus.

Die erste Reihe kommt in den Genuss von Liegesitzen samt Fußstützen. Das Vielfliegerangebot wird durch die um 14 Zentimeter verschiebbare Mittelkonsole, die dem ohnehin schon luftigen Innenraum noch mehr Raum verleiht, komplettiert. Also kann man es sich nach einer anstrengenden Fahrt richtig bequem machen. Eine gute Sitzposition hinter dem Volant hilft, dass die Tagestour nicht so an den Kräften zehrt. Die Sitzposition vorne links ist grundsätzlich in Ordnung. Noch besser wäre sie mit einer längeren Lenkradsäule und mit etwas mehr Seitenhalt der Sitze. Letzteres ist aber nur bedingt relevant, da der Hyundai Ioniq 5 definitiv mehr langstreckentaugliches Fahrzeug als ausgewiesener Kurvenräuber ist.

430 km und 5,2 Sekunden

Dennoch kann man vor allem in der Top-Version mit Allradantrieb und 225 kW/305 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 605 Newtonmetern recht flott unterwegs sein: Nach 5,2 Sekunden erreicht der E-Crossover aus dem Stand die 100 km/h-Marke und ist bis zu 185 km/h schnell. Damit stellt man auch auf zügigen Autobahnetappen kein rollendes Hindernis dar. Dass eine forcierte Fahrweise die Akkus deutlich schneller leersaugt, liegt in der Natur der Sache. In Kombination mit der 72,6 Kilowattstundenbatterie kommt der koreanische Stromer bis 432 Kilometer (nach dem WLTP-Zyklus) weit. Entscheidet man sich für 19 Zoll statt der 20 Zoll Felgen, bringt das 30 Kilometer. Noch besser schneidet der Hecktriebler in der Kombination mit der großen Batterie ab. Der hat zwar 65 kW/88 PS weniger, muss aber mit den 19 Zoll-Rädern erst nach 485 Kilometern zum Stromtanken. Wer auf die kleineren Akkus besteht, bekommt bei der Allradvariante 173 kW/235 PS und eine Maximal-Reichweite von 362 km, beim Hinterradantrieb sind es 125 kW/400 PS sowie 400 km.

Der Ioniq 5 steht auf der neuen Electric Global Modular Platform (E-GMP), die wie der Porsche Taycan, über die 800 Volt-Technologie verfügt. Damit sind ansprechende Ladeleistungen von maximal 220 kW an einer Gleichstrom-Schnellladesäule möglich. Also dauert es laut Hyundai lediglich 18 Minuten, bis die große Batterie an einer 350-kW-Ladestation von zehn auf 80 Prozent gefüllt. An einer Wechselstrom-Wallbox sind nur elf kW möglich, was die Zeit auf 6,09 Stunden schraubt. Dank verschiedener Kooperationen kommen Ioniq 5 Kunden in den Genuss verschiedener Vorteile. Bei EnBW kostet die Kilowattstunde Wechselstrom 29 Cent, den Gleichstrom gibt es für 39 Cent. Ergänzend zum Hyundai Sondertarif bei EnBW gelten die "Charge myHyundai"-Ladetarife: Allerdings muss man da genau hinschauen. Bei "Charge myHyundai Easy" ist eine monatliche Grundgebühr von 4,99 Euro fällig und bietet folgende Tarife: AC-Laden: 0,35 Euro/kWh, plus 0,10 Euro/min (nach 180 min), DC-Laden: 0,46 Euro/kWh, plus 0,20 Euro/min (nach 90 min) und Ionity HPC: 0,79 Euro/kWh. Beim Paket Ionity Premium kostet hier die Kilowattstunde an Ionity Schnellladesäulen 29 Cent. Für Käufer eines Ioniq 5 entfällt dabei ein Jahr lang die Ionity Grundgebühr. Allerdings läuft laut der Hyundai-Webseite das Paket nach einem Jahr aus und kann nicht verlängert werden.

