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Weltpremiere des Maserati MC20

Bella Italia neu entdeckt

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Der MC20 ist der gebührende Nachfolger des V12-Supersportlers MC12.
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Maserati meldet sich kraftvoll zurück. Der flache MC20 soll die sportlichen Gene der Traditionsmarke wiederbeleben, aber auch als Zugpferd für die normalen Modelle dienen.

Von Peter Maahn

Eigentlich sollte das große Fest schon im Frühjahr gefeiert werden. Doch kann kam Corona. Maserati plante um und verschob die Wiedergeburt des ersten echten Sportwagens mit dem Dreizack-Logo seit 15 Jahren in den Spätsommer. Direkt an der Rennstrecke im italienischen Modena ließ die Mittelmotor-Flunder MC 20 die letzten Hüllen fallen und sonnte sich im Beifall der brav Abstand haltenden Premieren-Gäste. "Unser Supercar ist ein riesiger Schritt in eine völlig neue Phase unserer Geschichte", sagt Maserati-Chef Davide Grasso.

Ein Sportwagen der alten Schule, mit flacher Haube, aber hochkant geschlitzten LED-Scheinwerfern, die vorderen Kotflügel lugen oben etwas über die Fronthaube hinaus, um sich hinten noch deutlicher aufzuplustern. Die schräg ansteigende Frontscheibe geht direkt ins Dach über, das dann in der Mitte der Passagierkuppel schon wieder gen Heck abfällt. Das Rückfenster ist recht klein geraten und mit Luftschlitzen versehen. Schließlich dient es auch als Abdeckung des Mittelmotors und lässt neugierige Blicke auf das silbern glänzende Kraftpaket zu. Am Hinterteil dominieren auch noch die herausragenden Oberseiten der Kotflügel. Dagegen wirken die breiten Rückleuchten richtig brav. Unterm Strich also ein potenter Auftritt des Neulings im Klassik-Stil, aber hochmodern inszeniert.

Wie es sich gehört, hat der MC20 standesgemäß einen Mittelmotor vor der Hinterachse, der durch dicke seitliche Kiemen atmet. Das MC steht für "Maserati Rennsport" und die "20" für das Erscheinungsjahr. Beim Vorgänger MC 12, der in seiner Epoche Anfang des Jahrtausends mehrmals die Weltmeisterschaft gewann, bezog sich die Zahl noch auf die Summe der Zylinder. Da steckt der Neuling deutlich zurück, begnügt er sich doch mit der halben Zahl an Töpfen, aber auch Hubraum.

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Trotz Downsizing liegt der Dreiliter-Sechszylinder mit 463 kW / 630 PS nur um deren zwei hinter dem Vorgänger. Dass er in der möglichen Spitze von 325 km/h dem MC12 um 20 km/h hinterherhinkt, sei nur am Rande erwähnt. Beides ist zumindest auf öffentlichen Straßen irrelevant. Der größte Unterschied der beiden MC-Modelle verschiedener Zeitalter: Der Vorgänger war als Rennwagen entwickelt worden, der erst später dann auch eine Straßenzulassung erhielt. 50 Stück wurden gebaut. Beim MC 20 ist es umgekehrt. Er soll erst im zweiten Schritt auch als Basismodell für pure Rennwagen dienen. Ein Limit für die Produktion gibt es nicht.

Stolz sind die Teams aus Modena vor allem auf ihre neu gewonnene Eigenständigkeit von der großen Schwestermarke Ferrari aus dem gleichen Konzern. Arbeitet zum Beispiel im stärksten SUV Maserati Levante ein Triebwerk des Rivalen aus dem eigenen Stall, ist der Twinturbo des MC20 eine komplette Eigenentwicklung, für die die Mutter Fiat-Chrysler (FCA) viel Geld bereitgestellt hat. Eine spezielle Methode der doppelten Einspritzung nutzt dabei Technik aus der Formel 1. Schon auf dem Papier ist die Power atemberaubend: Spurt in knapp drei Sekunden auf Tempo 100, die Durchzugskraft von 730 Newtonmetern soll er ohne Allradhilfe sicher auf die Straße bringen.

Purismus und Sicherheit zugleich

Natürlich sind alle modernen Assistenzsysteme auch für den MC20 auf Wunsch mit an Bord. Laut Maserati darf Purismus nicht auf Kosten der Sicherheit gehen und erteilt damit all jeden Fans eine Absage, die aus Stolz auf ihre Fahrkunst lieber auf die Helferlein verzichtet hätten. Nicht verzichtet werden muss auf die Musik, die aus den beiden armdicken Endrohren über dem ebenfalls martialischem Heckdiffusor tönt. In einem speziellen Sportmodus bollert der MC20 so heftig los, dass Rammsteins Werke dagegen wie eine zarte Symphonie anmuten. Die Frage ist, ob der mutwillige, aber echte Lärm den Segen der Behörden findet.

Keine Genehmigungsprobleme dagegen bei den nach oben schwingenden Türen, die sich wie Schmetterlingsflügel öffnen und eine bequeme erste Phase des Zugangs ins Auto ermöglichen. Die zweite jedoch bedingt, sich in die tief montierten Sportsitze gleiten zu lassen und später elegant wieder heraus zu kommen. Das dürfte aber ein Problem sein, dass die avisierte Kundschaft ebenso löst, wie das Zahlen des Kaufpreises von gut 180.000 Euro netto.

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