"Wahrscheinlich werden wir nur bis 30 km/h Sound machen müssen, darüber ist das Abrollgeräusch der Reifen laut genug", meint Ralf Kunkel. Er leitet den Bereich Akustik bei Audi und tüftelt gerade mit seinen Kollegen am Sound für den Stromer e-tron.
Der Verzicht auf einen Verbrennungsmotor geht mit einem Verlust der typischen Nebengeräusche einher. Was für die Insassen angenehm ist, kann für Passanten gefährlich werden. Schleicht sich nämlich ein nur leise surrendes E-Auto heran, hören die anderen Verkehrsteilnehmer ihn nicht kommen. Deshalb gibt es beispielsweise in den USA seit vergangenem Jahr eine Lautstärkeregelungen für elektrifizierte Fahrzeuge, wie der Audi-Ingenieur Kunkel erklärt.
Synthese-Sound statt Motorenlärm
Der Sound für den Bereich des Citytempos ist für den Fachmann aber noch nicht genug. "Das wäre etwas wenig, wir werden sicher in einen höheren Bereich gehen", ist Kunkel sicher. In der Sound-Werkstatt sind weniger klassische Maschinenbauer als vielmehr Komponisten gefragt, denn es gilt, das fehlende Motorgedröhne mittels synthetischem Klang nachzuahmen.
"Der Sound eines Autos hat Ähnlichkeiten mit Musik", erklärt der Akustik-Ingenieur Rudolf Halbmeir und meint, dass die Geräusche direkt auf den Bauch wirken und nicht aufs Gehirn. Tiefe Frequenzen lassen Kraft und Gelassenheit spüren, mittlere Töne lösen ein Empfinden von Sportlichkeit und Agilität aus, lautet die Formel für die Forscher.
Je nach Fahrsituation erzeugt der Computer das passende Fahrgeräusch
Die Soundtüftler machen sich an die Arbeit und diese findet vor allem am PC statt. Klänge werden zusammengebracht, bewertet und neu abgemischt. "Ich erschaffe emotionale Gebilde, die es zuvor nicht gibt", erklärt Halbmeir. "Das ist beim Fahrzeugsound nicht viel anders als in der Musik. Ich folge meinem Gespür, ich muss die Ideen ausprobieren, um zu erkennen, wohin sie mich führen."
Der E-Sound ist synthetisch und wird ständig vom Auto selbst erzeugt. "Unser Steuergerät erhält vom Fahrzeug ständig Informationen über die Drehzahl der E-Maschinen, die Last, die Geschwindigkeit und weitere Parameter. Aus diesen Daten generiert es den Klang", erklärt der Hard- und Software-Experte Lars Hinrichsen die Wirkungsweise.
Acht Watt starke Lautsprecher reichen aus
Ein Lautsprecher, der am Fahrzeugboden montiert ist, verbreitet die künstlich erzeugten Lebenszeichen des Ingolstädter Stromers. "Wir haben ihn auf 40 Watt Leistung ausgelegt, aber im normalen Betrieb beschränken wir uns auf fünf bis acht Watt. Das genügt, dass Fußgänger und Radler in der Nähe das Auto hören", berichtet Fachmann Axel Brombach.
So werden die mobilen Leisetreter künftig deutlich wahrnehmbar sein, auch wenn nicht die Mechanik, sondern der Computer die Motorhaube zum Brummen bringen wird. (rs)