GM-Insolvenz noch vor Weihnachten?

12.12.2008 13:18 Uhr
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer
© Foto: Auto-Reporter

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet ohne staatliche Milliardenhilfen eine Insolvenz der Opel-Mutter General Motors (GM) "vor oder kurz nach Weihnachten". Eine GM-Pleite würde auch "spätestens ein halbes Jahr später" zu einer Insolvenz von Opel führen, sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die diskutierte Bürgschaft der Bundesregierung für Opel in Höhe von einer Milliarde Euro wäre unter diesen Vorzeichen sinnlos, warnte Dudenhöffer. "Da Opel eine 100-prozentige GM-Tochter ist, würde das Geld automatisch in die Insolvenzmasse fließen." Man könne sich nicht dagegen absichern, dass das Geld nicht nur für Opel eingesetzt werde. Eine Insolvenz von GM wäre "vergleichbar mit dem Fall Lehman Brothers im Bankenbereich und wird eine unkalkulierbare Abwärtsspirale in Gang setzen", mahnte Dudenhöffer. Auch Chrysler sei von einer Pleite bedroht. Die Ablehnung der Kredite von 14 Milliarden Dollar durch den amerikanischen Senat in der Nacht zu Freitag sei ein "dramatisches Zeichen" und erhöhe das Risiko eines schnellen Zusammenbruchs auf dem US-Automarkt. GM und Chrysler hatten Milliarden-Kredite noch im Dezember verlangt. GM engagierte laut einem Zeitungsbericht bereits Insolvenzberater. Ford gilt vorerst als etwas weniger gefährdet. Dudenhöffer erwartet, dass auch ein Gang in die Insolvenz und eine mögliche Sanierung GM nicht retten kann. "Im Laufe des Jahres würde das Unternehmen liquidiert." Auch GM-Chef Rick Wagoner glaubt, selbst eine kontrollierte Insolvenz mit Gläubigerschutz könnte für den Autohersteller tödlich ausgehen. Die Verbraucher würden keine Autos von einer Firma kaufen, die verschwinden könnte. Unter dem Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts können Firmen die Bedienung ihrer Schulden aussetzen und sich in Ruhe sanieren. Unter anderem so gut wie alle US-Fluggesellschaften hatten dies schon gemacht. USA: Ein Beben bei den Zulieferern In den USA erwartet Dudenhöffer bei einer GM-Pleite ein Beben bei den Zulieferern mit einer Gefahr für hunderttausende Jobs. An der Autoindustrie hängen nach verschiedenen Schätzungen drei bis fünf Millionen Arbeitsplätze in den USA. "Auch deutsche Firmen würde das schwer treffen." Als Beispiel nannte er den DAX-Konzern Continental. "Conti würde dadurch ins Wackeln kommen, da die Eigenkapitaldecke relativ gering ist." Schwere Vorwürfe richtete Dudenhöffer gegen die US-Gewerkschaften. "Es ist unglaublich, dass sie durch ihre Weigerung, Lohneinbußen hinzunehmen, maßgeblich für das Scheitern des Rettungspakets im Senat verantwortlich sind." Die Auto-Gewerkschaften hatten sich geweigert, die von den Republikanern geforderten tiefgreifenden Lohnkürzungen zu akzeptieren. Damit sollten die Kosten auf das Niveau der japanischen Hersteller in den USA gesenkt werden. Die Chancen für eine Lösung würden immer geringer, der Faktor Zeit ganz entscheidend, sagte Dudenhöffer. Wie eine Rettung aussehen könnte, sei angesichts des Abwärtsstrudels derzeit "völlig unklar". (dpa)

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