suchen
USA

Fiat Chrysler wegen Abgas-Vorwürfen verklagt

1180px 664px
Fiat Chrysler wird beschuldigt, illegale Software zur Abgaskontrolle in rund 104.000 Dieselwagen installiert zu haben.
©

Nach VW haben die USA auch Fiat Chrysler wegen angeblichen Abgas-Betrugs verklagt. Damit drohen dem italienisch-amerikanischen Autoriesen, dessen Diesel auch in Europa unter Manipulationsverdacht stehen, ein aufwendiger Rechtsstreit und hohe Strafen.

Erst Volkswagen, nun Fiat Chrysler: Die US-Regierung hat einen zweiten Großkonzern der Autoindustrie wegen angeblichen Abgas-Betrugs verklagt. Fiat Chrysler wird beschuldigt, illegale Software zur Abgaskontrolle in rund 104.000 Dieselwagen installiert zu haben. Das geht aus der Klageschrift hervor, die das Justizministerium am Dienstag (Ortszeit) bei einem Gericht in Detroit im US-Bundesstaat Michigan im Auftrag der Umweltbehörde EPA einreichte.

Die EPA hatte bereits im Januar mitgeteilt, dass sie nach dem Skandal bei Volkswagen auch Fiat Chrysler wegen geschönter Abgaswerte im Visier habe. Der Manipulationsverdacht habe sich bestätigt, teilte die Behörde jetzt mit. Die Eröffnung des Zivilverfahrens markiert eine schwere Eskalation des Konflikts und könnte für den Hersteller einen langwierigen Rechtsstreit mit hohen Kosten bedeuten.

Fiat Chrysler äußerte in einem Statement Enttäuschung über den Schritt des Ministeriums. Der Konzern prüfe nun die Klageschrift und beabsichtige, sich energisch zu verteidigen. Trotz des Rechtsstreits werde man aber weiter mit den US-Umweltämtern kooperieren, um die Bedenken der Behörden rasch und einvernehmlich auszuräumen. An der New Yorker Börse geriet die Aktie von Fiat Chrysler unter Druck und ging mit einem Minus von gut vier Prozent aus dem Handel.

Betroffen sind Jeep und Ram

Bei den Anschuldigungen gegen den Konzern geht es ähnlich wie bei VW um den Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid, der mit Hilfe einer sogenannten Abschalteinrichtung ("Defeat Device") manipuliert worden sein soll. Betroffen sind das Jeep-Modell Grand Cherokee und Pick-up-Trucks der Marke Ram der Modelljahre 2014 bis 2016. Im März kam heraus, dass das Justizministerium, die Börsenaufsicht und Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten ebenfalls ermitteln.

Zudem ist der Konzern, der die Vorwürfe entschieden zurückweist, in den USA mit Sammelklagen im Namen von Dieselbesitzern konfrontiert. Umweltschützer begrüßten das konsequente Vorgehen der Regierung am Dienstag. "Fiat Chrysler reiht sich ein in die lange Reihe der Autobauer, die unsere Luftreinheit und die Gesundheit unserer Familien hinten anstellen, indem sie bei Emissionstests betrügen", sagte Direktor Michael Brune von der Naturschutzorganisation Sierra Club. Harte Strafen seien nötig, damit die Branche nicht länger glaube, die Luft ohne Konsequenzen verpesten zu können. 

Streit zwischen Italien und Deutschland

Auch in Europa wird Fiat Chrysler schon länger der Abgas-Trickserei verdächtigt. Zwischen Italien und Deutschland tobt ein Streit über möglicherweise gefälschte Schadstoffwerte. Am vergangenen Mittwoch erst spitzte sich der Konflikt weiter zu, die EU-Kommission leitete ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Sie wirft Italien vor, Anschuldigungen gegen Fiat nicht angemessen nachzugehen. In den USA hatte der Konzern den Umweltbehörden am Freitag noch Umrüstungspläne für die betroffenen Dieselwagen vorgelegt und sich zuversichtlich gezeigt, die Rechtsstreitigkeiten so beilegen zu können.

Die Klage verschärft die Lage für den Autobauer erheblich. Der Fall erinnert nun immer stärker an den Abgas-Skandal von VW. Er hatte die EPA 2015 dazu veranlasst, die Abgaswerte aller Hersteller unter die Lupe zu nehmen, so geriet auch Fiat Chrysler ins Visier. Die VW-Affäre hatte ebenfalls mit einem Verdacht der US-Umweltbehörden begonnen, der dann zu Klagen von Kunden und der US-Regierung führte.

Der Konzern hat inzwischen Kosten in Höhe von 22,6 Milliarden Euro für Vergleiche in Nordamerika verbucht. Allerdings sind bei Fiat Chrysler deutlich weniger Fahrzeuge betroffen - VW hatte Abschalteinrichtungen in fast 600.000 US-Dieselwagen installiert. (dpa)




360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Abgas-Skandal:






Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2019 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Neues Wartungskonzept bei VW

Inspektionsintervall verdoppelt

VW schickt seine europäischen Kunden künftig deutlich seltener in die Werkstatt. Doch nicht nur die Häufigkeit, sondern auch der Umfang der Inspektion ändert sich.


img
Kurz gemeldet

Neu im Showroom

Jeep Renegade: Vernetzt ins neue Modelljahr +++ Sprachsteuerung für Mercedes V-Klasse +++ Seat Tarraco: Basisbenziner auch mit Automatik +++ Dacia Sandero Stepway...


img
Fahrdienstvermittler

Limousinen-Service "Uber Premium" gestartet

Mit dem Start des Dienstes "Uber Premium" können Nutzer vorerst in Berlin für Fahrten Limousinen der gehobenen Mittel- und Oberklasse bestellen. Der höhere Fahrpreis...


img
EuroNCAP-Crashtest

Sternenregen zum Jahresende

Gleich ein Dutzend neue und überarbeitete Pkw mussten sich dem letzten Crahstest des Jahres stellen. Die meisten glänzten – einen Ausfall gab es aber auch.


img
Studie

Bessere Umweltbilanz von E-Auto-Batterien

Die CO2-reiche Produktion von E-Auto-Batterien ist ein Zankapfel in der Diskussion um ein besseres Klima. Der Fertigungsprozess werde jedoch zunehmend umweltfreundlicher,...