suchen
Infotainment

Polestar holt Google an Bord

12
1180px 664px
Polestar-Chef Thomas Ingenlath: "Revolution in der Elektroni"
©

Viele Hersteller können gute Autos bauen. Doch bei Infotainment-Software sind die meisten allenfalls Mittelmaß. E-Auto-Newcomer Polestar hat sich deshalb einen prominenten Partner geangelt.

Von Holger Holzer/SP-X

Die Infotainment-Systeme von Neuwagen sind häufig schon bei der Auslieferung an den Kunden veraltet. Vor allem Vielfahrer greifen daher lieber sofort zum Handy und lassen Android Auto von Google oder Apple Car Play die Route finden und das Musikangebot steuern. Volvos Elektroauto-Ableger Polestar will ihnen das künftig ersparen – und setzt als erster Hersteller seine komplette Bordsoftware auf eine Android-Basis. Die Bedienung erleichtert das ungemein, wie ein erster Blick auf das fertige System offenbart.

"Eine Revolution in der Elektronik" verspricht Polestar-CEO Thomas Ingenlath bei der Präsentation des für 2020 angekündigten Polestar 2 auf dem Düsseldorfer Flughafen vollmundig. Die Elektrolimousine ist das erste Auto mit einem Android-basierten Bordinfotainment, kommende Polestar-Modelle werden folgen. Und auch die Schwestermarke Volvo wird in Kürze nachziehen.

Darstellung schnell und ruckelfrei

Die neue Darstellungs- und Bedienlogik mit App-Symbolen, Kacheln und Ordnern auf dem Tablet-großen zentralen Bildschirm kennt jeder von seinem Handy, egal ob dieses Android oder Apples iOS nutzt. Gesteuert wird mit den üblichen Berührungen und Wisch-Gesten, die vom Bord-Rechner gesteuerte Darstellung ist extrem schnell und ruckelfrei – vor allem das Zoomen und Verschieben in der Navigationskarte funktioniert beeindruckend gut.

Die dafür genutzte App ist die bekannte Google Maps-Software, die vor allem dank ihrer exakten und aktuellen Stauvorhersagen bei Autofahrern beliebt ist. Beim Elektroauto Polestar 2 kommt eine weitere wichtige Funktion hinzu: Die App zeigt nicht nur E-Auto-Ladestationen, sondern gibt auch Ladeleistung, Steckertypen und eine Nutzerbewertung an. Ein unschätzbarer Vorteil bei längeren Touren mit einem Stromer, den die herstellereigenen Infotainment-Systeme in der Regel selbst in der Luxusklasse nicht bieten.

Bildergalerie

1180px 664px
Polestar setzt beim Infotainment auf Google. Das Design der Oberfläche ist aber im Stil der Volvo-Marke gehalten.
©

Polestar geht aber noch weiter als lediglich einen Android-Auto-Klon vom Handy in den Fahrzeugcomputer zu holen. Weil die Software komplett an Bord integriert ist, lassen sich auch Komfortfunktionen wie die Klimaanlageneinstellung steuern. Ein kurzer Befehl an Googles Sprachassistenten reicht – denn auch dieser ist komplett integriert. Polestar hat dabei bewusst darauf verzichtet, ihn als Angestellten zu vereinnahmen. Anders als bei den Konkurrenzsystemen, die auf "Hey Mercedes", "Hey BMW" oder "OK Honda" reagieren, hört er auf das aus anderen Nutzungszusammenhängen bekannte "Hey Google".

