suchen
Vernetzung

VW wandelt sich zum Software-Entwickler

1180px 664px
Kunden des VW-Konzerns sollen ihren Wagen in Zukunft mit einem "digitalen Einkaufszentrum" vernetzen.
©

Elektronisches Bezahlen fürs Tanken und Parken, Streaming, drahtlose Updates: Vernetzung ist ein zentrales Thema in der Autobranche. VW wandelt sich vom reinen "Hardware"-Anbieter zum Software-Entwickler - ein Zukauf soll bald auch für Verbraucher spürbar werden.

Das Auto als rollender App-Store: Kunden des VW-Konzerns sollen ihren Wagen in Zukunft mit einem "digitalen Einkaufszentrum" vernetzen und wichtige Funktionen wie Updates der Fahrzeug-Software von überall aus erledigen können. Dazu wollen die Wolfsburger das Stuttgarter Unternehmen Diconium jetzt vollständig unter ihr Dach holen. Der Schritt hat auch für den internen Wandel des Autoherstellers eine hohe Bedeutung: Die VW-Gruppe sucht immer mehr IT-Experten und will Anwendungen zunehmend selbst entwickeln.

"Es gibt künftig nur noch eine Kern-App, mit der der Kunde auf alle Services zugreifen kann", erklärt Kernmarken-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Über die Nutzer-ID würden Auto, Händler und Hersteller zusammengebracht. Geplant sind auch Dienste zum Bezahlen beim Parken, Tanken und Aufladen oder für Multimedia-Streaming. In den Aufbau der nötigen Online-Infrastruktur und die Integration von Diconium steckt VW nach dpa-Informationen eine dreistellige Millionensumme. Dazu wird der bisher 49-prozentige Anteil an der Firma aus Baden-Württemberg auf 100 Prozent aufgestockt. Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Dienste wie Carsharing (WeShare) oder der Volkswagen-Shuttle-Service Moia bleiben zunächst zwar eigenständige Angebote. "Aber das 'Einkaufszentrum' ist ein modulares System, wir schalten es Schritt für Schritt frei", sagte Stackmann - erst einmal in Europa.

Diconium bleibt als eigene Marke bestehen

Diconium hat derzeit knapp 1.100 Beschäftigte. Laut Mitgründer Andreas Schwend bleibt die eigene Marke bestehen: "Die Aktivitäten werden innerhalb der Car.Software-Organisation von VW weiterbetrieben." Auch mit anderen Kunden liefen Projekte, der angestrebte Umsatzanteil aus den Aktivitäten bei Volkswagen liege bei 50 bis 60 Prozent.

Der weltgrößte Autobauer hatte zum Jahresbeginn eine Software-Einheit gestartet, die die Kompetenzen in der Fahrzeug-IT bündeln soll. Bis 2025 will VW über externe Übernahmen, Neueinstellungen und Fachleute aus den eigenen Marken mehr als 10.000 Experten in dem Bereich haben.

1180px 664px
Die Geschäftsführung von Diconium um die Gründer Daniel Rebhorn (l.) und Andreas Schwend (r.) wird mit Anja Hendel verstärkt.
©

Digitalvorstand Christian Senger sieht Diconium dabei als "nächsten konsequenten Schritt. Der Schwerpunkt liegt hier auf Schnittstellen zwischen Software und Handel." Das Stuttgarter Gründer-Team bleibe im Unternehmen, so solle die Firmenkultur erhalten werden. Neu an Bord kommt Anja Hendel. Die Digitalexpertin wechselt von Porsche in die Geschöftsführung von Diconium. Sie soll das Gründerduo Andreas Schwend und Daniel Rebhorn unterstützen un dabei helfen, die direkte Zusammenarbeit mit Volkswagen auszuweiten.

Händler frühzeitig eingebunden

Die niedergelassenen Händler habe man frühzeitig eingebunden. Klar sei, dass neben digitaler Kommunikation persönliche Kontakte in den Autohäusern wichtig sind. "Wir stellen fest, dass Automobilunternehmen ohne festen Vertrieb im Volumengeschäft in Schwierigkeiten kommen können", sagte Senger. Doch parallel seien Digitalplattformen für das Auto als "eine der letzten unerschlossenen Datendomänen" nötig. Zu einem E-Auto-Prototypen des japanischen Elektronikriesen Sony auf der Technikmesse CES in Las Vegas meinte der Manager: "Es werden sicher noch mehr Player auftreten." Beim Ausbau seiner Cloud-Dienste arbeitet VW auch mit Microsoft zusammen.

Der große VW-Konzernhändler Steffen Hahn erklärte: "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass der Hersteller in Richtung Digitalisierung denkt. Denn viele Prozesse, die online darstellbar sind, bieten Vorteile für uns und unsere Kunden." Es gehe um eine Kombination online/offline. Ersetzen lasse sich der klassische Handel aber nicht - vor allem in der Beratung, betonte der Kfz-Unternehmer. (dpa)




360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Digitalisierung:





Fotos & Videos zum Thema Digitalisierung

img

Mercedes-Benz C-Klasse (2022)

img

VW Tiguan (2021)

img

Digitalisierung von Mercedes-Nfz

img

Audi AiMe

img

Mercedes-Benz Chark.me

img

Byton K-Byte Concept


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2021 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Restrukturierung

Europcar ist "back in the game"

Der französische Mietwagenriese hat sich finanziell neu aufgestellt und das Schutzschirmverfahren verlassen. Das Unternehmen will sich zu einem "führenden Anbieter...


img
Car Professional Management

Zurück in die Zukunft

Nach der ersten Pandemie-Phase sind die Flotten zurück im Tagesgeschäft, verrät uns Mattes Decker. Doch dieses bedeutet vor allem, jetzt schon für ein fallweise...


img
Verdoppelung bis 2030

VW legt bei E-Flotten-Zielen nach

Ein festes Datum für ein Verbrenner-Aus gibt es weiterhin nicht. Beim Ausbau der Elektromobilität erhöht Volkswagen nun jedoch noch einmal seine Ziele bis zum Jahr...


img
Unfall nach Spurwechsel

Hintermann haftet nicht immer

Wer beim Spurwechsel zu knapp vor seinem Hintermann einschert, trägt unter Umständen die alleinige Schuld an einem Unfall. Auch, wenn bis zum Crash ein wenig Zeit...


img
Porsche Taycan Cross Turismo

Elektro-Kombi fürs Grobe

Porsches zweite E-Auto ist kein SUV, sondern ein Kombi im Offroad-Kleid. Passende Fahrräder für die Touren abseits der Straße gibt es auch Wunsch gleich dazu.