Bildergalerie

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Die Sitzbank lässt sich um 13,5 Zentimeter in der Länge verschieben. So hat man die Wahl zwischen einer extra Portion Stauraum oder Business Class mäßige Beinfreiheit.
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Automatischer Spurwechsel

Auf der Straße schlägt sich der 2.175 Kilogramm schwere Crossover gut. Das Stahlfahrwerk agiert harmonisch und kaschiert das Gewicht des Stromers weitgehend. Ein bisschen Ferrari und Porsche weht ebenfalls durch das Cockpit des Koreaners: Die Fahrmodi werden per Knopfdruck mit einem Manettino aktiviert. Die Programme Eco, Normal, Sport unterscheiden sich spürbar, da sich Leistung, Gasannahme und auch die Rückstellkräfte der Lenkung verändern. Für den entspannten Normalo-Betrieb reicht das gleichnamige Programm oder gleich die Eco-Variante. Ein Individual-Modus fehlt ebenso wie ein automatischer. Dafür bietet der Ioniq 5 ein Schneeprogramm, das auf rutschige Verhältnisse zugeschnitten ist. Am meisten Spaß bringt die Sport-Einstellung, dann färbt sich auch die Geschwindigkeitsanzeige rot und das System holt alles aus dem Antriebsstrang heraus. Die gute Traktion des Allradantriebs bringt die Kraft der beiden Elektromotoren gut auf den Asphalt. Nur wenn es sehr schnell durch die Kurven geht, kommt das System an seine Grenzen. Weniger passend sind das synthetische Lenkungsgefühl und eine leichte Wankneigung.

Die neue Architektur wirkt sich nicht nur auf das Stromtanken aus. Auch bei den elektronischen Helfern spielt der Koreaner ganz oben mit. Der Autobahnassistent 2 schafft sogar automatische Fahrspurwechsel. Alltagstauglicher sind Extras wie die Toter-Winkelkameras, deren Bild beim Blinken auf der jeweiligen Seite des Kombiinstruments angezeigt werden und so auch Radfahrer und Fußgänger erfassen. Ein nützliches Highlight ist das Head-up-Display, das den Fahrer per Augmented Reality auf einer Bildschirmgröße von 44 Zoll informiert, ähnlich wie das beim Audi Q4 e-tron oder dem VW ID.4 der Fall ist. Die koreanische Lösung braucht sich nicht hinter der deutschen zu verstecken: Fliegende Pfeile helfen, den richtigen Weg zu finden und auch die warnende Spurmarkierung funktioniert einwandfrei.

Beim Innenraum besteht kein großer Nachbesserungsbedarf: Die beiden 12,25 Zoll großen Monitore erinnern mit dem breiten Rahmen an ältere Apple iPads, aber die Anzeigen sind gut ablesbar. Links neben dem virtuellen Cockpit befindet sich eine magnetische Fläche, an der man wie bei einem Kühlschrank Notizzettel oder Ähnliches befestigen kann. Bei der ganzen modernen Technik verwundert es etwas, dass das Smartphone per Apple CarPlay und Android Auto nicht drahtlos eingebunden werden kann. Per drahtlose Updates werden das Infotainment und andere Funktionen des Autos verbessert beziehungsweise freigeschaltet. Eventuell reicht Hyundai diese Funktionalität nach. Immerhin bietet der Ioniq 5 jede Menge USB-Anschlüsse und sogar clevere Lademöglichkeiten für E-Bikes oder Laptops. Diese bidirektionale Ladefähigkeit (Vehicle-to-Load/V2L) speist die Fremdbatterien mit bis zu 230 Volt Wechselstrom und einer Leistung von 3,6 Kilowatt. Die Anschlüsse für dieses Laden befinden sich unter den Sitzen der Rückbank oder der Ladebuchse an der Außenseite des Autos, die mit mithilfe eines Adapters für 230-Volt-Endgeräte genutzt werden kann.  

Ioniq 5 125 kW

Preis ab: 35.210 Euro | Heckantrieb I 125 kW/170 PS I 350 Nm I 1-G-Reduktionsgetriebe | 8,5 s I 185 km/h I 16,3 kWh I 0 gI Batterie (netto): 58 kW I Ladeleistung (AC/DC): 11/180 kW | Reichweite (kom./City): 400 km/612 km | Effizienz: A+ | 4.635 x 1.890 x 1.605 mm I 499 – 1.559 l HK: 18 I TK: 23 I VK: 26 | Wartung. 15.000/1 Jahr




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