Die offensive Android-Integration ist ein ungewöhnlicher Schritt. Bisher achten die Autohersteller genau darauf, den Kunden möglichst nur mit ihrer eigenen Software und Benutzeroberfläche in Kontakt treten zu lassen. Zu wichtig ist ihnen die sogenannte "User Experience", die "Nutzer-Erfahrung", die sich nach Möglichkeit vollständig in der markeneigenen Erlebnis- und Designwelt abspielen soll. Polestar öffnet diese ein Stück weit, auch wenn es weiterhin markenspezifische Gestaltungselemente geben wird. Der Grund für die Kooperation mit dem Marktführer aus den USA ist laut Ingenlath einfach: Die bisherigen Infotainment-Systeme waren einfach nicht gut genug. "Die Autoindustrie hat sich da nicht mit Ruhm bekleckert." Das aktuelle Volvo-System nennt er nicht als Beispiel, doch auch dieses hat trotz moderner Optik und aufwendiger Menüführung zahlreiche Schwächen in der Bedienung.

"Die Datenherrschaft liegt beim Kunden"

Dass der Polestar-Fahrer künftig den Datensammlern von Google ausgeliefert ist, glaubt der Markenchef nicht. "Die Datenherrschaft liegt beim Kunden", verspricht er. Prinzipiell könne man das System auch anonym nutzen und auf das Einloggen verzichten. Durch die Anonymität gehen dem Nutzer allerdings einige Komfortfunktionen verloren. So können sich unterschiedliche Fahrer jeweils eigene Profile zulegen, die beim Einsteigen automatisch geladen werden. Von der Sitzeinstellung bis zum bevorzugten Musik-Streamingdienst ist dann alles dem persönlichen Geschmack angepasst. Auf den Autoschlüssel kann man dann ebenfalls verzichten, die Türen und der Motorstart werden per Handy oder über einen kleinen Sender im USB-Stick-Format freigegeben.

Auf die Straße rollt das neue Infotainment-System Anfang 2020. Dann sollen die ersten Polestar 2 in der Start-Edition ausgeliefert werden. Der coupéhafte Viertürer mit leichten Crossover-Elementen verfügt dann über eine 78 kWh große Batterie, die eine Reichweite von rund 500 Kilometern ermöglicht. Für Vortrieb sorgt ein 300 kW / 408 PS starker Elektroantrieb, der den Allrader in rund 4,8 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt. Der Preis für diese Top-Variante liegt bei 60.000 Euro, später soll ein Einstiegsmodell für 40.000 Euro nachgereicht werden.

Vertrieben werden alle aktuellen und künftigen Polestar-Fahrzeuge ausschließlich über das Internet. Statt auf eine teure Händlerorganisation setzt die Marke auf sogenannte "Polestar Spaces" in Innenstadtlagen, wo sich potenzielle Kunden über die Autos informieren können, um sie später online zu bestellen. Den Service übernimmt das Werkstattnetz der Schwestermarke Volvo.




360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Polestar:





Fotos & Videos zum Thema Polestar

img

Polestar Precept

img

Polestar 1 (2020)

img

Polestar 2

img

Polestar-Pläne

img

Polestar 1


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Kraftstoffpreise im ersten Halbjahr

Mehr als 30 Cent Differenz

Der Corona-Lockdown hat auch den Kraftstoffmarkt durcheinandergewirbelt. Ende April waren die Spritpreise auf ihrem Tiefststand.  


img
Experten

Lastenräder können zur Verkehrswende beitragen

Vor allem in Gebieten, wo Fußgängerzonen und geringe Durchschnittsgeschwindigkeiten Autos ausbremsen, sind Cargobikes im Vorteil. Nach Meinung von Fachleuten können...


img
Fuhrparkmanagement

Online-Training für Einsteiger

Worauf neue Fuhrparkverantwortliche in den ersten Wochen besonders achten müssen, vermittelt der BVF jetzt in einem kompakten Selbstlernkurs.


img
Apporo

Corona-Schutz für Flottenfahrzeuge

Die PVC-Folie "Taxiglas" der Apporo GmbH ist in fast alle gängigen Kfz-Typen einsetzbar.


img
Neuer Bußgeldkatalog

Länder setzen neue Fahrverbots-Regeln außer Kraft

Das Hin und Her beim neuen Bußgeldkatalog stellt auch die Bundesländer vor Herausforderungen. Einige wollen schnellstmöglich zur alten Rechtslage zurückkehren.