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Onlineassistenten im Auto

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Ein Unfall, eine Panne oder einfach nur zu faul, das Navigationsziel einzutippen? Bei Opel reicht da künftig ein Knopfdruck.
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Ein Unfall, eine Panne oder einfach nur zu faul, das Navigationsziel einzutippen? Bei Opel reicht da künftig ein Knopfdruck. Dann meldet sich "OnStar".

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Opel geht in die Online-Offensive. Im Vorgriff auf den von der Europäischen Union ab 2018 geforderten automatischen Notruf E-Call holen die Hessen den bei der Konzernmutter General Motors in Amerika seit fast 20 Jahren etablierten Telematik-Dienst "OnStar" im Herbst wieder nach Europa. Damit erfüllen sie allerdings nicht nur die EU-Vorgaben für den automobilen Notfall, sondern bieten ihren Kunden als erster Volumenhersteller einen virtuellen Privatsekretär, wie man ihn bislang nur von den Concierge-Services der Premium-Hersteller kannte.

Technisches Herzstück ist ein LTE-Router, der mit der Fahrzeugelektronik vernetzt ist. So kann er Unfälle erkennen und die Fahrzeugposition übermitteln, aber auch die Diagnose- und Remote-Funktionen übernehmen. Außerdem arbeitet er als WLAN-Hotspot für bis zu sieben Endgeräte und macht den Opel zum mobilen Internetcafe. Den Service selbst übernimmt dann ein Callcenter, das den Kunden individuell oder automatisiert die entsprechende Unterstützung gibt: "Dort sind wie 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar und betreuen die europäischen Kunden in ihrer Muttersprache", sagt Sara Nicholson, die "OnStar" in Europa mit aufbaut.

Die Mitarbeiter melden sich nicht nur automatisch bei einem Unfall oder wenn der Kunde selbst einen Notruf absetzt. Sie unterstützen den Fahrer auch bei deutlich profaneren Dingen. So muss niemand mehr im Navigationssystem Sonderziele suchen oder lange Adressen eintippen. Stattdessen kann man einfach den blauen OnStar-Knopf drücken und diese Arbeit seinem Adviser überlassen. Der sucht die passenden Daten zusammen und schickt sie direkt als Route zurück in den Wagen.

Ein weiterer Bestandteil des Systems ist ein App, mit der man von überall auf den Wagen zugreifen, Ölstand oder Reifendruck überprüfen, die Türen verriegeln oder auch einfach nur den Standort bestimmen kann, damit man sein Auto auf dem Parkplatz wiederfindet. Die Werkstatt kann über eine Fernabfrage die wichtigsten Diagnose-Daten abrufen. Wird der Wagen als gestohlen gemeldet, hilft das System der Polizei bei der Suche. Bei einer Panne schickt das Servicecenter auf Knopfdruck einen Helfer. Und wer seine Schlüssel verliert oder im Wagen einschließt, muss sich nur über das Handy identifizieren, schon entriegelt "OnStar" die Türen.

Start in diesem Herbst

Starten soll das System in Europa noch in diesem Herbst und es braucht nicht viel Phantasie für die Vermutung, dass die drei Knöpfe am Innenspiegel zum ersten Mal im neuen Opel Astra zu sehen sein werden. Binnen Jahresfrist wollen die Hessen dann nahezu die gesamte Modellpalette mit dem Modul anbieten und dabei keine Klassenunterschiede machen: Egal ob Karl oder Insignia, im "Internet der Dinge" sind alle Opel gleich, lautet das Credo von Firmenchef Karl-Thomas Neumann.

Wozu Neumann noch kein Wort sagt, sind die Preise. Zwar wird das OnStar-Modul in einigen Modellen und Ausstattungslinien serienmäßig sein. Doch wie hoch der Aufpreis für alle anderen Varianten sein wird, ist noch genauso offen wie die Höhe der monatlichen oder jährlichen Service-Pauschalen: "Wir haben da ja noch ein bisschen Zeit", entschuldigt sich Produktmanagerin Sara Nicholson. "Schließlich ist der Dienst in Europa im ersten Jahr für alle Kunden kostenlos." Aber General Motors bietet diesen Service nicht aus Nächstenliebe, wir wollen damit auch Geld verdienen, sagt James Kobus aus dem "OnStar"-Management aus Detroit – nicht umsonst verlangen die Amerikaner nach einer kurzen Probezeit von nur drei Monaten zwischen 20 und 35 Dollar im Monat – und noch einmal bis zu 150 Dollar pro Jahr für zusätzliches Datenvolumen in den mobilen Hotspots.

Zwar baut Opel bei der Einführung von "OnStar" auf die Erfahrungen aus den USA. Schließlich hat die Konzernmutter dort bereits sechs Millionen Kunden, nimmt in vier Call-Centern rund fünf Millionen Anrufe pro Monat entgegen, schickt vier Millionen Routen in die Autos und hilft bei 100.000 Notfällen. "Aber 1:1 übertragen lassen sich die Erkenntnisse aus Amerika nicht", sagt Opel-Chef Neumann. Damit meint er nicht zuletzt die Sorge um die Privatsphäre und den Datenschutz, die in Europa ausgeprägter sei als jenseits des Atlantiks. Nicht dass GM in Amerika Schindluder mit den Daten treiben oder gar Bewegungsprotokolle der Nutzer aufzeichnen würde. Doch damit die Opel-Fahrer definitiv die Datenhoheit behalten, bekommt OnStar in Europa einen eigenen "Privacy"-Knopf, der die Übermittlung der Positionsdaten unterdrückt.

Schnelle Datenverbindung ins Fahrzeug

Auf den ersten Blick ist "OnStar" nicht viel mehr als eine Cyber-Nanny für Autofahrer und die intelligente Umsetzung der E-Call-Vorgabe. Doch Opel-Chef Neumann will den Service nicht allein auf solche Hilfestellungen reduziert wissen. Der studierte Elektroingenieur sieht in dem LTE-Modul auch die schnelle Datenverbindung ins Fahrzeug und die vielen Möglichkeiten, die sich damit eröffnen. Schon jetzt lassen sich mit Service- und Wartungshinweise aus der Bordelektronik auslesen und bald wird es ein vorausschauendes Gesundheitszeugnis für den Antrieb geben, der die Kunden schon in die Werkstatt schickt, bevor es zu einer Panne kommt. Kurzfristig umsetzbar könnten auch Online-Updates für die Bordelektronik sein, mittelfristig denkt Neumann an Car-to-Car- und Car-to-X-Kommunikation und langfristig sieht er "OnStar" auch als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren. So wird der Telematikdienst für ihn zur Brücke in eine neue Zeit: "Damit bringen wir das digitale Leben ins Auto und das Auto ins digitale Leben."

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